30.07.2024 Spanien U23- Ägypten U23 1:2

Olympische Spiele

Zuschauer: 12.180

Stade Matmut Atlantique: Bordeaux

Stell Dir vor die olympischen Spiele sind in deiner Stadt und Du kannst nicht hingehen. So erging es mir bei den olympischen Winterspielen in Peking. Aufgrund der damals noch drastischen Corona-Maßnahmen waren so gut wie keine Zuschauenden zugelassen. Vermutlich ließ dies den Wurm in meinem Köpfchen zurück, der in der Zukunft dann ganz artgerecht wurmte. Olympische Spiele mitten in Europa. Wirklich weit entfernt war ich nicht und so wollte ich gerne bei den Spielen dabei sein. Seit meiner Kindheit sind die olympischen Spiele eines meiner Highlights im Sportkalender. Immer mal wieder wog ich somit verschiedene Optionen gegeneinander ab. Im Idealfall sollte der Trip nicht zu lange dauern, um die Abwesenheit von zu Hause zu minimieren. Er sollte nicht zu teuer sein und im Idealfall keine Reise mit dem Flugzeug beinhalten. Schon früh zeichnete sich ab, dass diese drei Dimensionen nicht wirklich miteinander zu vereinen waren. Haram, dass ich mal wieder das Klimagewissen ausblendete. Haram aber auch, dass es aus Portugal keine vernünftige und schnelle Schienenverbindung mehr gibt. Fickt Euch Renfe für die Einstellung des Nachtzugs nach Madrid.

Also ging es mit dem ungeliebten Rainer-Bomber um die Mittagszeit nach Bordeaux. Bordeaux war relativ kostengünstig zu erreichen und es fanden zwei Fußballspiele an aufeinanderfolgenden Tagen statt. Wahnsinnig gerne wäre ich nach Lilles gereist, um dort Basketball zu gucken- aber das war logistisch leider nicht möglich. Paris hätte natürlich auch seine Vorzüge gehabt- aber mit Blick auf den zu erwartenden Sicherheitswahnsinn war ich mit Bordeaux mehr als zufrieden.

Immer wieder schön in Frankreich, dass man ankommt und direkt erst einmal in Bullen mit Maschinenpistolen läuft. Kurz gezögert, ob das jetzt einen Erschießungsgrund darstellt, aber dann doch energisch in Richtung Tram gesprintet, die dann auch prompt abfuhr. Die gesamten Tage begleitete mich eine unsägliche Hitze. Temperaturen um die 45 Grad ohne jeglichen Wind waren in der Stadt kaum auszuhalten und brachten mich ziemlich ins Schwitzen. Gewaltmärsche gehörten natürlich trotzdem zum Tagesprogramm.

So ging es auch am ersten Spieltag zu Fuß zum Stadion. Das Stadion liegt recht weit außerhalb, aber von meiner Unterkunft aus war der Weg auf jeden Fall darstellbar. Es ging dann erst an arglos platzierten Müllbergen vorbei, ehe es in ein schick angelegtes Neubauviertel an einem See ging. Das Stadion war dann eher ein trister Neubau. Gewusel entstand gefühlt nur durch die Volunteers, die mit Megaphonen, die recht überschaubare Masse dirigierten. Der Einlass war erstaunlich entspannt und auch die Taschenkontrolle war eher lax.

Ich nahm in der ersten Halbzeit meinen gebuchten Platz ein, der sich im Oberrang hinter dem Tor befand. Für olympische Spiele fand ich 24 Euro für die billigste Kategorie grundsätzlich in Ordnung. Es wurde aber schnell klar, dass der Vorverkauf für die Fußballspiele nicht gut läuft und so wurde man mit Preisen ab 15 Euro (bei einem Kauf von 4 Karten oder mehr) gelockt. Heute waren dann vielleicht 15.000 Zuschauer im Stadion. Die Mehrheit davon waren Spanier, die jedoch stimmungsmäßig wirklich überhaupt nicht in Erscheinung traten.

Etwas bemühter zeigten sich die Ägypter, die sich im Laufe des Spiels mit einem kleinen Haufen an der Eckfahne sammelten. Dolle war das aber auch nicht und so blieb es bei einfachen Sprechchören und dem üblichen kultigen Nationalfahne wedeln- vor allem, wenn eine Kamera in der Nähe war. Länderspiele sind schon echt eher nervig.

Das Spiel wusste zumindest durch Spannung zu überzeugen. Ägypten konnte völlig überraschend mit 2:0 in Führung gehen. Spanien erzielte noch den Anschlusstreffer. Der Ausgleich gelang ihnen gegen die leidenschaftlich verteidigenden Ägypter aber nicht. So blieb es beim 2:1 Sieg für die Außenseiter.

In der zweiten Halbzeit verbesserte ich mich ein bisschen und konnte mich ohne größere Probleme auf die Haupttribüne mogeln. Zwar wurde ich dann zwei Mal von verspäteten VIPs aufgescheucht, aber ich richtete einfach meine Krone und suchte mir einen neuen Platz.

Nach dem Spiel staunte ich mal wieder über die Herdendummheit der Menschheit. Riesige Schlangen zur Abgabe der Pfandbecher- der Stand daneben war menschenleer. Riesige Schlangen an der Tram- man konnte einfach zur nächsten Station laufen und problemlos einsteigen. So kam ich mit der ersten Bahn in die Stadt und holte mir die dringend benötigte Abkühlung in einem klimatisierten Pub und ließ den Abend im schönen Bordeaux ausklingen.

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