30.04.2023 Cangzhou Mighty Lions- Nantong Zhiyun 1:1

China Super League

Zuschauer: 6.988

Cangzhou Stadium

In China stand ein verlängertes Wochenende durch den Maifeiertag an. Verlängerte Wochenenden sind in China gleichbedeutend mit Völkerwanderungen. Das komplette Ausmaß wurde uns erst nach Ende der Null-Covid Politik bewusst. Wir hatten uns relativ früh entschieden an diesem Wochenende nichts Größeres zu machen, sondern im Pekinger Umland zu bleiben. Ich hatte dieses Spiel auf dem Spielplan entdeckt und fand die Option charmant. Cangzhou liegt in der Pekinger Nachbarprovinz Hebei und ist mit dem Schnellzug in einer knappen Stunde zu erreichen. Es handelt sich hierbei um eine dieser Millionenstädte, die niemand kennt. Über 7 Millionen Einwohner leben in der Stadt, doppelt so viele wie in Berlin. Total verrückt!

Ich stellte im Vorfeld aber fest, dass auch nur wenige Chinesen ein Bild von Cangzhou haben, denn im Vorfeld erntete ich viele skeptische und verwirrte Blicke, wenn ich von meinen Plänen erzählte. Aufgrund der geographischen Nähe zu Peking und der fehlenden Attraktivität der Stadt, machte ich mir um die Anreise ehrlich gesagt keine Gedanken mehr. Zugtickets in China werden immer erst zwei Wochen vor dem Reisetag freigeschaltet. Als ich 10 Tage vor der Reise guckte, war einfach alles vergriffen. Man hätte natürlich daran denken können, dass Cangzhou selten die Endstation ist, sondern auch auf der Zugstrecke nach Shanghai liegt…

Ich ließ mich dann auf unzählige Wartelisten schreiben und am Ende hatten wir das Glück, dass noch ein Ticket storniert wurde und wir so zuschlagen konnten. Es handelte sich dabei um ein „Business Class“ Ticket, was schon ziemlich pervers war. Wo in der Economy Klasse fünf Sitze sind, sind in der Business Class lediglich zwei. Somit hatte man wahnsinnig viel Platz und man konnte den Sitz zu einem vollwertigen Bett machen. Dazu gab es auf der einstündigen Fahrt ein Mittagessen, eine Snacktüte und zahlreiche Getränke. Das war schon eine Erfahrung und aufgrund der Kürze der Fahrt auch finanziell darstellbar.

In Cangzhou angekommen fuhren wir erst einmal in die Unterkunft. Wir hatten noch circa acht Stunden bis zu Beginn des Spiels und die wollten in Cangzhou auch irgendwie verwendet werden. Richtige Sehenswürdigkeiten gibt es hier nicht und so spazierten wir einfach durch die Hitze und entdeckten einige schöne Parks. Hier zog man die Blicke auch viel deutlicher auf sich als in Peking. Begeistert stellten wir fest, dass es in der Stadt auch Mopeds von Alipay zum Ausleihen gab. So cruisten wir durch die Stadt und kehrten in einigen Lokalitäten ein.

Gegen 18:30 und somit noch kurz vor der Stadionöffnung, erreichten wir dann den Umlauf. Am Stadion war so gut wie gar nichts, sodass wir die verbleibende Viertelstunde bis zur Öffnung auf einer Treppe verbrachten. Am Stadion hatte ich dann nicht den Eindruck, dass irgendjemand eine Ahnung hatte, wie mit uns umzugehen war. Ich hatte versucht im chinesischsprachigen Shop Tickets zu kaufen und hatte auf jeden Fall das Geld bezahlt. Irgendwie wurde ich das Gefühl aber nicht los, dass es sich vielleicht um einen Ticketgutschein und nicht um ein tatsächliches Ticket handelte. So absolvierten wir den Parcours und wurden immer weitergeschickt. Schlussendlich hatte anscheinend niemand Lust auf den Konflikt, denn es guckten zwar alle skeptisch, aber schlussendlich standen wir ohne richtige Kontrolle im Stadionumlauf.

Wir hatten noch circa 60 Minuten bis zum Anpfiff und viel zu tun, gab es nicht. Wir umrundeten das Stadion noch einmal auf der Suche nach unserem Block und kauften uns zwei Wässerchen am Getränkestand. Am Blockeingang dann erneut ratlose Blicke, aber wir wurden weitergewunken. Wir waren dann etwas nervös, da wir keine Platzangabe auf unserem „Ticket“ hatten. Schlussendlich wurde der Block zwar ziemlich voll, aber niemand erhob Anspruch auf unsere Sitzplätze.

Es gab erneut zwei Stimmungsblöcke der Heimmannschaft. Wir waren sogar bei der Generalprobe dabei. Ein Mann mit Megaphon übte die verschiedenen Kommandos und insbesondere das synchrone Fahnenschwenken sorgte doch für einige Schmunzler. Trotzdem war ich auch heute wieder positiv überrascht. Relativ melodisch sangen beide Stimmungsblöcke fast 90 Minuten durch und erreichten dabei eine ordentliche Lautstärke. Etwas merkwürdig, dass man sich dann aber nicht zusammenstellt, sondern sein eigenes Ding durchzieht. Einige Gäste waren ebenfalls anwesend- traten aber nicht wirklich in Erscheinung.

Im heutigen Spiel waren uns zumindest Tore vergönnt. Es war ein relativ munteres Hin- und Her, dass am Ende leistungsgerecht mit einem 1:1 endete. Mit der Schiedsrichterleistung waren nicht alle zufrieden, sodass es wieder einige böse Beleidigungen gab. Wir sprangen nach dem Spiel in ein Taxi und guckten dort auf dem Handy die Partie der alten Dame.

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