11.10.2024 Mosambik- Eswatini 1:1

Afrikameisterschaft Qualifikation

Zuschauer: 22.000

Estádio Nacional do Zimpeto

Dieser Spielbesuch hat eine Geschichte, die bis in den Mai 2024 zurückgeht. Spontan entschied ich mich dafür zu einem Konzert in Porto zu gehen. Mir ging es eher um die Location und den Supportact, als um die Sängerin, die ich kaum kannte. Aber die Songs klangen ganz gut und so entschied ich mich am Samstagabend in Richtung Kristallpalast zu laufen. Auf dem Weg fanden mich einige Gläser Portwein, die mich wohl als empfänglich für eine saudadige Stimmung identifizierten. Ich nahm meinen Platz im Oberring ein und nach einigen Liedern war es um mich geschehen: „Se eu não mato a saudade. É ela que me mata a mim” lautete die Textzeile, die direkt alle Schleusen öffnete und mich direkt ins Herz traf. Neun Jahre waren seit meinem letzten Besuch in Mosambik vergangen und doch fühlte sich dieses Land immer noch nach einem wichtigen Teil meiner Vergangenheit und auch Identität an. Außerdem dachte ich auch ganz pragmatisch, dass wenn an der Textzeile etwas dran war, dass es wohl besser sein würde die Saudade zu töten, als von ihr getötet zu werden. Dieser Konzertbesuch wirkte nach und nach zwei Wochen des Zauderns hatte ich die Flüge nach Maputo gebucht.

Und dann knapp vier Monate später war ich wirklich in Maputo. Vorbei die Zeit, in der ich aus Kostengründen nach Johannesburg geflogen war und danach mit dem Nachtbus Maputo erreicht hatte: TAP hatte sehr kompetitive Direktflüge von Lissabon nach Maputo im Angebot. Auch das Visum kann man mittlerweile recht problemlos für schmale 10 Euro direkt an der Grenze bekommen. So schmerzfrei war ich noch nie in Maputo angekommen. Um den Adrenalinspiegel dennoch oben zu halten, kam ich am Tag der Parlamentswahl in Maputo an und fand eine Geisterstadt vor, da der Tag als arbeitsfrei deklariert wurde. Das nutzten dann direkt die Bubillen, um mich ausgiebig zu schikanieren: Aber so wusste ich zumindest: Ich bin wieder in Maputo.

Am Freitag wurde das Qualifikationsspiel zur Afrikameisterschaft in Marokko zwischen Mosambik und Eswatini ausgetragen. Der mosambikanische Verband kommunizierte recht transparent die Ticketpreise und die Vorverkaufsstellen, was mich ziemlich überraschte. Es brauchte dann trotzdem drei Anläufe, um die Vorverkaufsstelle geöffnet aufzufinden, aber ich hatte tatsächlich bereits vor dem Spieltag unsere Karten in der Hand.

Am Spieltag selbst verbrachte ich den Vormittag in meinem alten Projekt und hatte somit einen nicht mehr ganz so weiten Weg zum Stadion. Das war auch gut, denn wir waren recht spät dran. Wir bekamen noch eine Mitfahrgelegenheit und konnten den Fußweg dadurch etwas reduzieren. Die letzten Meter liefen wir über den extrem wuseligen Markt in Zimpeto. Dann erreichten wir das Stadion und die Einlasssituation war entspannt. Es gab zwei Sicherheitsschleusen und wir waren schnell im Inneren. Dort konnte man sich dann von mobilen Verkäufern noch mit Nüssen und Dosenbier eindecken. Wir bekamen außerdem noch beim Betreten des Blocks eine Plastiktüte mit Obst, Wasser und einem Soft-Drink in die Hand gedrückt, da wir uns dekadent mit VIP-Tickets eingedeckt hatten. Bei einem Kostenpunkt von 11 Euro fand ich das in meiner Lebenslage angemessen. Die Tickets für die Sonnenseite kosteten 3 Euro und für die Schattenseite 4,50 Euro. Nicht wenig für mosambikanische Verhältnisse- aber vermutlich für die meisten zumindest irgendwie realisierbar.

Unvergessen meine bisherigen Länderspiele unter anderem im Estádio do Machava, wo mich eine mosambikanische Gruppe zwangsadoptierte und mir Whiskey aus Plastiktüten einflößte. Nach der Niederlage pinkelte das Familienoberhaupt dann aus Frust auf die Tribüne des Stadions. Solche grandiosen Geschichten bot der VIP-Bereich natürlich nicht- aber dieser war erstaunlich gut gefüllt und man konnte das Spiel entspannt, aber trotzdem nicht leidenschaftslos verfolgen. Das Stadion wurde im Jahr 2011 eröffnet (Ich war beim Eröffnungsspiel) und wurde von unseren chinesischen Freunden gebaut und finanziert. Es bietet Platz für 42.000 Leute und ist zu einer Seite überdacht. Auf der Sonnenseite fanden sich die etwas organsierteren mosambikanischen Fans ein, die hinter einer großen Nationalfahne für Stimmung sorgten. Trommeln, einige Fahnen und Vuvuzelas sorgten für eine sehr melodische Unterstützung. Dazu wurde ausgiebig getanzt. Es machte richtig Spaß dem Zuzugucken und sorgte für eine würdige Untermalung des Länderspiels. Circa 50 Fans aus Eswatini traten nicht weiter in Erscheinung.

Durch die nur einseitige Überdachung gab es eine Schatten- und eine Sonnenseite. Die ordentlichen Temperaturen setzten Anreize auf die Schattenseite zu wechseln. Der Tribünenwechsel erfolgte dabei waghalsig, in dem Hunderte Fans aus dem Oberring in den Unterring sprangen und dann auf die Schattenseite rannten. Stark! Das Stadion wurde im Laufe der Partie immer voller und letztlich waren es vermutlich um die 20.000 Leute, die sich im weiten Rund einfanden. Nicht verkehrt für eine Anstoßzeit um 15:00 an einem Arbeitstag. Völlig bescheuert war der Polizeihubschrauber, der so dicht über dem Stadion kreiste, dass ich mehrfach befürchtete, dass er in die Anzeigetafel krachen würde.

Das Spiel war ziemlich zäh. Mosambik war gegen den Gegner aus dem Kleinstaat klar favorisiert. Mit Reinildo Mandava, der für Atletico Madrid spielt und vor allem Geny Catamo hat man zwei sehr bekannte Spieler in seinen Reihen. Dazu spielt die mosambikanische Legende Dominguês auch im zarten Alter von 40 Jahren immer noch für die Nationalelf. Der Hype um den Sportinguista Geny ist aber kaum zu fassen. Im Laufe meines Aufenthalts wurde ich voller Stolz von Mosambikanern aller Altersklassen auf ihn angesprochen. Trotz dieser Stars konnte Mosambik seine Überlegenheit nicht in Tore ummünzen. Erst in der 74. Minute konnte der Chemie Leipzig Star Stanley Ratifo das 1:0 erzielen. Eswatini konnte aber kurze Zeit später durch ein Traumtor ausgleichen. So blieb es beim sehr enttäuschenden 1:1.

Die Rückkehr in der Stadt machte mir aufgrund der Menschenmassen und der langsam untergehenden Sonne ziemliche Sorgen. Diese war aber komplett unbegründet, denn ich bekam sogar einen Sitzplatz in einem Bus in die Baixa, der auch fast direkt losfuhr. Das ermöglichte mir sogar noch den Besuch eines Films im altehrwürdigen Cinema Scala. Mosambik, du bist so wunderbar!

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