AF Porto: Distrital
Zuschauer: 550
Estádio de Sonhos: Ermesinde
Dem portugiesischen Pokal verdankte ich auch diese Ansetzung unter der Woche. Da Gandra am Sonntag im Pokal antreten musste (Ich war zugegen), wurde das eigentlich angesetzte Ligaspiel in Ermesinde an diesem Mittwochabend nachgeholt. Mit dem Bus sollte es eigentlich eine recht passable Verbindung in das nahegelegene Ermesinde geben. Nur leider stand ich 20 Minuten lang an der Bushaltestelle, ohne dass mich ein Gefährt einsammelte. Also rief ich mir letzten Endes doch wieder ein Taxi. Kurz verfluchte ich mein Leben, denn als wir auf die dunkle Autobahn fuhren, kickte meine Müdigkeit doch ziemlich böse rein.
Diese rückte aber wieder in den Hintergrund als ich das Flutlicht leuchten sah und ich das schöne, kleine Stadion von Ermesinde betrat. Das Stadion der Träume war der nicht zu vielversprechende Titel. Ausbau an vier Seiten, bunt angemalte Stufen in den Vereinsfarben und ein kleines Vereinsheim machten das Stadion einmal mehr zu einem wirklichen Highlight. Ich bog noch schnell in das Vereinsheim ab und musste etwas über das „Vorauszahlsystem“ schmunzeln. Im zweiten Anlauf gab es dann aber Gummibärchen und ein alkoholfreies Bier für mich.
Bei der Ankunft hatte ich in einer nahegelegenen Bar schon den Haufen von Ermesinde gesehen. Die Ultras Ermesinde wurden bereits 1992 gegründet und waren mit einer improvisierten Zaunfahne im Stadion präsent- vermutlich, weil sie nicht den Weg der Legalisierung gegangen sind. Mit etwas Verspätung nahmen sie auf der Hintertortribüne ihre Plätze ein und beschenkten mich mit einem wunderbaren Fußballabend. Auf dem Weg nach Draußen konnte ich noch einen Blick auf den Mob werfen und war ehrlich begeistert. Das sah fast aus wie ein italienischer Haufen- gestandene Männer voller Leidenschaft.
Im Stadion kann man einfach perfekt Mäuschen spielen. Ich suchte mir einen versteckten Platz in der letzten Reihe und hörte links und rechts ein wenig in die Gespräche mit rein. Ich liebe dieses Land und seine Leute. Auf dem Rasen konnte Gandra etwas unverdient mit 1:2 gewinnen. Das hielt die Fans von Ermesinde nicht davon ab die leidenschaftlich kämpfende Mannschaft am Ende zu feiern und sie auf die nächsten Partien einzuschwören. Im Uber fand der Abend noch einen sehr angenehmen Ausklang, denn der Fahrer war einmal mehr ein wandelndes Fußballlexikon und so fachsimpelten wir uns durch die ersten fünf portugiesischen Ligen.



