08.11.2023 Ventforet Kofu- Zhejiang FC 4:1

Japan National Stadium: Tokio

Zuschauer: 12.256

AFC Champions League

Viel besser hätte mein Japan Trip nicht terminiert können, denn auch am Mittwoch fand in Tokio ein Spiel der asiatischen Championsleague statt. Ventforet Kofu hatte im vergangenen Jahr als Zweitligist das Wunder wahrgemacht und den japanischen Kaiserpokal gewonnen. Das war der erste große Titel des Vereins (abgesehen von Titeln in unterklassigen Ligen). Gratis obendrauf gab es das Startrecht in der asiatischen Championsleague. Natürlich eine wahnsinnige Geschichte. Für die Spiele weicht man in das japanische Nationalstadion aus, dass anlässlich der olympischen Sommerspiele in Tokio neugebaut wurde.

Um Platz zu machen für das neue Nationalstadion, wurde das alte im Jahr 2015 vollständig abgerissen. Der Bauprozess gleicht den Geschichten in anderen Städten und Ländern: Verzögerungen, Planänderungen und Kostenexplosionen. Schlussendlich kostete der Bau circa 1,4 Milliarden Dollar und somit mehr als dreimal so teuer, als das Olympiastadion in London. Aua. Das Resultat kann sich aber sehen, wie ich finde. Um Nachhaltigkeitsaspekten stärker gerecht zu werden, wurde viel auf die nachwachsende Holz gesetzt. Auch mit Blick auf die Energiegewinnung wurden neue Wege gegangen. Auch nach den olympischen Spielen hat man sich für die Beibehaltung der Laufbahn entschieden, was ich sympathisch finde. So gibt es wenigstens klare Kurven und eine Abweichung zum derzeitigen Einheitskanon der Stadienbauweise.  

Das Spiel sollte das einzige sein, dass bei meiner Auswahl tatsächlich in Tokio und nicht in der Metropolregion ausgetragen werden sollte. Daher hatte ich mir vorher in den Kopf gesetzt unbedingt zu Fuß zum Stadion zu laufen. Auf direktem Weg waren das immer noch knapp 12 Kilometer von meiner Unterkunft und natürlich ließ ich es nicht dabei bewenden, sodass am Ende des Tages wie auch fast an jedem anderen Tag eine 2 vorne auf dem Tacho stand.

Auch heute war das Wetter wieder absolut goldig und so machte der Anreisespaziergang wirklich Spaß. Ich gönnte mir kurz vor dem Stadion noch ein leckeres Abendessen und näherte mich dann wieder durch ein Wohnviertel dem Stadion. Noch 400 Meter vor dem Stadion entfernt gab es wenige Anzeichen, dass es ein Fußballspiel geben würde. Alles war super entspannt und wieder einmal flanierte ich durch ein idyllisches Wohnviertel.

Noch einmal eine etwas größere Straße überquert und dann war ich auch schon da. Heute war es etwas einfacher den richtigen Eingang zu finden und so war ich zügig im Stadion. Gestern im 7/11 hatte ich mich blind für ein Ticket entschieden. Es stellte sich dann heraus, dass heute nur der Unterrang geöffnet war. Somit war es insbesondere auf der Haupttribüne ziemlich kuschelig und es war fast jeder Platz belegt. Ich zwängte mich durch die Reihe und nahm meinen Sitzplatz ein.

Ich war positiv überrascht, dass so viele Leute den Weg in das Stadion gefunden hatten. Ein Großteil trug dabei auch Fanartikel von Ventforet. Wem dieser Name etwas merkwürdig und nicht gerade japanisch vorkommt, der ist im Recht. Ventforet ist eine Kombination der französischen Wörter Vent Wind) und Forêt (Wald). Der Name ist eine Anspielung auf das Werk des chinesischen Philosophen Sunzi. Warum eigentlich nicht? Auch die Kurve war prall besetzt. Dennoch gab es heute auch ein bisschen dieses typische Arenapublikum und Eventfans. Das änderte aber nichts daran, dass wirklich eine schöne Stimmung herrschte. Wie bereits gestern gab es schöne und melodische Gesänge, die über 90 Minuten mit großer Geschlossenheit vorgetragen wurden.

Zhejiang hatte ich im Herbst bereits gegen Guoan gesehen. Damals waren sie mir nicht wirklich in Erinnerung geblieben. Heute war ich von den mitreisenden 150 Fans doch positiv überrascht. Circa 50 Fans beteiligten sich kontinuierlich am Support und schwenkten immer mal wieder Fahnen. Auch das Zaunfahnenbild war ganz solide und das Motto „Green Soul never absent“ verstand dann sogar ich. Eine ernsthafte Fantrennung gab es heute nicht. Lediglich ein kniehoher Zaun trennte die Gäste vom Rest des Stadions. In der zweiten Halbzeit wechselte ich auch noch einmal den Platz und setzte mich in die Nähe der Gäste, um etwas mehr Freiraum zu haben. Pöbeleien blieben auch einfach komplett aus, obwohl das Verhältnis zwischen China und Japan ja jetzt auch nicht gerade großartig ist.

Man könnte ja meinen, dass ein japansicher Zweitligist gegen einen chinesischen Erstligist als Außenseiter gelten sollte, aber bereits die Buchmacher sahen Ventforet als den leichten Favoriten. Auf dem Rasen bewahrheitete sich das dann. Die Japaner waren die bessere Mannschaft und konnten das Spiel relativ souverän mit 4:1 entscheiden. Die Torjubel waren in der Kurve cool und auf meinen Plätzen wieder wirklich niedlich, denn mein Umfeld war auf beiden Plätzen stark daran interessiert mich mit High-Fives in den Jubel miteinzubeziehen. Das war schon wirklich nett- vor allem in der zweiten Halbzeit, als ein betagter Mann bestimmt 10 Meter zurücklegte, um mich abzuklatschen. Sind Japaner die besten Menschen der Welt? Auch heute gab es wieder zahlreiche Eingriffe des VARs. Wie schon gestern, hatte ich aber den Eindruck, dass das Publikum diesen hier deutlich positiver wahrnimmt.

Nach dem Spiel wartete ich noch die Ehrenrunden ab und ging dann langsam aus dem Stadion. Die Gäste konnten das Stadion auch sofort nach dem Spiel verlassen und es gab nicht wie in Europa üblich eine unsägliche Blocksperre. Ich hatte dann genug Meter gemacht und so lief ich zur Metrostation und die Metro brachte mich dann auch recht zügig zu meiner Unterkunft. Japan machte Spaß und so ging ich voller Vorfreude auf den nächsten Tag zügig ins Bett.

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