11.06.2023 Legon Cities FC- FC Samartex 1996 3:2

Ghana Premier League

Zuschauer: 300

El Wak Sports Stadium: Accra

Über meine Klimabilanz müssen wir in diesem Jahr Stillschweigen vereinbaren. Einmal mehr stand aufgrund einer Dienstreise eine viel zu lange Flugreise an. Am Vormittag war ich in Ghana angekommen und im Vergleich zu der derzeitigen Hitzewelle in Peking, empfand ich die Temperaturen um die 30 Grad fast als angenehm. Nach 18 Stunden Reisezeit und acht Stunden Zeitverschiebung war ich entsprechend gerädert. An diesem Wochenende fand jedoch der letzte Spieltag der ghanaischen Premier Leaugue statt. Unter der Woche gab es kurz einen Hoffnungsschimmer da ein Spiel in Accra in der Groundhopper App vermerkt wurde. Nur leider stellte sich schnell heraus, dass diese eine Falschinfo war. Der Verein kam zwar aus Accra- es gab jedoch eine Pressemitteilung, die bestätigte, dass aufgrund vom Umbaumaßnahmen bis zum Saisonende in einer anderen Stadt gespielt werden sollte.

Somit hatte ich die Hoffnung eigentlich schon aufgegeben. Die Informationslage war jedoch erstaunlich gut und so hatte die Fußballliga ein Foto von den heutigen Spielorten auf Twitter gepostet. Nach einer kurzen Eingabe auf Google Maps stellte ich fest, dass doch ein Spiel in Accra ausgetragen werden sollte. Jackpot! Das Herumdüsen in Ghana war auch außerordentlich einfach. Die Bolt App funktionierte tadellos und so konnte ich mir entspannt ein Taxi zum Spielort rufen. Die Qualität der Autos war zwar teilweise gewöhnungsbedürftig, aber ich kam stets lebendig am Ziel an.

Mein heutiges Fahrzeug war auch einwandfrei und ich hatte ein sehr nettes Gespräch mit dem Fahrer, der nur am Wochenende Taxi fährt, um den Geldbeutel etwas aufzufüllen. Eine sehr schöne Begegnung und ich wurde direkt am Eingang herausgelassen. Bei Spielen auf dem afrikanischen Kontinent weiß man ja nie so richtig mit wie viel Trubel zu rechnen ist. Ich stand schon in abartigen Schlangen und musste den Bullenknüppeln ausweichen, die verzweifelt versuchten Leute vom Stadionsturm abzuhalten. Hier war nichts dergleichen los und das hatte mehr gemein mit der Situation beim SC Rheinbach als bei Maxaquene in Mosambik.

Ganz entspannt bekam ich für 10 ghanaische Cedi (0,90 Cent) eine Eintrittskarte und betrat das recht spärlich gefüllte Stadion. Es gab einen festen und einen mobilen Getränkestand und auf einem Grill wurde etwas Fleisch zubereitet. Das mundete insbesondere mit der Piri-Piri Sauce schon sehr. Ich suchte mir in der ersten Halbzeit ein Plätzchen auf der Tribüne in der Nähe des Eingangs. Diese war deutlich leerer und so wurde sich freundlich gegrüßt. Etwas schrottig war die Tribüne schon und die zahlreichen Säulen zur Stabilisierung sorgten für eine signifikante Sichteinschränkung.  

In de zweiten Halbzeit wechselte ich die Seite. Dort gab es die gleiche Bauart der Tribüne, aber es waren zusätzlich noch einige Sitzschalen eingebaut. Dort war es deutlich voller und da gab es auch die erwarteten 1-2 Rufe aufgrund der Hautfarbe. Als ich dort meinen Platz eingenommen hatte, war jedoch auch alles entspannt. Kurios waren dort die zwei Leute vor mir, die ein Ingolstadt und ein Sankt Augustin Trikot trugen. Support gab es nicht, aber auf den Rängen waren Fans von beiden Vereinen zugegen. Dadurch wurde mir auch erst sehr spät klar wer die Heimmannschaft war und ich klatschte schlussendlich bei Treffern beider Mannschaften.

Das Spiel war durchaus unterhaltsam. Der Greenkeeper hatte unter der Woche wohl gestreikt und so war der Rasen einfach viel zu lang und der Ball geriet immer mal wieder ins Stocken. Mindestens bei einem Gegentreffer spielte das auch eine Rolle. Es ging munter hin- und her und schlussendlich konnte die Heimmannschaft das Spiel mit 3:2 gewinnen. Damit schließt man die Saison auf Platz 9 ab und konnte aufgrund des besseren Torverhältnis noch am Gegner FC Samartex vorbeiziehen. Während des Spiels hingen auch viele Leute am Radio, denn die Meisterschaft war noch nicht endgültig entschieden. Medeama SC ließ jedoch nichts anbrennen, sodass an dieser Stelle mein Glückwunsch an die Mannschaft geht.

Nach dem Spiel wurde dann ein Durchgang gesperrt, um den Mannschaften zunächst den Gang in die Katakomben zu ermöglichen. Da das nicht in der allergrößten Eile geschah, musste ich umsatteln und die lange Stadionrunde wählen. Dort ging es vorbei an den sehr ramponierten Holztribünen hinter den Toren. Obwohl ein Großteil der Holzbalken fehlte, saßen dort immer noch einige Zuschauer, was ein starkes Bild ergab. Auf der Hinterseite stellte ich dann noch fest, dass das Stadion anscheinend vom chinesischen Staat gebaut und gesponsert wurde. So schließt sich dann der Kreis! Vielen Dank an China für dieses schöne und gut erhaltende Stadion.

Nach dem Spiel ging es dann noch einen Happen essen und sehr früh endete für mich der erste Tag in Accra mit sehr guten Eindrücken.  

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