19.11.2023 Beijing Women FC- Jiangsu LFC 1:2

Chinese Women Super League

Zuschauer: 500

Xiannongtan Stadium: Beijing

Die Informationslage war sehr dünn und so war ich fest davon überzeugt, dass ich erfolglos den Weg in den Pekinger Süden antreten würde. Die Buchmacher hatten jedoch für 15:00 ein Heimspiel der Pekinger Frauenmannschaft auf ihren Seiten vermerkt. Wikipedia gab das Xiannongtan Stadion als Heimspielstätte aus. Weitere Informationen konnte ich jedoch nirgends finden, zumal das Team auch keinen We-Chat Kanal zu haben scheint.

Um circa 14:45 kam ich am Stadion an und sah mich zunächst einem Sicherheitsbeamten gegenüber. Ich rechnete bereits damit, dass dieser wie so oft abwinken würde. Aber er nickte freundlich und formte die Lippen sogar zu einem „Ni hao“. Huch?! Ich konnte dann sogar schon ein wenig in das Stadion gucken und da waren Spielerinnen auf dem Platz. Ich folgte den Menschen zu einem Tisch mit einem QR-Code in der Annahme, dass es dort Tickets geben würde.

Fachkundig konnte ich einem anderen Zuschauer beantworten, wo er den QR-Code scannen könne. Dieser hatte mich wohl nur aus dem Augenwinkel gesehen und zuckte merklich zusammen, als er feststellte, dass ihm gerade ein Ausländer geantwortet hatte. Ich stellte dann aber fest, dass man dort so eine Art Goodie Bag und kein Ticket bekommen könnte. Auf Nachfrage stellte sich heraus, man kann einfach rein. Da ließ ich mich nicht lange bitten und erklomm die Treppenstufen im Laufschritt. Ich landete auf der Haupttribüne, die gut gefüllt war, jedoch der einzige Teil des Stadions war, der überdacht war und somit im Schatten lag.

Da noch etwas Zeit war, wurde ich fast etwas übermütig, ging noch einmal nach unten und fand einen offenen Eingang auf der gegenüberliegenden Seite. Heute war nämlich noch einmal ein schöner und milder Tag und so fläzte ich mich glücklich und ungläubig in der Sonne. Etwas komisch erschien mir nur, dass auf der Anzeigetafel die Minute 45 angezeigt wurde. Also checkte ich noch einmal kurz den Wettanbieter: Da stand klar der Anpfiff wäre um 15:00 und man konnte noch auf das Spiel wetten.

Kurze Zeit später jedoch die Gewissheit- es war bereits eine Halbzeit gespielt. Nun gut- einen Schönheitsfehler musste es geben und Gott sei Dank gehöre ich der laxeren Schule der Groundhopper an und kann somit Spiel und Stadion guten Gewissens werten. Ich war nun bei den Jiangsu Fans gelandet. Ein junger Kerl in Stone Island Jacke sorgte für gute Unterstützung auf die Melodien von „God Save the Queen“ und „Bella Ciao“. Ein Kumpane mit Torwarthandschuhen als Kopfschmuck half eifrig mit und sporadisch stiegen 5-6 weitere Menschen (vermutlich Familie der Spielerinnen) in die Gesänge mit ein. Auf der gegenüberliegenden Seite gab es auch Unterstützung für die Mannschaft aus Peking.

Das Niveau auf dem Rasen war zugegebenermaßen überschaubar und gefühlt war die Nettospielzeit sehr gering, denn beide Mannschaften gingen lieber auf Nummer sicher und droschen den Ball oft ins Aus. In der ersten Halbzeit hatte ich kein Tor verpasst- in der zweiten fielen jedoch noch drei Treffer. Jiangsu ging durch einen direkt verwandelten Freistoß in Führung. Beijing konnte durch einen Elfmeter den Ausgleich erzielen. In der 90. Minute konnte Jiangsu jedoch durch einen schönen Kopfball den Siegtreffer markieren.

Beide Mannschaften bedankten sich bei ihren jeweiligen Fans und auch ich beklatschte die Jiangsu Frauen. Auf der gegenüberliegenden Seite wurde dann sogar noch ein grüner Rauchtopf gezündet, den ich im Nachgang sogar in den Spielberichten auf We-Chat wiederfand. Sehr amüsant.

Ich war richtig traurig, dass es schon vorbei war. Ich hätte noch eine weitere Halbzeit auf meinem Sonnenplatz vertragen können, vor allem da das Stadion wirklich sehenswert war. Es hat eine Kapazität von 24.000 Plätzen und mit den Sitzschalen wirkte es ein wenig wie der Jahn-Sportpark. Es ist benannt nach dem Altar der Landwirtschaft, der auf dem gleichen Gelände ist und durch den ich nach dem Spiel noch spazierte. Für mich ging es dann noch durch einen anliegenden Park, einen Hutong und das historische Peking, bevor ich mit dem Fahrrad zurück nach Hause fuhr. Schön, dass ich zumindest noch ein weiteres Kreuz in Peking machen konnte.

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