1. Bundesliga
Zuschauer: 50.000
Müngersdorfer Stadion: Köln
Klar- es war bescheuert, aber ich war die gesamte Woche nervös. Ich hatte die abstruse Hoffnung, dass diese Trümmertruppe vielleicht doch noch das Ruder rumreißen könnte und uns den Klassenerhalt bescheren könnte. Aber so ist das wahrscheinlich: Man kann sich für noch so abgeklärt halten, wie man möchte- am Ende ist man einfach ein Fan dieses Scheißvereins und macht jedes Mal aufs Neue die emotionale Achterbahnhfahrt mit. Der Tag begann für mich in Bonn und es wurden böse Erinnerungen wach, als ich mich im Regionalexpress befand und die Fahrt statt den avancierten 30 Minuten am Ende 70 Minuten dauerte.
Irgendwann waren wir dann aber in Köln angekommen und netterweise wartete direkt Na. auf den Klabauterkeaper und mich. Nach einer herzlichen Begrüßung ging es dann gemeinsam in Richtung Neu-Ehrenfeld. Neu-Ehrenfeld ist der hässliche Stiefbruder des Hipsterviertels Ehrenfeld. Unser eingeschlagener Weg war auch etwas kurios und so versuchten wir verzweifelt die zahlreichen Hauptverkehrsstraßen zu überqueren. Irgendwann bogen wir in unsere Zielstraße ein und dort angekommen war es dann eigentlich recht nett. Dumm nur, dass das anvisierte portugiesische Café per Zettel eine Schließung kommunizierte. Zum Glück gab es in der Nähe eine düstere portugiesische Spielunke, die uns erstaunlich freundlich empfing. So hatten wir in einem etwas abgetrennten Nebenraum ein schönes Plätzchen, um zu quatschen und diverse leckere Getränke zu verköstigen.
Irgendwann trennten sich dann die Wege und gemeinsam mit dem Klabauterkeaper zog ich noch weiter in ein portugiesisches Restaurant in der Nähe. Das Essen war extrem lecker- nur leider wurde das zeitlich nun doch alles etwas knapp. Außerdem unterlief mir noch ein richtiger Anfängerfehler, denn ich hatte mich mit dem Publikum im Restaurant verkalkuliert. Man guckt ja dann immer um sich und versucht eventuelle Gefahrenherde zu erkennen. Leider hatte ich eine Ecke übersehen und den Blicken nach zu Urteilen hatte sich dort ein Althool eingenistet. Nunja, außer bösen Blicken gab es nichts, aber ich war froh als uns auf der Straße niemand nachstellte.
Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit ging es dann mit einem dieser duseligen Elektroroller in Richtung Stadion. Dabei geriet ich in einen Wolkenbruch und war somit völlig durchnässt am Stadion. Am Einlass war gerade alles entspannt, sodass ich das günstige Fenster nutzte, um stressfrei reinzugehen. Kurz danach kam dann auch die Fanszene, sodass wir gemeinsam den Block betraten. Einmal mehr war das Gästekontingent komplett (?!) ausverkauft. So war es spürbar eng im Block und mir fehlte ein wenig die Fantasie wie wir dort alle hinpassen sollten. Schlussendlich ruckelte sich das aber alles ein und man hatte zumindest etwas Luft zum Atmen.
Freitagabend- Flutlicht und ein echtes alles oder nichts Spiel. Wir waren definitiv bereit. Fahnen in die Luft und gleich mit einer saftigen Lautstärke in die Partie gestartet. Dabei gelang es uns wieder einmal gut den Sitzplatzblock mitzunehmen. Bereits in der achten Minute kam dann aber der fast erwartbare Dämpfer. Wer traf? Natürlich Davie Selke… Ich glaube es gab niemanden im Gästeblock, der damit nicht gerechnet hatte… Wir machten weiter! Und was war das für ein Spielverlauf? Extrem glücklich, aber wir konnten tatsächlich durch Tousart ausgleichen und dann sogar durch Jovetic in Führung gehen.
Immer wieder warfen wir uns im Gästeblock ungläubige Blicke zu? Sollten wir das hier heute wirklich erleben? Nein- natürlich nicht, denn wir sind Hertha! Jede andere Mannschaft der Bundesliga wäre zumindest mit einem Remis in der Pause gegangen. Wir fingen uns noch zwei Tore und lagen tatsächlich mit 3:2 in Rückstand. In der zweiten Halbzeit war Köln maximal dominant. Durch einen groben Schnitzer von Hector, hatte Jessic noch die große Chance auszugleichen. Die Chance wurde fahrlässig vergeben und am Ende fingen wir uns fünf Dinger und mussten damit sogar echt noch zufrieden sein. Die Abwehr hätte sich heute sogar gegen einen Regionaligisten fünf Dinger gefangen. Das war absolut desaströs!
Irgendwann warfen wir dann auch das Handtuch und stellten den Support ein. Nun waren die Köllner gut vernehmbar, die sich mit der „Hey-Das geht ab“ Melodie über unseren Abstieg mokierten. Joa… Zu Beginn des Spiels gab es auch zahlreiche Spruchbänder gegen uns, die ich jetzt nicht so wahnsinnig gelungen fand. Ich nehme das mal als Zeichen, dass sie uns ernst nehmen. Viel Spaß in der nächsten Saison gegen Hoffenheim und Co… Generell fand ich den Auftritt der Südkurve jedoch heute besser als in den vergangenen Jahren. Optisch war das wie gewohnt gut und heute stimmte auch die Lautstärke. Auf die Nerven gingen mir wie in der Vergangenheit jedoch die normalen Zuschauer- ich werde mit diesem Schlag Mensch einfach nicht warm.
Nach dem Spiel bequemte sich die Mannschaft zumindest in Richtung des Gästeblocks. Da die Niederlage quasi gleichbedeutend mit dem Abstieg war, überwogen heute eher hitzige Diskussionen und niemand hatte so richtig Lust die Visagen der Spieler anzugucken. Schon krass wie sich auf diese Mannschaft wieder sportlich unter Wert verkauft hat. Mit dieser Qualität muss man nicht absteigen… mit den gezeigten Leistungen hingegen schon.
Nach dem Spiel verabschiedete ich mich und lief dann mit dem Klabauterkeaper in Richtung Köln Süd. Wir hatten beide keine Lust auf die volle Tram und so zogen wir den Weg einfach zu Fuß durch. Dort tauchte dann einfach kein Zug auf. So warteten wir bis weit nach Mitternacht eine geschlagene Stunde an diesem schrottigen Bahnhof, bevor endlich ein Regio kam, der uns in die Bundesstadt Bonn brachte. Dort angekommen fielen wir direkt ins Bett.

