2. Bundesliga
Zuschauer: 22.636
Eintracht Stadion: Braunschweig
Mein Verhältnis zu Eintracht Braunschweig ist biographisch vorbelastet. Dadurch ist jedes Aufeinandertreffen für mich eines zu viel. Eintracht Braunschweig ist unter meinem Niveau. Ich möchte nicht mit Hertha BSC bei Eintracht Braunschweig spielen müssen. Am liebsten hätte ich mit dem Verein und seinen Fans nichts am Hut, keine Berührungspunkte und müsste mich nicht mit der Existenz beschäftigen.
Ich zögerte die Anreise am Spieltag lange hinaus, um die Zeit mit der Familie maximieren zu können. Dadurch geriet ich aber in den ziemlich heftigen Anreiseverkehr und so dauerte es ziemlich lange, bis ich meinen Bolliden in eine kleine Parkbucht in einem Wohngebiet manövriert hatte. Flott zum Gästeblock und dort war ich dann erstaunt über die freundlichen Securities, die den Dialog suchten und in einer Situation sogar eine erstaunliche Kulanz zeigten. Ich halte die Konversation mit den Securities trotzdem immer auf einem Minimum, aber das stach positiv hervor.
Auch der Gästeblock gehört eher zu den angenehmeren der Republik und so ging es ziemlich entspannt in den unteren Bereich, wo ich dann auch ein schönes Plätzchen fand. Gerade im Vergleich zu der Enge in Fürth und Wiesbaden eine echte Wohltat.
Die Fans von Eintracht Braunschweig hatten eine ganz clevere Aktion zu Spielbeginn vorbereitet. Fernsehgerecht wurde die Gegentribüne mit blau-gelben Ponchos ausgestattet. So ergab sich dann der Schriftzug „50+1 bleibt“ und das Spruchband „Durch Geldgier, Wachstumswahn und Investoren gehen der Sport und seine Werte immer mehr verloren!“. Aus dem Gästeblock war es sehr schwer den Schriftzug zu entziffern, aber auf den Fotos sah es nachher deutlich klarer aus. Es war auch ganz cool, dass die meisten Leute die Ponchos nach der Aktion anbehielten und die Botschaft somit prominent platziert wurde.
Den Blockwechsel der Braunschweiger Fanszene hatte ich wohl irgendwie verpasst. Nun steht man im Block 7 und nicht mehr in Block 9. Akustisch scheint das wenig geholfen zu haben, denn man hörte mal wirklich so gar nichts im Gästeblock. Konsequenter Fahneneinsatz in Block 7 und dort auch Bewegung- aber immer noch sieht der Stimmungskern in der großen Kurve ziemlich isoliert aus. Positiv hervorzuheben ist ein Gedenkspruchband an Kay Bernstein- zu diesem Zeitpunkt wurden auch alle Fahnen nach unten genommen.
Im Gästeblock herrschte durchweg gute Stimmung. Vielleicht hätte es hier und da auch noch ein melodischeres Lied sein können, aber mit Blick auf die Lautstärke sollten wir überzeugt haben. Es ist auch immer ein schöner Augenblick, wenn man sieht, dass die umliegenden Blöcke alle den Kopf drehen, um einen Blick auf den Block zu erhaschen. Mit der Ostkurvenfahne und den zahlreichen Berlinfahnen an der Plexiglasscheibe im oberen Bereich des Blocks wurde auch ein sehr schönes Zaunfahnenbild kreiert.
Auf dem Platz war das heute insbesondere in der ersten Halbzeit absolut ernüchternd. Einmal mehr patze mit Bouchalakis ein Routinier und schenkte Braunschweig die Führung. In der Halbzeitpause gab es einen Dreifachwechsel und in der Folge einen besseren Auftritt zu sehen. So konnte man immerhin den Ausgleich erzielen. Nach einem Platzverweis für Braunschweig, hofften nicht wenige auf den Auswärtssieg- aber es blieb bei einem eher planlosen Anrennen. Schade, denn mit einem Sieg hätte man noch einmal träumen dürfen.
Nach dem Spiel kam es dann noch zu hektischen Szenen. Es formierte sich ein kleiner Haufen Braunschweiger, der sich auf dem Weg zum Gästeblock machte. Zuvor hatte es auch in dem gemischten Block auf der Nordtribüne einige kleine Techtelmechtel gegeben. So wurden die Zaunfahnen schnell gesichert und einige Leute machten sich auch auf dem Weg in Richtung Braunschweig. Sehr humorlos ging aber die Polizei dazwischen und knüppelte in der Folge auch den gesamten Sitzplatzblock zusammen. Dort war der Großteil absolut unbeteiligt- aber hey.
Vor der Südkurve kam es dann wohl auch noch zu einem ziemlich kranken Polizeieinsatz, der mit zahlreichen Verletzten endete. Darunter war auch ein unbeteiligtes Mädchen, das wohl überrannt wurde. Gute Besserung an alle Beteiligten. Mit einem etwas schalen Gefühl ging es dann zum Auto und nach einem kleinen Abreisestau, den ich durch einige Dreistigkeiten abkürzte, verbrachte ich noch einen schönen Nachmittag mit Na. Dafür lieben wir den Fußball!
PS: Ich habe kein Bild gemacht und recycle daher eins von einem der letzten Pokalspiele.