Distrital Viseu
Zuschauer: 250
Estádio dos Trambelos: Viseu
Ich entschied mich dafür das Auto stehen zu lassen. Das hatte mehrere Vorteile: Zum einen konnte ich mir meinen Ligenkomplettierungswein munden lassen: Zum anderen konnte ich zu Fuß durch die sehenswerte Altstadt Viseus zum Stadion laufen. Mich erwartete mal wieder eine echte Überraschung- in der Groundhopper App war kein Bild hinterlegt und so war ich gespannt, was mich bei Ankunft erwarten würde. Mein erster Eindruck war ein freundlicher Mann im Kartenhäuschen, der mir meine Karte aushändigte. Dann ging es hinein und ich traute meinen Augen kaum: Eine schöne Haupttribüne, eine kultige Imbissecke, eine grasbewachsene Gegentribüne und als Kirsche auf der Torte ein Zug, der als Dekoration auf der Gegentribüne stand. Was war denn hier wieder los?
Wenn ich mir einen Traumground zusammenzimmern würde, dann sähe er wohl ungefähr so aus. Ich versorgte mich noch am genialen Vereinskiosk und nahm dann meinen Platz in der Sonne ein. Im November merkt man dann noch einmal mehr in was für einem Paradies man gerade lebt. Ich ließ es mir gutgehen und merkte, wie die Lebensbatterie Minute um Minute aufgeladen wurde. Es braucht so wenig: Ein bisschen Sonne, ein cooler Ground und ein kühles Getränk- schon erscheinen die Ängste und Nöte des Lebens so trivial.
Ich war nicht der Einzige, der es sich gut gehen ließ. Im ganzen Stadion herrschte eine fast ausgelassene Stimmung. Die Heimmannschaft hatte eine kleine Rentnertruppe, die die Mannschaft ohne Meckern fast frenetisch nach vorne peitschte. Alle hatten die Einheits-Schiebermütze auf und ließen einen fast ein wenig nostalgisch werden: Wenn man so etwas im hohen Alter noch hat. Genial. Eine ältere Frau verkaufte frisches Brot und fast jeder schlug zu. 7 Jungs standen hinter dem Tor und zwei Zaunfahnen. An jeder Ecke passierten schöne Dinge, es war ein Traum, es war Magie.
Auch das Spiel machte wirklich Spaß. Es entwickelte sich ein echter Fight, der einmal mehr 1:1 endete. Auffällig war ein Einwechselspieler der Heimmannschaft, der bereits zarte 42 Jahre alt war. Dieser blickt auf eine illustre Karriere zurück und konnte in den 2010er Jahren sogar einmal Chaves mit 15 Toren in die erste Liga schießen. Blöd nur, dass er nach dem Aufstieg eine SMS erhielt, dass sein Vertrag nicht verlängert würde. So kann er zwar auf zahlreiche Zweitligajahre zurückblicken, aber auf keinen Einsatz in der Primeira Liga. Für die fünftklassige Distrital reicht es aber auch noch mit 42 Jahren und im vergangenen Jahr war er Toptorjäger der Heimmannschaft. Cooler Typ!
Leider ertönte irgendwann der Abpfiff und ich musste den Ground verlassen. Dennoch quitschfidel aufgrund dieser tollen Erfahrung ging es für mich zurück zum Auto und dann in heimische Gefilde.





