Senior 5
Zuschauer: 1
Stade Dominique-Duvauchelle Nebenplatz
Ich wachte am Morgen auf und mein erster Blick fiel auf das Stadion nebenan. Zwischen dem Hotel und dem Stadion lag noch ein weiterer Kunstrasenplatz. Es war noch recht früh am Morgen, aber die Bewegungen kamen mir etwas verdächtig vor. Es wirkte so, als ob sich zwei Mannschaften für ein Spiel bereitmachen würden. Ich beschloss duschen zu gehen und die Situation im Auge zu behalten. Wenige Minuten später gab es keinen Zweifel mehr: Hier wird heute Fußball gespielt.
Das war umso bemerkenswerter, als dass es heute laut der Groundhopper App kein einziges Spiel in Paris geben sollte. Nach meiner Recherche fand ich heraus, dass das wohl unter anderem an einem Schiedsrichterstreik in der Stadt lag. Damit wollten die Referees auf die schlechte Behandlung und die hohe Bedrohungslage im Rahmen des Amateurfußballs hinweisen.
Das Spiel hatte jedoch einen Schiedsrichter. Ob es sich um einen Streikbrecher oder um einen „Amateur“ handelte, konnte ich nicht abschließend beantworten. Stilecht wurden die Assistenten jedoch von den beiden Teams gestellt und fungierten somit in Doppelrolle als Linienrichter und als mobiler Coach. Insbesondere der Linienrichter der serbischen Gastmannschaft füllte beide Rollen selbstbewusst und wortgewaltig aus.
Ich wollte eigentlich nur für wenige Minuten reinschnuppern und hatte mir offengehalten dann das Spiel doch nicht zu gucken. Schlussendlich konnte ich mich jedoch nicht vom Sportplatz lösen. Zu lustig waren die Interaktionen zwischen den beiden Mannschaften und die Flüche der Serben donnerten nur so über den Sportplatz. Zudem ist meine Statistik seit China auch einfach kläglich und ich witterte die Chance diese unkompliziert ein wenig aufzuhübschen. Leider zog dieses Spektakel nur mich an und es gab keinen weiteren Zuschauer. Auf der Brücke nebenan guckten ab und zu ein paar Leute zu, die auf den Bus warten mussten, aber ansonsten gab es absolut niemanden. Ich nutzte meinen Standortvorteil, um die Halbzeit im Zimmer zu verbringen.
Nachdem das Spiel lange dahinplätscherte, brachen nach einiger Zeit alle Dämme. Die Heimmannschaft Maccabi erzielte Tor um Tor und konnte die Partie schlussendlich mit 5:1 gewinnen. Etwas verdächtig erschienen mir die „fliegenden Wechsel“ beider Mannschaften. Anscheinend hatte man sich informell darauf geeinigt wie beim Basketball Spieler auswechseln und wieder einwechseln zu dürfen. Diese Kreativität war aber auch nötig, denn beide Mannschaften hatte sage und schreibe einen Auswechselspieler. Nach dem Spiel ging es dann mit der Metro in Richtung shiny Paris!



