Liga 3 Serie A
Zuschauer: 400
Campo da Cruz do Reguengo: Vila Verde
Vorsicht Triggerwarnung! Es folgt eine dieser Gruselgeschichten des modernen Fußballs- von denen man einfach nicht glauben kann, dass sie wirklich existieren. Aber um uns zu gruseln, müssen wir erst einmal in das beschauliche Vila Verde, circa 15 Kilometer nördlich von Braga reisen. Auf der Anreise loderte bereits ein Brand fast direkt neben der Autobahn. Auch das sorgte für einen gewissen Gruselfaktor. Ich parkte in der Nähe des Stadions, kaufte ein Ticket und musste mich dann mit dem Ordner bezüglich der Mitnahme meiner Bonbons streiten. Am Ende sprach der dahinter postierte Polizist ein Machtwort. Überraschendes Votum: Die Bonbons dürfen rein. Rein durfte auch etwas im Vereinsheim gekaufter Proviant. Ab auf die Tribüne und in die Nähe der Gäste, um gute Blicke und Hörwellen erhaschen zu können.
Aber am zum Grusel. Im Jahr 2020 stieg die kanadische Investorengruppe Länk bei Vilaverdense ein. Die Firma hatte sich einen ambitionierten Aufstiegsplan zum Ziel gesetzt. Das funktionierte in den ersten Jahren überraschend gut. Innerhalb von drei Jahren gelang der Aufstieg in die zweite Liga, in der man in der vergangenen Saison erstmals spielte. Begleitet wurde der Prozess aber schon von einigen Störgeräuschen. Es gab Streit mit den Mitgliedern bezüglich eine Logoänderung, Gehälter wurden nicht regelmäßig bezahlt und man hatte offensichtlich die Kosten für den Spielbetrieb in der zweiten Liga komplett unterschätzt. Das heimische Stadion wurde nicht zugelassen, sodass eine Odyssee durch Portugal begann. Man spielte in Paços de Ferreira, Penafiel und Coimbra. Der letzte Spielort war fast 200 Kilometer entfernt. Die Bindung zum Stammverein war so gut wie gekappt.
Im Abstiegskampf der zweiten Liga wurde es dann immer abstruser. Man schaffte es sogar in die deutsche Presse, da man den Schwager von Paris Hilton verpflichtete. Der gute Mann war zu dem Zeitpunkt 45 Jahre und hatte noch nie Profifußball gespielt. Wohl gezwungenermaßen wurde dieser Spieler dann ausgerechnet im Abstiegsspiel sogar noch eingewechselt. Tiefer kann man wohl nicht mehr fallen.
In der Folge herrschte verdächtige Stille bei Vilaverdense. Inzwischen ist wohl klar: Der Investor ist pleite und ist nicht mehr im Verein tätig. Vermutlich gingen die Anteile aber an einen anderen Investor. Nach außen gedrungen ist davon aber weiter nichts. Die Mannschaft startete erst eine Woche vor Ligabeginn in die Vorbereitung und hatte beim ersten Spiel ganze 12 Spieler auf dem Spielberichtsbogen. Ähnliches gilt für die Frauenmannschaft, die in der ersten Liga antritt.
Ich horchte im Vereinsheim ein wenig nach links und rechts: Im Großen und Ganzen scheint man einfach froh zu sein, dass man zumindest einen Teil des Vereins zurückgewinnen konnte. Man spielt wieder im eigenen Stadion, ist zum alten Logo zurückgekehrt und hofft, dass nun etwas Ruhe einkehren kann. Komplett abstrus!
Nun also dritte Liga, was für den Verein immer noch eine super Spielklasse ist. Das Vereinsgelände ist sehr ordentlich. Es stehen fast zwei deckungsgleiche Stadien nebeneinander. Beide mit einer großen Haupttribüne- eins für die Frauen und eins für die Männer. Circa 15 Leute unterstützten die Heimmannschaft koordiniert. Circa 200 Leute befanden sich im Gästeblock und legten koordiniert von den Ultras der „Os de 1915“ einen tollen Auftritt hin. Ich bin ein Varzim Fanboy!
Auf dem Rasen gab es die berühmte „Reviravolta“. Die Heimmannschaft konnte mit 1:0 in Führung gehen- aber Varzim drehte die Partie und konnte mit 1:3 gewinnen. Das freute mich und den Gästeblock, der gegen Ende komplett freidrehte.
Ich hatte dann noch etwas Zeit bis zum Zielspiel des Tages und so entschied ich mich für einen entspannten Verbleib im Vereinsheim. Dort guckte ich noch das Spiel vom FC Porto zu Ende und fuhr dann noch zu einem nahegelegenen Flussstrand.





