National 2
Zuschauer: 400
Stade Dominique-Duvauchelle: Creteil
Der Thalys brachte mich am heutigen Samstag von Brüssel nach Paris. Zuvor hatte ich drei Stunden stehend im ICE von Köln nach Brüssel verbracht und war zwischen Reisenden aller Nationen eingequetscht. Dafür floss in Brüssel bei meinem kurzen Aufenthalt im portugiesischen Stammlokal der Wein in Karaffen. Auf der Strecke nach Paris fuhren wir uns etwas Verspätung ein. Am Gare du Nord sprang ich kurzentschlossen in den Vorortszug in Richtung Créteil, der mich in mein heutiges Domizil bringen sollte. Diese Verbindung hatte den Vorteil, dass ich schnell in der „Nähe“ meiner Unterkunft war. Der Nachteil war, dass als zweiter Bestandteil der Route ein Bus bestiegen werden musste. Dieser war leider so abartig voll, dass ich nicht einmal den Versuch startete mich mit meinem Gepäck zwischen die Banlieue Jugend zu drängen. Also ging es stilecht bei 30 Grad für drei Kilometer durch ein unansehnliches Gewerbegebiet.
Mein Hotel lag direkt neben dem Stadion von US Créteil Lusitanos, was natürlich kein Zufall war. Ich checkte bei einer außergewöhnlich freundlichen Frau ein, die wohl meine Fußballbegeisterung in meinen Augen erkennen konnte und mir somit ein Upgrade und ein Zimmer mit Blick auf den heutigen Ground gewährte. Vielen Dank! Kurz die Tasche in die Ecke gepfeffert und dann im Laufschritt zurück zum Stadion. Der Kartenkauf war unkompliziert und für 8 Euro (teuerste Kategorie) betrat ich circa zur zehnten Minute das Stadion und suchte mir einen Platz auf der Haupttribüne. Das Betreten der Tribüne kam einer Ankunft in einer anderen Klimazone gleich. Hier erreichte mich keine Sonne mehr und es wahr durch den pfeifenden Wind ziemlich zugig. Brutal!
Für die Heimmannschaft aus Créteil ging es um nicht mehr viel, denn man befand sich im gesicherten Mittelfeld ohne Aufstiegshoffnungen und Abstiegsängste. Für die Gäste aus Fleury-Mérogis hingegen ging es noch um den Aufstieg. Die Anreise war für die Gäste ziemlich kurz und so hatten sich circa 150 Leute im Gästeblock eingefunden, die jedoch bis auf eine Zaunfahne nicht weiter in Erscheinung traten. Auf der gegenüberliegenden Seite hatten sich auf der Heimseite circa 20 Leute hinter der „Kop Banlieue“ Fahne versammelt. Schon einmal ein starker Name! Ich habe eine ziemliche Schwäche für kleinere Szenen und so gefiel mir das auch heute wieder sehr. Der Haufen war 90 Minuten in Aktion und sang schöne und melodische Lieder. Dazu gab es einige Fahnen und Doppelhalter, die situativ eingesetzt wurden. Ein schöner Auftritt und mein Respekt das in diesem großen Stadion so auf sich alleine gestellt durchzuziehen.
Ansonsten herrschte nämlich leider größtenteils Tristesse im weiten Rund. Aufgrund des Namens hatte ich auf eine kleine portugiesische Community gehofft. Im Jahr 2002 kam es zu einer Fusion und der portugiesisch gegründete Verein Lusitanos wurde in den Hauptverein eingegliedert. Die Einflüsse waren jedoch leider weder auf dem Rasen noch auf den Rängen zu spüren. Unterhaltsam war das Publikum dennoch, denn es wurde munter gewitzelt, gepöbelt und reklamiert. In der Halbzeit genoss ich eine sehr leckere Merguez mit Pommes, die wirklich kompetitiv bepreist war.
Das Stade Dominique Duvauchelle ist zu allen vier Seiten ausgebaut und eine wirkliche Augenweide. Insbesondere als dann auch noch die Sonne pittoresk unterging war ich im siebten Stadionhimmel. Auf dem Rasen plätscherte das Spiel eine lange Zeit dahin. Dann schlug die Heimmannschaft eiskalt zu und konnte zwei Tore erzielen. So kam es am Ende zu einem nicht unverdienten 2:0 Sieg, was die Gäste im Aufstiegsrennen zurückwirft. Ich drehte nach dem Spiel noch eine kleine Runde durch das Viertel und ließ den Abend dann recht früh enden.





