Taça de Moçambique
Zuschauer: 1.000
Estádio do Tchoumene
In Mosambik wird der Groundhopper noch ein bisschen gefordert. Die Groundhopper App oder Soccerway kann man als Ressource nahezu vergessen. Stattdessen heißt es recherchieren, Zeitungen lesen und Facebookseiten abklappern. Am Freitagabend fand ich auf diese Weise ein für den Samstag terminiertes Pokalspiel zwischen den Black Bulls und Costa do Sol. Der mosambikanische Pokal ist zunächst in eine Nord- und eine Südstaffel eingeteilt und die Sieger werden in einem Hin- und Rückspiel ermittelt. Das Hinspiel zwischen den beiden Mannschaften ging 1:1 aus. Nun stand das Rückspiel bei den Black Bulls an.
Die nächste Herausforderung war das Stadion der Black Bulls zu lokalisieren. Google war keine Hilfe und so brauchte es eine erneute tiefgreifende Recherche, bis auch das geschafft war. Zu guter Letzt musste ich es noch schaffen meine Begleitung über die veränderte Tagesplanung zu informieren. Aufgrund des recht teuren Internets in Mosambik gelang mir das erst am frühen Mittag des Spieltags. So war die Zeit schon ziemlich fortgeschritten, als wir uns endlich in der Baixa Maputos trafen. Ich brachte es nicht über das Herz uns in ein Taxi zu lotsen. Ich hätte die knapp 10 Euro verschmerzen können, aber wenn das circa ein 15% des Monatsgehalts deines Gegenübers ist, kann man das einfach nicht bringen. In Europa wird man mit so etwas kaum noch konfrontiert- Mosambik machte einem einmal mehr bewusst was für ein Los wir in der Lebenslotterie gezogen haben und wie krass unsere Privilegien sind.
Ich wusste ich habe ab jetzt keinen Einfluss mehr auf die Situation und so wartete ich stoisch auf das Chapa- beteiligte mich nur halbherzig am Kampf um ebenjenes, um mein Hab und Gut nicht zu verlieren und musste somit mit einem Stehplatz vorliebnehmen. Ein Großteil der Fahrten, die ich dieses Mal in Maputo machte, war deutlich angenehmer. Ich konnte fast immer sitzen und es wurde selten richtig voll. Heute waren noch einmal Retro-Vibes angesagt, denn es gab ab irgendeinem Punkt überhaupt keinen Platz mehr zum Atmen. Ich wusste nicht mehr welche Körperteile da gegeneinander schlackerten- wir waren einfach nur noch ein Knäuel an Menschen. Ich spitzte während der Fahrt die Ohren, denn im Chapa wurde lebhaft die gerade vergangene Parlamentswahl thematisiert. Es waren sich fast alle einig, dass massiver Wahlbetrug geherrscht hatte und das Frelimo langsam abdanken müsse. Es werden spannende Wochen und Monate in Mosambik.
Tchoumene liegt an der N4, die an die südafrikanische Grenze führt, circa 25 Kilometer von Maputo entfernt. Wir kamen dann irgendwann an und betraten erst zur 25. Minute das Stadiongelände. Bitter- aber es steckte nicht mehr in meiner Macht. Kurz nach dem Betreten fiel dann das 1:0 für die Black Bulls. In der zweiten Halbzeit konnte Costa do Sol per Elfmeter ausgleichen. Dabei blieb es in der regulären Spielzeit und es folgte sofort ein Elfmeterschießen- auch weil das Stadion über kein Flutlicht verfügte und die Dunkelheit langsam drohte. Im Elfmeterschießen gewann dann Costa do Sol und jubelte ausgiebig mit den Fans.
Die Fans von Costa do Sol sind sicherlich ganz vorne in Mosambik anzusiedeln. Ich hatte schon einige Spiele von ihnen in der Vergangenheit gesehen und es war eigentlich immer etwas los. Auch heute hatten sie trotz des Auswärtsspiels die Mehrzahl der Fans auf ihrer Seite und konnten die Mannschaft mit regelmäßigen Gesängen nach vorne peitschen. Auf Seiten der Black Bulls gab es keine organisierte Stimmung. Erfrischungsmöglichkeiten wurden durch fliegende Verkäuferinnen geboten und so konnten wir uns mit einem Wasser und ein paar Nüssen stärken.
Die Black Bulls wurden erst im Jahr 2017 gegründet und haben seitdem einen kometenhaften Aufstieg hingelegt. Bereits im Jahr 2020 konnte man den ersten Titel gewinnen. Man versucht die europäische Nachwuchsleistungszentrumsstruktur nachzuahmen und so verfügt das Gelände über Unterbringungsmöglichkeiten und zahlreiche gut gepflegte Plätze. Sehr beeindruckend was da passiert ist. Mit Geny hat man schon einen sehr beeindruckenden Alumnus in seinen Reihen. Zu dem Zeitpunkt gab es eine Kooperation mit dem FC Porto und dieser hatte das Vorzugsrecht auf Athleten aus der Akademie und äußerte wohl auch Interesse an Geny. Man wurde sich dann aber nicht einig, sodass Geny nach Amora wechselte. Amora und Geny haben den gleichen Eigentümer- Junaide Lalgy, der den großen mosambikanischen Logistikkonzern Lalgy leitet, der direkt neben dem Stadion seinen Sitz hat. Der Mann dürfte einer der wohlhabenderen Mosambikaner sein. 2019 wurde sein Sohn gekidnappt und er zahlte eine hohe Lösegeldsumme. Im vergangenen Jahr entkam er nur knapp einem Entführungsversuch. Mosambik…
Nach dem Spiel hatten wir Glück, denn wir konnten direkt in einen Bus in die Baixa steigen. Ciao mosambikanischer Fußball- até ja!





