26.10.2024 FC Famalicão- Sporting Clube de Lisboa 0:3

Primeira Liga

Zuschauer: 4.520

Estádio Municipal de 22 de Junho: Famalicão

Die portugiesische Liga ist schon kurios. Der Großteil der Spiele ist so uninteressant, dass sich kaum Zuschauer ins Stadion verirren- und dann gibt es die Spiele gegen die drei Großen bei denen es super schwierig ist an ein Ticket zu kommen. Das liegt auch an den geringen Kapazitäten der meisten portugiesischen Stadien. Lust hatte ich dennoch auch mal eines dieser Spiele mitzunehmen und so streckte ich ein bisschen die Fühler aus, ob ich nicht über Kontakte ein Ticket für das Spiel erhalten könnte. Recht schnell gab es die positiven Nachrichten: Der Spielbesuch würde klappen.

Mit dem Zug sollte es für mich nach Famalicão gehen. Ich wählte eine Verbindung mit dem Interregional. Ich hatte diesen Zug mal von Viana do Castelo genommen und hatte nur ein Ticket bis nach Trofa lösen müssen, da ich bereits den Monatspass für die Metropolregion Porto besitze. Daher ging ich davon aus, dass ich den Zug problemlos würde nutzen können. Im Zug wurde ich dann doch nervös und meine Recherche legte eher einen anderen Schluss nahe. So war ich heilfroh, dass ich aussteigen konnte, bevor sich der Schaffner bis zu mir vorarbeiten konnte. Glück gehabt!

Im strömenden Regen lief ich dann zu der verabredeten Kneipe. Dort traf ich meine Kontaktperson von den Fama Boys und nach einem kurzen Plausch hatte ich meine Eintrittskarte in der Hand. Geld durfte ich dafür nicht bezahlen. Wahnsinn! Ich finde es wirklich beeindruckend mit welch offenen Armen ich hier in der Regel stets begrüßt werde. Vielen Dank für die Gastfreundlichkeit, die Großzügigkeit und das Privileg dieses Spiel besuchen zu können. Vielen Dank auch an den Kontaktvermittler! Portugal- ich möchte wirklich nie wieder von hier weg.

Ich hatte dann noch etwas Zeit bis zum Anpfiff und entschied mich für eine Pregaria, wo ich dann die vorzügliche Spezialität des Hauses vertilgte. Das war richtig lecker. Ich trat dann gerade ins Freie, als der Mob von Sporting von den Polizisten in Richtung Stadion eskortiert wurde. So stand ich also genau in der Tür, als die Leute an mir vorbeizogen. Auch hier- ein paar Blicke- aber alles entspannt. Aufgrund der kalten Temperaturen trank ich noch schnell einen wärmenden Portwein in einer weiteren Bar und machte mich dann auf den Weg ins Stadion. Die Schlange war unfassbar lang und so musste ich zu Trick 17 greifen, um rechtzeitig im Stadion zu sein. Sorry!

Der Regen hatte mittlerweile aufgehört und so suchte ich mir einen Platz im oberen Bereich der Tribüne zwischen den Haufen von Sporting und Fama. Die Tribüne hat kein Dach, sodass ich ein Dankesgebet Richtung Petrus schickte. Um den Auftritt der Heimkurve zu bewerten, war es einmal mehr kein guter Standort. Der Schall ging in alle Richtungen, aber nicht zu mir. Mit Blick auf die Mitmachquote sah das sehr ordentlich aus und die bereits bekannten 3-4 Fahnen waren konsequent in der Luft.

Sporting konnte ich etwas besser vernehmen. 90 Minuten lang wurde ich mit tollen Melodien beschenkt. Dabei entstanden keinerlei Pausen, denn die Lieder wurden fließend gewechselt. Somit wirkte das fast wie ein Konzert. Die ganz großen Lautstärken wurden nicht erreicht, aber es war ein sehr routinierter und reifer Auftritt für eine Fanszene, die gerade auf vielen Hochzeiten tanzt und für die das Auswärtsspiel in Fama vermutlich nicht das größte Highlight ist. Eine Schwenkfahne der Brigada sorgte für etwas Tifoeinsatz.

Auf dem Rasen wurde Sporting seiner Favoritenrolle gerecht und konnte letztlich ziemlich souverän mit 0:3 gewinnen. Gyökeres traft wie immer- jubelte aber unnötigerweise direkt vor den Heimfans. Als traurige Randnotiz bleibt die schwere Verletzung von Nuno Santos, der sich einen Achillessehnenriss zuzog. Vom ganzen Herzen gute Besserung.

Nach dem Spiel fuhr lediglich um Mitternacht ein letzter Zug. Das war zu spät für mich und so zündete ich heute das Privileg, das ich mir in Maputo stets verwehrt hatte und fuhr mit einem Bolt zurück nach Porto. So ging es dann zu einer zivilisierten Uhrzeit ins Bett.

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