04.08.2024 SC Sao Joao Ver- Lusitânia de Lourosa 1:0

Estádio Sp. Clube São João de Ver

Zuschauer: 1.500

Liga 3

Geographiekenntnisse sind ja ein dehnbares Konzept. In Portugal kenne ich mich laut Eigeneinschätzung oberflächlich ganz gut aus. Aber je mehr man reinzoomt, desto dünner werden auch die Geographiekenntnisse. In den Großraum Porto zoome ich zurzeit sehr stark rein und da fällt auf, dass im nahegelegenden Santa Maria da Feira gleich drei Vereine im portugiesischen Profifußball unterwegs sind. Lourosa und Feirense hatte ich schätzen gelernt. Der SC São João de Ver war Neuland für mich. Als wir im Rahmen der Anreise durch Lourosa fuhren, entstand ein kleiner Gedanke in den Tiefen meines Gehirns.

Als wir am Stadion ankamen und ich die Massen an Menschen sah, wurde es mir klar. Das ist hier heute ein Derby. Manchmal hat man einfach Glück bei der Spielauswahl. Geographiekenntnisse ausgebaut. Ich lief am Gästeblock vorbei und sah die sehr lange Schlange zum Einlass. Ich spekulierte richtig und fand den Haupteingang, der auch gut frequentiert war. Recht schnell hielt ich jedoch meine Karte in den Händen und konnte mich reindrängeln. Das war wichtig, denn kurze Zeit später machte die Polizei den Eingang sogar kurzzeitig zu, um den Andrang zu organisieren.

Ich machte noch einen kurzen Schlenker zum Getränkeverkauf und kaufte in weiser Voraussicht zwei Wasserflaschen. Da es nur Plätze in der prallen Sonne gab, sollte sich diese Entscheidung mehr als auszahlen. Kurzzeitig ging sogar das Wasser aus, sodass der Verein noch schnell zum Lidl fahren musste, um Nachschub zu holen.

Zahlenmäßig hielten sich Heim- und Gästefans die Waage. Lourosa fanszenetechnisch definitiv eine andere Hausnummer. Circa 20 Leute der Armada Lusitana bemühten sich konsequent um die Unterstützung, wobei der Funke zu selten auf die normalen Fans überschwappte. Die Heimfans hatten keinen Stimmungsblock, sondern fanden erst in der zweiten Halbzeit mit dem sich abzeichnenden Sieg ihre Stimmbänder.

Kurzer Exkurs noch einmal zu unserer Zuglinie von gestern. Diese wurde 1908 durch den portugiesischen König Manuel eröffnet und der Legende nach erhielten die Bewohner von São João de Ver an diesem Tag ihren Spitznamen. Für ihre Freundlichkeit bekannt, brachten sie den Passagieren der Jungfernfahrt des Zuges ihre heimische Frucht die „Malápios“, eine Art Apfel. Seitdem haftet der Spitzname „Malapeiros“ und im Stadion sollte ich erleben wie man sich voller Stolz als „Malapeiro“ bezeichnete. Interessant dieses kleinstädtische Volk in Portugal. Extrem lustig war, dass anscheinend vor der Saison ein Spieler von São João de Ver zu Lourosa gewechselt war. Als im Nachgang die Fans riefen, dass er trotzdem „Malapeiro“ sei, rannte er schnell in die Kabine, um sich der unangenehmen Situation zu entziehen.

São João de Ver konnte das Spiel mit 1:0 für sich entscheiden. Schade für Lourosa, die somit denkbar schlecht in die Saison starteten. Die Schadenfreude der Heimfans war auch nicht so ganz meine Welt. Trotzdem machte der Spieltag wirklich Spaß und Lourosa kann man einfach immer guten Gewissens machen.

Hinterlasse einen Kommentar