Regionalliga Nordost
Zuschauer: 3.123
Karl-Liebknecht-Stadion: Babelsberg
Das erste Mal seit dem Umzug nach Potsdam, konnte ich mir die relative Nähe nach Babelsberg zu Nutzen machen. Heute stand ein Nachholspiel auf dem Programm und es ging gegen den FSV Zwickau. Ebenjenen FSV Zwickau, den ich zu Saisonbeginn noch rettete und da es mir anscheinend Halb-Fußballdeutschland gleichtat, konnte der Spielbetrieb der Zwickauer in diesem Jahr in der Regionalliga gesichert werden. Hopperkasse müssen wir wahrscheinlich trotzdem alle zahlen. Das wäre eigentlich ein sehr cooler Gegenwert für die Spendenaktion gewesen.
Ich freute mich auf das Spiel, da ich die Zwickauer Szene noch nie live in Aktion gesehen habe. Aufgrund deren Aktivitäten im überregionalen Bereich und die Rolle von Zwickauern beim Blickfang Ultra, hatte ich immer einen ziemlich positiven Eindruck. Was ich nicht wusste: Das Spiel hatte durch eine Vorgeschichte eine enorme Brisanz. Im Jahr 2016 verlor das Filmstadtinferno nach dem Auswärtsspiel in Jena bei der Ankunft in Potsdam seine Zaunfahne. Die Fahne ging dabei an Zwickau. Ich hatte fälschlicherweise abgespeichert, dass die Fahne damals an Rostock ging. In der damaligen Stellungnahme des Filmstadtinferno wurde bereits deutlich, dass die Fahne nach Zwickau ging „Und ist in Zwickau so wenig los, dass an einem Freitagabend vier Tage von dem eigenen Derby lieber in eine andere Stadt gefahren wird?
Da nun das erste Pflichtspiel zwischen den beiden Vereinen seit 2016 auf der Tagesordnung stand, hatten Kenner bereits auf dieses Duell geschielt. Ich nicht- ich war völlig ahnungslos und saß auf meinem Platz auf der Haupttribüne und traute meinen Augen kaum, als plötzlich circa 60 Vermummte auf den Rasen in Richtung Gästekurve sprinteten. Ich hatte mich im Vorfeld noch etwas gewundert, dass keine Zaunfahnen im Heimbereich aufgehangen waren- aber schob es einfach auf die Anstoßzeit unter der Woche. Wobei mein nächster Klischeegedanke zugegebenermaßen auch war, dass bei Babelsberg ja wahrscheinlich (noch) nicht so viele Leute arbeiten.
Es flogen dann 2-3 Fackeln und Rauchtöpfe auf das Spielfeld- vermutlich auch um die Sicht für die Kameras auf der Haupttribüne etwas zu trüben. Nach einigen Sekunden öffnete sich auch am Gästeblock ein Tor, sodass es zu einer kurzen körperlichen Auseinandersetzung kam. Nach knapp 45 Sekunden legten die Babelsberger dann den kontrollierten Rückwärtsgang ein und unter einer großen Blockfahne wurde sich entmummt. Zwickau schoss dann auch noch einen Clip in Richtung der Blockfahne.
Auch im Nachgang bin ich mir nicht so richtig sicher, was ich von der Aktion halten soll. Das hätte ich bei Babelsberg in der Form nicht so richtig erwartet und auch wenn es sicher zahlreiche Unterstützung von St. Pauli, Düsseldorf und Fürth(?) gab. Auf eine Art beachtlich, dass sich so eine Aktion zugetraut wurde. Gleichzeitig überraschte das Timing der Aktion dann doch sehr. Warum warten man nicht noch drei Minuten, bis Red Kaos angeflaggt hätte. Mit der Vorgeschichte hätten sie das vermutlich sowieso eher im Block gemacht- aber falls nicht, hätte man eine echte Chance gehabt die Fahne zu ziehen.
Für mich wirkte es fast eher ein bisschen so, dass man vor diesem Schritt etwas zurückschreckte, da man vermutlich die zu erwartende Reaktion von Zwickau und Dresden nicht unbedingt hätte aushalten können und wollen. So hat man sich gezeigt und es erfolgte in irgendeiner Form eine Reaktion auf den ursprünglichen Fahnenraub. Ein bisschen lustig sind solche Situationen aber auch schon immer, da ja maximal 10 Leute direkten Kontakt hatten und die anderen 50 im besten Fall gegen den Zaun getreten haben. Aber nun gut. Die Aktion war gut geplant- vielleicht kann man es dabei erst einmal belassen.
Filmstadtinferno flaggte im Nachgang dann doch noch außen am Zaun an. Auch die Freunde von Ultrà Sankt Pauli und Dissidenti waren am Zaun vertreten. Bei der „Schalparade“ (Alle Szenen, die eine wirkliche Schalparade machen fühlen sich jetzt beleidigt) waren m.E auch noch Fürth Schals zu sehen- daher meine Vermutung oben. Auch die Underdogs flaggten erst nach der Aktion an, was unsere kleine Gruppe zu wilden Spekulationen verleiten ließ. Es wurde noch ein Spruchband im Stile der Red Kaos Fahne mit dem Inhalt „Kaos? Kurwa!“ gezeigt- die Schriftart war aber echt eher mäßig gut getroffen.
Der Schiedsrichter pfiff das Spiel mit fünf Minuten Verspätung an. Der Support war auf beiden Seiten dann nicht gerade bemerkenswert. Zwickau war auf unseren Plätzen eher selten zu vernehmen. Insbesondere der Bereich um Filmstadtinferno war wieder ziemlich leise und auch bei den Underdogs war das heute eher ein durchschnittlicher Auftritt.
Das Spiel hingegen war recht schön anzusehen und Babelsberg konnte schlussendlich mit 3:1 gewinnen. Das 3:1 fiel mit der letzten Aktion des Spiels und so ging der Schlusspfiff des Schiris in Jubel unter. Nach dem Spiel passierte dann auch nichts mehr und so verabschiedeten wir uns schnell und mit dem Fahrrad war ich dann auch ruckzuck zu Hause.
