China Super League
Zuschauer: 40.000
New Worker Stadium: Beijing
Ich hatte richtig Lust endlich mal wieder in Peking ins Stadion zu gehen. An diesem Freitag passte der Termin perfekt in das Wochenendprogramm und so wurde in einer kleinen Gruppe der Ticketkauf abgesprochen. Kurzfristig mussten wir einen Auswechselspieler auswählen, denn eine Mitspielerin macht den Willy Kanga. Der neue Mann fügte sich aber gut ein und machte seine Sache ausgesprochen gut. Wir hatten uns zunächst in einem Nudelladen in Sanlitun getroffen, um uns für das anstehende Spiel zu stärken. Somit ging es wieder relativ spät in Richtung Stadion, das wir jedoch gegen 19:15 erreichten.
Die Schlange war zwar nicht wirklich lang, aber wieder zeigte sich, dass man als Ausländer hier öfter aufgrund der Umstände zu einem genervt-bedröppelten Gesicht gezwungen wird. Es gab zwei Mitarbeitende, die in der Lage waren, unsere Passnummern einzutippen und uns dann das Papierticket auszuhändigen. Wenn dann auch noch 50% davon nicht die Fähigkeiten mitbringen, dann wird es schnell ein langwieriges Unterfangen.
Im dritten Anlauf waren wir dann endlich erfolgreich und konnten die Sicherheitskontrolle passieren. Zu diesem Zeitpunkt wurde bereits die Nationalhymne gespielt. Zum Glück wurde jedoch erst um 19:35 angestoßen- in meinem Kopf ging es bereits um 19:30 los. Dadurch saßen wir tatsächlich kurz vor dem Anpfiff auf unseren Plätzen. Wir waren heute im zweiten Rang und saßen genau auf der gegenüberliegenden Seite der Guoan-Kurve. Lediglich der Blick auf den Gästeblock war etwas verbaut. Das fiel heute aber nicht weiter in Gewicht, denn nur circa 50 Fans aus dem „nahegelegenen“ Henan liefen circa zur 20. Minute pöbelnd ein. Ansonsten wurden sie zwar regelmäßig beleidigt, traten aber selbst kaum in Erscheinung.
Die Guoan Kurve verfolgte die ersten 15 Minuten aus Protest schweigend. Grund dafür waren wohl die schlechten Leistungen der Mannschaft in den letzten Spielen. Schon faszinierend diese chinesische Art von Protest zu verfolgen. Genau in diese Schweigephase fiel dann auch der Führungstreffer für Henan. Ich hatte den Eindruck, dass es aus der Kurve sogar ironischen Applaus gab.
Dann wurde die Stimmung aufgenommen und sofort wurden die Gesänge in einer beeindruckenden Lautstärke herausgedonnert. Eine interessante Randnotiz war, dass sich die Gruppe im Oberrang mit den circa 50 Supportwilligen nicht an dem Boykott beteiligte. In der Folge entwickelte sich eine gute Stimmung und insbesondere die Pöbeleien gegen die Gäste aus Henan wurden sehr leidenschaftlich vom gesamten Stadion getragen. Schade, dass ich da nicht alles verstehe und unsere chinesische Freundin wurde plötzlich sehr schüchtern mit Übersetzungen… Ein gutes Zeichen für die hohe Qualität der Beleidigungen.
Nach dem Schockmoment und der Führung der Gäste, fing sich Guoan zunehmend. Durch einen Kopfball konnte der Ausgleich erzielt werden. Der Torschütze blieb im Tor liegen und nach dem Wappenkuss wurde erst einmal ein ausgiebiges Gebet durchgeführt. Der göttliche Beistand schien in der Folge zu helfen, denn Guoan war jetzt im Spiel drin. Nicht schädlich war sicherlich der Schiedsrichter, der gefühlt sehr parteiisch für die Heimmannschaft pfiff. So wurde es auf dem Rasen immer hitziger und das Zugucken machte immer mehr Spaß. Guoan konnte schlussendlich mit 3:1 gewinnen.
Nach dem Spiel rannte der Torwart von Guoan noch zum Außenstürmer der Gäste und nötigte diesen zu einer Entschuldigung gegenüber dem Publikum. Der Außenstürmer hatte zuvor einen Ball auf die Tribüne geballert und mit weiteren Gesten die Stimmung weiter angeheizt. Interessanterweise gab er der Aufforderung nach und wurde dafür mit Applaus bedacht.
Nach dem Spiel wurden wir dann von einem übermotivierten Ordnungshüter heraus komplementiert, obwohl die Mannschaft noch nicht einmal die Stadionrunde absolviert hatte. Schon wieder sehr nervig. Dafür schmeckte der Marsch im Mob über die Straßen wieder sehr. Wir ließen den Abend noch mit einem Getränk im nahegelegenen Courtyard ausklingen und guckten dann völlig frustriert die erneute Hertha-Niederlage auf der Couch. Entkräftet ging es dann um 02:30 Ortszeit ins Bett.





