Liga 3
Zuschauer: 800
Complexo Desportivo Clube de Futebol de Fão
Es ist um 14:59, noch eine Minute bis zum Anpfiff. Ich stehe irgendwo im portugiesischen Unterholz. Die Pfade sind mittlerweile mehr zu erahnen, als wirklich zu erkennen. Und doch bin ich so nah dran an meinem Zielspiel des heutigen Tages- dem inoffiziellen Aufstiegsspiel zur Teilnahme an der zweiten Liga. Wie passt das alles zusammen?
Der Weg in das Unterholz war etwas länger. In Porto und Umgebung fielen mir in meinen ersten Wochen unzählige Pilger und Pilgerinnen auf, die den portugiesischen Jakobsweg in Richtung Santiago de Compostela laufen. Ich hatte schon früher gute Dinge über den Weg gehört, aber inzwischen scheint man noch einmal in den Ausbau investiert zu haben. Das führt zu einem kleinen Hype. Bei Hypes gibt es natürlich nur eine Möglichkeit. Sich darüber lustig machen und dann ironisch mit dabei sein. Genau das war mein Plan für den heutigen Tag.
Braga B trägt seine Heimspiele aus unerklärlichen Gründen nämlich in Fão aus. Ein Ort, der außer mit dem Auto kaum zu erreichen ist. Allerdings führt der Küstenweg des Jakobswegs an dem Ort vorbei und von dort ist es dann nur noch ein kleiner Abstecher bis zum Stadion. Am Morgen ging es also mit der Metro nach Póvoa de Varzim. Dort startet nämlich die zweite Etappe des Weges. Noch bevor ich den ersten Kilometer abgeschlossen hatte, stoppte ich erst einmal für ein dekadentes Frühstück. Man will ja auch noch leben.
In der Folge war die Weggestaltung wirklich wunderbar. Es ging fast die gesamte Zeit an der Küste entlang. In Póvoa teilte man sich die Promenade noch mit den vielen Sonntags-Power-Walkern. Dann dünnte sich der Verkehr langsam aus und es ging über Holzsteelen weiter nach Norden. Irgendwann musste man dann ein bisschen in das Landesinnere ausweichen, da sich ein Golfplatz den besten Platz gesichert hatte. Dieses Land ist einfach so lächerlich schön. In Apúlia war dann der Großteil der Hausaufgaben erledigt. Nur leider konkurrierte ich mit dem gesamten Dorf um einen Platz zum Mittagessen und so klappte es erst im zweiten Anlauf und einiges an wertvoller Zeit ging flöten.
Nach dem sehr köstlichen Mahl hatte ich dann also nur noch 20 Minuten für die angezeigten 42. Also ging es im Laufschritt zum Stadion, bis mich Google im Wald gegen einen Baum rennen lassen wollte. Win- Baum! Also drehte ich eine Ehrenrunde und war einfach nur froh, als ich einen etwas größeren Pfad traf. Der Ärger etwas zu spät zu kommen war in diesem Moment dann auch sofort verflogen. Als Stadtmensch ist man in diesen Augenblicken einfach nur froh die wilde Natur gezähmt und überlebt zu haben.
An der Kasse bekam ich dann ein Ticket für 5 Euro- auch wenn die Frau an der Kasse mir halb den Weg zum Gratisticket öffnete. Atletico als Gastverein hatte wohl zusätzliche Tickets hinterlegt und im Falle eines Bekenntnisses zum Gastverein hätte das etwas werden können. Ich hatte aber keine Lust auf eine etwaige Blocksperre und so zahlte ich die 5 Euro. Den Anpfiff hatte ich irgendwo im Wald gehört- ab Minute 3 konnte ich das Spielfeld beim Kartenkauf sehen und kurze Zeit später hatte ich dann einen Stehplatz auf der sehr vollen Tribüne.
Das Stadion hat nur eine Tribüne. Das Highlight ist definitiv das Vereinsheim, in dem man Café aus richtigen Tassen serviert bekam. Es war auffällig wie viele Leute mit Szeneklamotten hier heute unterwegs waren. Ab und zu gab es ein paar Gesänge und Schlachtrufe, aber keinen durchgängigen Support.
Ich war heute vor allem hier, um meinen Freunden aus Lourosa im Fernduell die Daumen zu drücken. Schlussendlich kam zumindest sportlich mein Traumszenario. Braga B kam nicht über ein 0:0 hinaus. Da Lourosa in der 90. Minute nach 40-minütiger Überzahl noch den Siegtreffer erzielen konnte, spielt Lourosa nun in den Playoffs gegen Feirense. Verrückterweise nur da Lourosa den direkten Vergleich gewonnen hat und der in Portugal mehr zählt als das Torverhältnis. Diese besondere Regel änderte sowohl in den Playoffs zur Liga 1 (Aves) als auch hier den Ausgang. Alverca und Felgueriras (die ihre Hausaufgaben machten) stehen als direkte Aufsteiger fest.
Braga war dann sichtlich am Boden. Ein Tor hätte gereicht, um direkt aufzusteigen. Ein wenig taten mir die Spieler schon leid- aber für die Attraktivität der zweiten Liga ist es so definitiv besser. Die Rückreise war dann noch die große Unbekannte. Bolt bot mir erst einen Fahrer innerhalb von 6 Minuten und dann wurden 45 daraus. Zum Glück klappte es dann bei Uber. Aufgrund der merkwürdigen Preisstruktur nahm ich dann nur ein Taxi nach Póvoa und fuhr von dort mit der Metro nach Hause. So wurde es auch ein verhältnismäßig günstiger Sonntag. Angenehm erschöpft kam ich dann am späten Nachmittag wieder in Porto an.










