Regionalliga Nordost
Zuschauer: 3.046
Sportforum Hohenschönhausen
Ursprünglich war der Spielbesuch mit Nemo und Tschernie geplant. Im Laufe des Vormittages trudelten aber die Absagen herein, sodass ich auch noch einmal ins Grübeln kam. Die Gelegenheit Chemie Leipzig auf den Rängen zu beobachten, verpasse ich aber nur maximal ungern. Zudem versprach ein Spielbesuch noch einen feinen Ausklang des Tages nach einem intensiven Privatnachmittag mit dem Gastautor des letzten Blogs.
Wieder einmal ging ich so knapp wie möglich los, um die Zeit zu Hause zu maximieren. Heute gab es dafür dann erstmals die Quittung. Der Regio war noch pünktlich, aber aufgrund eines umgefallenen Baumes, fuhr die Tram eine Umleitung. Somit erreichte ich mit knapp zehn Minuten Verspätung das Sportforum Hohenschönhausen. Dort musste ich dann noch den Gästeblock umkurven und war dann circa zur 15. Minute im Stadion. Auch beim zweiten Spielbesuch im Sportforum, schaffte ich es also nicht pünktlich im Stadion zu sein. Dann vielleicht beim dritten Mal?
Ich war gut vorbereitet für den Spielbesuch. Ich rechnete mir durch die fehlende Begleitung bessere Chancen aus, um unentdeckt zu bleiben. Um mein Outfit abzurunden, bediente ich mich bei Mütze und Schal noch in der Garderobe des Klabauterkeapers. Das war mein Geniestreich, um nicht nach Fußball auszusehen. Ein schmaler Grat, denn im Idealfall wollte ich ja gar nicht auffallen und der Schal betonte schon auffällig meine feminine Seite.
Ich suchte mir dieses Mal ein Plätzchen auf der Seite mit den Sitzplätzen und somit gegenüber vom Stimmungskern des BFCs. Die Eingänge in die Blöcke waren komplett zugestellt, sodass ich mich oberhalb des Blockes postierte und versuchte Blicke auf das Spielfeld zu erhaschen. Mein Hauptaugenmerk galt natürlich den Fans von Chemie Leipzig und so versuchte ich immer wieder in Richtung Gästeblock zu schielen und sendete immer wieder Signale an Füße, Hände und Mund bloß nicht mitzuwippen, mitzuklatschen oder mitzusummen. In Deutschland hat für mich Chemie Leipzig das mit Abstand außergewöhnlichste Liedgut. Insbesondere das „Im Kunze-Sportpark herrscht für immer Anarchie“ Lied ist ein absoluter Brecher.
Circa 400-500 Leutscher unterstützten ihre Mannschaft an diesem kalten Mittwochabend. Lautstärketechnisch war das heute etwas durchwachsen, aber die Geschlossenheit des Auftritts, sagte mir einmal mehr zu. Per Spruchband perfektionierte Chemie noch die Mischung aus Unterstützung und Stichelei: „Der BFC und sein Sportforum: Nur gemeinsam einigermaßen erträglich“. Zudem wurde noch ein Kind im „Baby Riot Club“ begrüßt. Schon ein bisschen witzig, dass sich die Gruppe vor mir dann 10 Minuten darüber unterhielt, ob Riot wohl sächsisch ist und was es bedeutet.
Im Vergleich zu meinem letzten Spielbesuch beim BFC, hatte ich jetzt nicht den Eindruck, dass sich weniger Leute am Support beteiligen. Ich bin aber auch nicht sprechfähig dazu, wie sich die Auflösung der BFC Ultras ausgewirkt hat. Es gibt aber wenige Vereine, wo die Ultras so einen geringen Stellenwert haben wie beim BFC und das sieht man an allen Ecken und Enden des Stadions, wo bestimmt 50% nach (Alt-) Hool aussehen. Per Spruchband äußerten die Fans des BFC noch Unmut, dass das Mommsenstadion zeitnah eine Renovierung erhält, während das Sportforum zwar rennoviert, aber nicht drittligatauglich gemacht wird. Wer die BFC Fans unterstützen möchte, kann folgende Petition unterzeichnen
Während eine größere Gruppe aktive Herthaner es sich ganz entspannt auf der Tribüne gemütlich machte, wurde ich in der zweiten Halbzeit tatsächlich noch enttarnt. Schon in der Halbzeit wurde ich das erste Mal angesprochen und als ich dann bescheuerterweise kurz auf Google Maps guckte, um zu prüfen, wie ich nach dem Spiel nach Hause komme, flog ich auf. Wie lange gehe ich schon zum Fußball? Immerhin konnte ich glaubwürdig vermitteln nicht aus Leipzig zu kommen und präsentierte mich als fußballferner Potsdamer, der heute babyfrei hat und dann ganz spontan auf die Idee kam zum BFC zu gehen. Nunja- ich kam aus der Nummer raus. In der Ecke, in der ich stand, kennt sich auch einfach jeder. Solche gewachsenen Strukturen sind natürlich schön, aber für Hopper ein kleiner Albtraum.
Auf dem Rasen gewann der BFC recht routiniert mit 2:0. Nach den Toren gab es jeweils eine Rakete in den Berliner Nachthimmel. Der BFC darf somit weiter vom Aufstieg träumen. Mit dem Schlusspfiff, lief ich dann in Richtung Tram und als ein „Sieg“ angestimmt wurde, ertönten auch zahlreiche „Heils“. Sehr sehr ekelhaft und auch deswegen kriege ich selbst bei Hertha immer noch ein unangenehmes Gefühl, wenn der Schlachtruf angestimmt wird- auch wenn ich bei Hertha bereits seit Jahren nicht mehr Zeuge solcher Zwischenfälle wurde. Auch der Umgangston mit Frauen, war schon sehr gewöhnungsbedürftig.
Fazit: Das Sportforum ist ein absolut wunderbares Stadion, das man gesehen haben muss. Mit dem BFC werde ich nicht warm.
