16.02.2024 Hertha BSC- 1. FC Magdeburg 3:2

2. Bundesliga

Zuschauer: 52.652

Olympiastadion: Berlin

Schon wieder war ich im Bahnglück, denn ohne ersichtlichen Grund wurde meine Zugbindung für die Rückfahrt aus Bern aufgehoben. Das ermöglichte mir am Morgen eine wichtige Zusatzstunde Schlaf zu ergattern und so ging es erst um kurz nach 7 am Berner Hauptbahnhof los. Dank der neuen Verbindung kam ich komplett ohne Umstiege aus und startete erst einmal mit einem Frühstück im Bordrestaurant und bewunderte die vorbeiziehende Traumlandschaft. Während der Fahrt durfte ich mich dann mit verschiedenen Gesprächsfetzen des deutschen Mittelstandes (lies: Mittelmaßes) auseinandersetzen. Wie viele Bullshitter in diesen Zügen an Meetings teilnehmen- Aua! Da ich meine Kopfhörer zu Hause vergessen hatte, gab es leider auch keine Fluchtmöglichkeit.

Ich stieg dann in Spandau aus und fuhr direkt mit der S-Bahn zum Olympiastadion. Das Timing passte optimal und so kam ich zeitgleich mit Tschernie am Parkplatz an und konnte meinen Rucksack dankenswerte in einem Auto abstellen. Schnell noch ein Cider und dann gingen wir mit der Stadionöffnung auch schon ins Stadion.

Ich startete erst einmal mit einem kleinen Stadionrundgang in den Spieltag. Heute gab es eine Fantrennung, sodass man nicht komplett um das Olympiastadion herumlaufen konnte. Alleine im geöffneten Abschnitt gab es jedoch unzählige Highlights. So guckte ich mir aus dem Umlauf im Oberring den Einlass der Magdeburger an. Aus der Ferne sah das schon wieder nach einer sehr nervigen Polizeibegleitung aus. Dann chillte ich noch ein bisschen am Schwimmbad und guckte einfach dem Treiben zu. Ich liebe das Olympiastadion einfach und hoffe, dass es nie zu einem Neubau kommen wird.

Dann verquatschte ich noch ein wenig die Zeit und ging circa eine Stunde vor Anpfiff runter in die Kurve. Diese war erneut sehr gut gefüllt und so wurde es insbesondere im unteren Bereich wirklich kuschelig. Es versprach heute auf den Rängen ein Knallerduell zu werden. Für Magdeburg war es nach einem jahrelangen Rumtingeln durch den Berliner Amateurfussball das erste Spiel im Berliner Olympiastadion und dementsprechend groß waren die Euphorie und die Mobilmachung.

Beide Seiten starteten mit optischen Aktionen in die Partie. In der Ostkurve gab es zum Spielbeginn eine ansehnliche Pyroshow. Da ich in der Vergangenheit die Stilkritik auch bei Gästeszenen machte: Auch bei uns wurde eine Blockfahne zum Vermummen genutzt. Nachvollziehbar aufgrund der Strafverfolgung, aber einen Ästhetikpreis gewinnt man damit nicht. Da scheint es in der Kurve auch ein Umdenken gegeben zu haben, denn bis vor einigen Jahren war diese Art des Vermummens auch eher unbeliebt und als „Wessischeiße“ verrufen. Aber die Stilkritik übt sich natürlich leicht, wenn man das Risiko eines eventuellen Stadionverbots nicht zu tragen hat- von daher beende ich diesen Einschub mal schleunigst. Die Fackeln waren dann sehr gut in der Kurve verteilt, sodass ein wirklich schönes Bild entstand.

Magdeburg startete ebenfalls mit einer mehrteiligen optischen Aktion in die Partie. In den Blöcken links und rechts vom Marathontor wurden im Ober- und Unterrang weiße Fahnen geschwenkt. Im eigentlichen Gästeblock wurde dann ein großes 1. FCM Logo gezeigt. Im rechten Block wurde das Stadtwappen auf einer Blockfahne präsentiert. Das sah richtig gut aus und die Aktion wurde minutenlang gehalten. Abgeschlossen wurde das Intro mit zahlreichen Fackeln, die vor allem im unteren Bereich der beiden Blöcke gezündet worden. Im oberen Bereich wurden anscheinend noch grüne Fackeln angerissen. Das habe ich in Echtzeit überhaupt nicht registriert, sondern wurde mir erst jetzt beim Betrachten der Bilder bewusst.

Die Erwartungen an den Support der Magdeburger waren groß. In der Folge hörte ich recht gemischte Kommentare. Einige Leute waren eher enttäuscht, viele konstatierten „Sie hatten ihre Momente“ und die Social Media Community feierte den Auftritt ab. Ich finde mich eher bei den ersten beiden Meinungen wieder. Momente hatte Magdeburg definitiv. Insbesondere die Geschlossenheit beispielsweise bei Hüpfeinlagen und beim Schaleinsatz sucht in Deutschland zweifelsfrei seinesgleichen. Dennoch gab es auch immer wieder längere Supportpausen und auch immer mal wieder leisere Phasen. Erstaunlicherweise hörte man Magdeburg gar nicht so häufig in der Ostkurve. Gegen den HSV vor einigen Wochen war das zum Beispiel noch sehr anders.

In der zweiten Halbzeit gab es noch ein Feuerwerk der Magdeburger, das für eine kleine Unterbrechung sorgte. Vielleicht muss man am Ende auch einfach konstatieren, dass es für das erste Mal Olympiastadion und mit dieser großen Masse an Menschen völlig in Ordnung war.

Dennoch würde ich vorsichtig behaupten, dass das Ding auf den Rängen heute an uns ging. Die Ostkurve erreichte über weite Strecken eine wirklich gute Lautstärke. Wir tricksten auch immer mal wieder und beendeten die leiseren Phasen durch ein erneutes Einhaken. Der Spielverlauf begünstigte sicher auch den Support, aber es war ein wirklich guter Tag der Kurve und steht in der Tradition der eher guten Auftritte gegen starke Gegner auf den Rängen.

Auch der Protest gegen die DFL wurde erneut ins Stadion getragen und wieder einmal sorgten wir im Doppelpass mit dem Schiedsrichter für Schlagzeilen. Kurz vor der Pause unterbrachen wir abermals durch Tennisbälle bei einer Ecke für den FCM die Partie. Nach einigen Minuten entschied der Schiedsrichter aber einfach die Halbzeit frühzeitig zu beenden. Verrückterweise ging die zweite Halbzeit dann mit einem Eckball für Magdeburg los und kurze Zeit später wurde der Seitenwechsel nachgeholt. Eine clevere und mutige Entscheidung des Schiedsrichters- allerdings auch ein absolutes Kuriosum.

Es war ein weiterer denkwürdiger Moment in einem denkwürdigen Spiel. Wie bereits im Hinspiel boten beide Mannschaften ein echtes Spektakel. Magdeburg konnte in Führung gehen. Noch in der ersten Halbzeit kippte die Partie allerdings komplett. Erst konnte Reese einen Elfmeter rausholen und verwandeln und dann gab es für einen Magdeburger einen Platzverweis, da Kenny per Notbremse von den Beinen geholt wurde. Den anschließenden direkten Freistoß haute Palko Dárdai aus 18 Metern direkt in den Winkel. Da Hertha Hertha ist kassierte man noch den Ausgleich. Nach einem tollen Ballgewinn nach dem Pressing, konnte Reese aber das 3:2 erzielen. Da wir zahlreiche Konterchancen nicht nutzen, mussten wir am Ende zittern und dankenswerterweise rettete uns die Latte den Sieg. Mein Herz…

Nach dem Spiel feierten wir den Erfolg gemeinsam mit der Mannschaft und so breitete sich doch in unseren Herzen ein wenig die Hoffnung aus doch noch eine Siegesserie starten zu können. Bei strömendem Regen ging es dann nach draußen auf den Parkplatz. Noch nette Gespräche mit Na. und Tschernie und dann mit einem Cider bewaffnet zur S-Bahn. Die Sonderbahnen fahren einfach nie los und so musste ich abermals 20 Minuten am Westkreuz totschlagen, ehe mich die brandenburgische Landeshauptstadt wiederhatte.

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