15.03.2024 SV Babelsberg 03- Hertha BSC U23 1:2

Regionalliga Nordost

Zuschauer: 3.538

Karl-Liebknecht-Stadion: Babelsberg

18:44-mal wieder versucht Familie, Freunde und Fußball miteinander zu versöhnen und das bedeutet dann erneut viel zu spät aus dem Haus zu rennen. Auf das Fahrrad geschwungen und im Vollsprint in Richtung Karl-Liebknecht-Stadion. Durch die Inspiration der Tour de France Dokumentation auf Netflix, bin ich zumindest voll motiviert. Womit ich nicht gerechnet habe: Es gibt riesige Schlangen am Eingang- somit ist klar, dass ich mit bürgerlicher Moral den Anpfiff nicht sehen werde. Aber wen interessiert beim Groundhoppen schon die bürgerliche Moral? Also auf einen günstigen Augenblick gewartet und wirklich kackend dreist über den Zaun an den Beginn der Schlange. Schnelle Kontrolle und mit dem Einlaufen der Mannschaften laufe auch ich auf der Haupttribüne ein. Puh!

Babelsberg spielt am heutigen Freitagabend gegen die zweite Mannschaft von Hertha. Durch die größere Durchlässigkeit zwischen den Teams, finde ich es noch etwas attraktiver die Spiele der zweiten Mannschaft zu gucken. So gut wie immer stehen 2-3 Spieler auf dem Platz, die auch schon mal für die Profis gekickt haben. Heute sind zum Beispiel Gustav Christensen und Legende Änis Ben Hatira von Beginn an dabei. Außerdem auch Nader El-Jindaoui, wie durch die Kreischkulisse auf den Rängen zweifelsfrei feststellbar ist.

Bei der zweiten Mannschaft läuft es wirklich nicht gut und je nach Abstiegslage in der dritten Liga ist sogar noch ein Abstieg in die Oberliga möglich. Für Hertha und für Entwicklungsmöglichkeiten der Talente wäre das sicher ein Desaster- auch wenn Zweitvertretungen natürlich immer ein zweischneidiges Schwert sind. In der Regionalliga Nordost habe ich aber nicht das Gefühl, dass es ein so großes Problem ist. Aber vermutlich: Willkommen in der Doppelmoral.

Im Gästeblock hatten sich circa 150 Herthaner eingefunden. Darüber hinaus gab es auch auf der Haupttribüne einige Sympathisanten und bekannte Gesichter. Organisierte Stimmung wurde nicht wirklich gemacht- aber ab und zu gab es ein paar Gesänge.

Babelsberg startete im Bereich des Filmstadtinfernos mit einem Stimmungsboykott in die Partie. Grund dafür waren laut Spruchband „Willkürliche Hausverbote“. Per zahlreichen Spruchbändern wurde sich dann noch ausgiebig mit dem Sicherheitschef (?) des Vereins auseinandergesetzt, der offensichtlich für die Hausverbote verantwortlich gemacht wird. Außerdem gab es zwei Spruchbänder für die israelischen Geiseln. Etwas schmunzeln musste ich über das „Ultras Liberi“ Spruchband und verweise an dieser Stelle an die Virage Est aus Saarbrücken für weitere Ausführungen. Völlig wild war, dass das Filmstadtinferno unter dem Spruchband bereits angeflaggt hatte und in diesem Zeitraum nicht wirklich im Block war. So ein Risiko einzugehen war schon nah an unverantwortlich.

Für mich bot das Spiel auch noch ein persönliches Highlight. Ultragruppen schreiben ja gerne anlässlich ihrer 18. Geburtstage, dass „Ultra erwachsen geworden sei“. In meiner Groundhopping Karriere befinde ich mich langsam in meiner Adoleszenz. In diesem Bereich gehören natürlich Herausforderungen und Grenzüberschreitungen zum Alltag und so konnte ich in der Halbzeitpause einen kleinen Nadelstich setzen, der mich sitt und satt machte.

Unsere blau-weißen Helden konnten heute als Sieger vom Platz gehen. Der emsige Christensen erzielte die Führung für Hertha. Kurz vor Schluss musste er dann mit einer Kopfverletzung nach einer langen Behandlungspause vom Platz. Babelsberg erzielte in der 96. Minute dann noch den Ausgleich. Fast im direkten Gegenzug konnte Werthmüller jedoch den 1:2 Siegtreffer erzielen. Für den Jungen freut es mich, da es erst das zweite Spiel nach der Verletzungspause war und er den Kopf offensichtlich am rechten Fleck trägt. Nach dem Spiel flott aufs Fahrrad und ab in die heimischen vier Wände.

Hinterlasse einen Kommentar