Regionalliga Nordost
Zuschauer: 4.165
Karl-Liebknecht-Stadion: Babelsberg
Manchmal gibt es Tage, da passt das Timing einfach perfekt. Wie üblich kurz vor knapp zu Hause losgegangen und zu Fuß in Richtung Karli. Ich staunte ziemlich über Vudi Röller, der entspannt hinter mir hertrottete, auch wenn es wirklich so aussah, als ob wir den Anpfiff verpassen würden. Da springt der Mann in Aveiro über reißende Flüsse, winkt in Caldas da Rainha Taxis heran und in Potsdam läuft er einfach ganz entspannt und ohne Anzeichen von Stress zum Stadion. Vielleicht hatte er eine Vorahnung, denn wir betraten gerade die Haupttribüne als der Schiedsrichte mit der Kraft seiner Lungenflügel in seine Pfeife blies.
Die Tribüne war ziemlich gut gefüllt, sodass wir einen Platz ein bisschen weiter hinten als gewohnt anvisierten. Von dort hatte man als schönen Nebeneffekt auch noch einen etwas bessern Blick auf den Gästeblock und auch auf die Gegentribüne und somit auf den Haufen rund um das Filmstadtinferno. Was als erstes ins Auge sprang: Mir fehlte ein bisschen die Fantasie wer bei dem Angriffsversuch auf Zwickau aus Babelsberg dabei gewesen sein soll. Die Vermutung liegt schon nahe, dass es da ziemlich viel Unterstützung von St. Pauli gab.
Der Gästeblock war gut gefüllt mit Anhängern des BFCs. Auch auf der Tribüne gab es noch einige Sympathisanten. Schätzungsweise waren es am Ende circa 600 BFCler im Karli. Zentral wurde die „Fanszene BFC“ Fahne gehisst. In diesem Bereich gab es zu bekannten Melodien einen eher ultraorientierten Support mit einigen Schwenkfahnen. Kontinuierlich beteiligten sich an dem Support aber nur der Mittelteil des Blocks. Gewohnt oldschool stiegen die Ränder des Blocks dann aber spielbezogen in die Gesänge und Schlachtrufe mit ein. Kein verkehrter Auftritt heute.
Vermutlich auch durch meinen anderen Standort, nahm ich heute den Bereich um das Filmstadtinferno besser wahr als sonst. Das gefiel mir heute ganz gut und auch der Wechselgesang mit den Underdogs kam heute laut herüber. Die Präsentation des Spruchbandes dauerte dann gefühlte Stunden. Das sah so unkoordiniert aus, dass im Vergleich selbst ich filigran ausgesehen hätte.
Das Spiel wurde begleitet von einigen Böllerwürfen. Immer schwer zu sehen, wo genau die herkamen, denn man guckt ja immer erst im Moment der Detonation nach oben. Ich hasse Böllerwürfe wie die Pest. Niemand kann mir erzählen, dass die stimmungsfördernd sind und sie sind auch wirklich einfach gefährlich. Ein Ordner musste sich dann auch prompt behandeln lassen. Der Schiedsrichter hatte dann irgendwann genug und schickte die Mannschaften in die Kabine. Das fand ich ohne Vorankündigung auch ziemlich überzogen und selbstdarstellerisch. Es wurde dann durchgesagt, dass beim nächsten Böllerwurf das Spiel abgebrochen werden würde. Die Warnung schien zu ziehen, denn es blieb danach ruhig. Wir scherzten auf der Haupttribüne, dass nun ein „neutraler“ Greifswalder das Aufstiegsrennen beeinflussen könnte. Das muss der nächste Schritt sein in Fanszenedeutschland. Noch heute ärgere ich mich darüber warum kein Herthaner mit Fortunaschal bekleidet beim Relegationsspiel noch auf den Platz gerannt ist, um den endgültigen Spielabbruch zu erzwingen…
Das Spiel endete am Ende mit 1:1. Babelsberg ging durch eine direkt verwandelte Ecke mit 1:0 in Führung. Soweit ich mich erinnere, war so ein Tor für mich eine Premiere. In der Nachspielzeit erzielte der BFC noch den Ausgleich. Der anschließende Torjubel war gewaltig und für mich das heimliche Highlight des Spielbesuchs. Wir genossen nach dem Spiel noch das milde Wetter und läuteten mit Eis den Frühling ein.




