06.05.2023 Hertha BSC- VFB Stuttgart 2:1

1. Bundesliga

Zuschauer: 63.443

Olympiastadion: Berlin

Nach dem gestrigen Empfang mit wunderbarem Sonnenschein, zeigte sich Berlin heute von seiner anderen Seite. Es war kalt und penetranter Nieselregen klatschte mir ins Gesicht. Ich fuhr am Morgen erst einmal zum Hauptbahnhof, um dort meine Tasche zu deponieren. Nach dem Spiel musste es nämlich ziemlich schnell gehen, um den Zug zu erwischen. Nachdem dieser Programmpunkt erfolgreich abgehakt war, machte ich mich auf den Weg, um mich in der Gesellschaft einiger Herthaner auf das Spiel einzustimmen. Es war ein schönes Gefühl viele der bekannten Gesichter wiederzusehen. Grüße gehen raus an Tschernie, der eine Hervorhebung an dieser Stelle per Sprachnachricht penetrant einforderte. Ich freue mich, wenn Hertha in naher Zukunft wieder den verdienten Stellenwert in meinem Leben einnimmt.

Ich hatte noch nicht gefrühstückt und so waren die vorbereiteten Schrippen meine Rettung. Ich verlaberte die Zeit und als es Zeit zum Aufbruch war, konnte ich sogar die Premiumvariante in Anspruch nehmen und erhielt einen Autoplatz. Vielen Dank dafür! Am Stadion gönnte ich mir dann noch ein Cider am Parkplatz und ging dann relativ kurz nach der Stadionöffnung in das Innere. Komplett wild zu sehen welche Dimensionen der Aufkleberverkauf mittlerweile angenommen hat. Ich kann mich an viele kalte Nachmittage erinnern, an denen wir teilweise Probleme hatten, wesentlich geringere Mengen unter die Herthaner zu bringen. Schön zu sehen, dass offensichtlich viele Leute ihre Stadt verschönern wollen und dabei auf die Motive von Sprayathen zurückgreifen.

Ich ging dann heute auch früh in die Kurve und sog die Atmosphäre auf. Unser Olympiastadion ist einfach besonders und das wird einem umso bewusster, wenn man nicht jedes zweite Wochenende die Chance hat die Ostkurve zu betreten. Heute war ein großer Zuschauerzuspruch zu erwarten. Die Fanszene des VFB Stuttgarts hatte aufgrund der sportlichen Relevanz des Spiels im Vorfeld mobilisiert. Gleichzeitig hatten offensichtlich auch viele Herthaner das Bedürfnis dem Abstieg noch einmal etwas entgegenzusetzen.  

Die Fanszene des VFBs startete mit einem Intro in die Partie. Im Oberrang war ein rotes Transparent mit dem Stuttgarter Stadtwappen angebracht. Im Unterrang wurde ein Spruchband der Kategorie „Wunschdenken“ gezeigt, das „Auswärtssieg“ las. Dazu gab es rote Luftschlangen geworfen. Das gab ein ordentliches Bild ab- aber insbesondere beim Werfen der Luftschlangen gab es einen Frühstart. Die Mannschaften waren zu diesem Zeitpunkt noch in den Katakomben. Auch in der Folge machte das optisch wie von der Cannstatter Kurve gewohnt einen wirklich guten Eindruck. Auch die Schalparade gefiel mir gut. Die Lautstärke kann ich kaum bewerten, da wir in der Ostkurve einen guten Tag erwischten und somit kaum etwas vernehmbar war.

Die Ostkurve bescherte mir heute noch einmal einen magischen Tag. Eigentlich hatte ich die Hoffnung bereits vollständig begraben. Zu schlecht waren die Auftritte der Mannschaft in den vergangenen Wochen und zu verdient schien mir der Abstieg zu sein. Was aber in den folgenden 90 Minuten passierte, war einfach legendär. Die gesamte Spieldauer wussten wir mit einer guten Lautstärke und gutem Fahneneinsatz zu überzeugen. Insbesondere in der zweiten Hälfte, hatte ich teilweise Tränchen in den Augen, denn immer wieder stiegen die Haupttribüne und die Gegengerade in die Gesänge mit ein. In dieser Form habe ich das bei unseren Heimspielen fast noch nie erlebt. Dabei wurden wir auch durchaus kreativ und machten Dinge, die ich auch noch nicht so häufig bei uns erlebt habe: Dazu gehörte der „Leise/Laut-Wechsel“. Fand ich vorher irgendwie kuttig- aber in dem Moment war es genau richtig und kitzelte noch einmal alles aus den Leuten heraus. Wirklich ein toller Auftritt aller Herthaner an den ich mich noch einige Zeit erinnern werde.

Die Mannschaft bäumte sich in der heutigen Partie noch einmal auf. Von Beginn an stimmte zumindest die Einstellung und der Kampf wurde sichtlich angenommen. Nach circa 30 Minuten köpfte „ausgerechnet“ Kempf „ausgerechnet“ nach einer Ecke ein. Eine absolute Willensleistung, die die Ostkurve zum Beben brachte. Den zwischenzeitlichen Ausgleich der Stuttgarter, konnte der Krumfuß Niederlechner kurz vor der Pause kontern. Gerade in der Schlussphase hatten wir dann endlich mal das nötige Quäntchen Glück. Stuttgart hatte noch zahlreiche Chancen, aber irgendwie konnte der Sieg über die Zeit gerettet werden und so keimte die Hoffnung auf den Klassenerhalt noch einmal auf.

Trotz des Sieges war die Reaktion auf die Mannschaft nach dem Spiel verständlicherweise eher reserviert. Mein Zug hatte bereits eine knappe Stunde Verspätung, sodass ich nach dem Spiel mich zumindest nicht hetzen musste. So ging es noch mit auf den Parkplatz und nach einem Cider verabschiedete ich mich dann. Mit einer saftig vollen S-Bahn ging es zum Hauptbahnhof und im Schneckentempo aufgrund der Baustelle in Richtung Westen.

Dieser Tag machte mir wieder einmal deutlich, warum ich ins Stadion gehe und diesem Verein trotz allem die Treue halte. Hertha BSC heißt unser Verein, Hertha BSC wird es immer sein“

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