Portugal Primeira Liga
Zuschauer: 33031
Estádio Do Dragão: Porto
Es war das Wochenende der Derbies in Portugal. Am Sonntagabend sollte das Derby der unbesiegten Stadt, der „cidade invicta“ folgen. Ich schaute diesem Spiel mit großer Vorfreude entgegen- zumal es für beide Mannschaften noch um etwas geht. Boavista kämpft um den Klassenerhalt, während der FC Porto um den dritten Platz in der Liga spielt, der die direkte Qualifikation für die Europa Leauge bedeuten würde. Mein Zeitplan war heute angenehm entspannt und so lief ich einfach zu Fuß zum Estádio Do Dragão.
Heute war das Treffen mit meiner Kontaktperson etwas komplizierter, um an mein Ticket zu kommen und so hatte ich noch etwas Zeit in der Nähe des Stadions totzuschlagen. Während der Wartezeit musste mein Auge furchtbare Abgründe entdecken. Deutsche Hopper, die in Taxis FC Porto Schals heraushalten und Lieder singen, die gar nicht existieren. Nur um in Anschluss mit einer Deutschlandfahne um das Stadion zu laufen. Ich gehöre sowieso eher zur Sektion Fremdscham- aber noch einmal offiziell hier: Rafft Euch alle mal und zeigt ein bisschen Respekt für die Stadt, die Fanszene und das Stadion, das ihr besucht.
Während des Wartens las ich gerade den „Público“ Artikel, das es am Morgen zu Hausdurchsuchungen beim FC Porto und bei den Super Dragões gekommen war, als meine Kontaktperson eintraf, um mr mein Ticket zu übergeben. Ähem. Ich musste dann das Stadion einmal umrunden, um zu meinem Block zu gelangen, da die Fanszene von Boavista zu diesem Zeitpunkt gerade das Stadion erreichte. Das kurze Gespräch bei der Kartenübergabe hatte dann meine Befürchtungen bestätigt- die Super Dragões würden das Stadion aufgrund der Anschuldigungen heute nicht betreten. Aua!
Somit gehörte die Stimmungshoheit heute klar Boavista. Mein Platz war heute unter dem Gästehaufen, sodass ich nur die ersten 5-6 Reihen der Gästefans sehen konnte. Das machte auch optisch mit einigen Schwenkfahnen und Doppelhaltern einen guten Eindruck. Ich war vor allem überrascht, dass auch einiges an Material mit Ortsbezug jenseits von Porto zu sehen war. So sah ich unter anderem die Sektionen aus Espinho und Vila Nova da Gaia vertreten. Ich hätte gedacht, dass in diesen Orten eher weniger Fans von Boavista vertreten sein würden. Insgesamt war das ein wirklich sehr reifer Auftritt der Gäste mit einer guten Liedauswahl, einer guten Lautstärke und auch ohne das große Highlight mit einem guten Tifo.
Erwartbar war auf Seiten des FC Porto nicht viel zu bieten. Im Bereich des Colectivo wurde wie so oft alles versucht. Der Funke schwappte aber kaum auf die umliegenden Tribünen über. Das Sitzplatzpublikum mutierte heute zum Nationalmannnschaftspublikum mit Versuchen Laola Wellen zu starten. Zudem wurde häufig in die Gesänge der Boavista Fans eingestiegen und das Boavista mit Porto ersetzt. Das war schon ziemlich peinlich.
Auf dem Spielfeld war der FC Porto heute der große Favorit. Ich dachte vor dem Spiel dass ich auch dem FC Porto die Daumen drücken würde. Nach den ersten drei Minuten stellte ich jedoch fest, dass das nicht möglich sein würde. Zu sehr mag ich Außenseiter, zu sehr gefiel mir der Auftritt von Boavista. Somit musste ich die Freude unterdrücken, die ich empfand als Boavista nach einem Konter in der 60. Minute das Führungstor erzielen konnte. Ich hätte in diesem Moment jedoch schon prognostizieren können wie das Spiel weitergehen würde. Erst gibt der Schiedsrichter Boavista eine sehr zweifelhafte Rote Karte und in der Folge kämpften die Gäste aufopferungsvoll um den Sieg. In der 80. Minute fällt dann der Ausgleich und schließlich lässt der Schiedsrichter so lange nachspielen bis der Ball zum 2:1 im Tor liegt. Genau so kam es und es ist so frustrierend, dass im Fußball fast immer die Bösen gewinnen. So konnte sich der FC Porto freuen, während Boavista kraftlos aber voller Stolz auf dem Rasen lag.
Für den FC Porto kommt es somit in der nächsten Woche im direkten Duell gegen Braga zum Endspiel um die direkte Qualifikation für die Europa League. Boavista kann mit einem Sieg am Samstag aus eigener Kraft den Klassenerhalt schaffen. Andernfalls muss man hoffen das Portimão und Amadora nicht punkten. Für mich ging es dann wie gewohnt zu Fuß nach Hause-zugegebenermaßen etwas enttäuscht von diesem Derby. Dennoch ein Meilenstein, denn es war das 100. Spiel für mich in Portugal.







