Primeira Liga
Zuschauer: 5.178
Estádio de São Luis: Faro
Eine letzte Hausaufgabe gab es für mich noch zu erledigen. Bei 17/18 Grounds zu verharren, ergab auch keinen Sinn und so hatte ich mir am letzten Novemberwochenende das Heimspiel von Farense zur Ligakomplettierung ausgeguckt. Aufgrund der frühen Buchung konnte ich für den Schnellzug noch einen Sparpreis schießen, sodass es zu einem sehr fairen Taler in Richtung Algarve ging. Ich hatte Interesse an einer relativ schnellen Fahrzeit, sodass ich mich für die schnellste Verbindung des Tages entschied. Das bedeutete leider eine Abfahrtszeit von 05:32, was morgens zu einer gewissen Brutalität führte. Kurz vor Lissabon trank ich einen Café im Bordrestaurant und vermute eine Kleingruppe aus Hoffenheim enttarnt zu haben, die am Vorabend in Braga gespielt hatten und ebenfalls nach Faro gefahren waren. Nach deren respektlosen Verhalten uns gegenüber vor einigen Saisons hatte ich kurze Racheträume, die ich dann in Faro jedoch mit dem Ozeanwind weiterziehen ließ.
Kurz vor den Mittag kam ich an und verbrachte noch einige Stunden in Faro. Früher galt an der Algarve mal die Faustregel: Alles östlich von Faro geht noch klar. Alles westlich von Faro ist an den Massentourismus verloren. 2020 war ich das letzte Mal in Faro und ein wenig seines Charmes hat es für mich verloren. Es wirkt schon noch einmal eine Ecke touristischer als vorher und der recht konstante Fluglärm über der Innenstadt war schon auch ziemlich nervig.
Vor meinem eigentlichen Spiel konnte ich dann noch Hertha in einer Kneipe gucken. Wir befanden uns in der Happy-Hour und ein Imperial (Klar, verleugne ich im Süden meine Konvertierung zum Fino) kostete 75 Cent! Besser konnte es kaum sein. Als dann auch noch Hertha das Spiel drehte, schwankte ich zufrieden in Richtung Stadion. Genau als ich auf dem Weg zu meinem Block war, kam der Bus von Estrela an. Da ein Amodaraner direkt aus dem Bus torkelte und nicht mehr einzuholen war, gab es kurz eine Straßensperrung durch die Polizei. Zum Glück waren diese aber recht lösungsorientiert und ließen uns nach einer kurzen Pause über den Bordstein an dem Bus vorbeilaufen. So kam ich dann fünf Minuten vor dem Anpfiff an und suchte mir einen Platz.
Stadien, die über der letzten Reihe noch eine nicht bestuhlte Reihe haben, sind einfach der Hit! So konnte ich mir wieder einmal meinen Wunschplatz sichern und das Spiel genießen. Das Stadion, das im Jahr 1923 von einem reichen Exilportugiesen gebaut wurde, ist eine sehr geile Hütte mit Ausbau an vier Seiten. Das war definitiv ein würdiger Abschluss der ersten Liga. Als dann auch noch der Nebel über die Flutlichtmasten in das Stadion zog, wurde das alles immer mystischer.
Das Publikum gefiel mir auch ganz gut, denn alle waren gut im Spiel drin. Hinter dem Tor gab es einen Stimmungsblock, in dem sich circa 300 supportoriente einfanden. Das war für portugiesische Verhältnisse definitiv in der oberen Tabellenhälfte. Die South Side Boys mit dem etwas problematischen Kürzel (SS) flaggten mit diesen beiden Buchstaben an und umgingen die Regel clever mit einer Fahne pro Buchstabe. Das Liedgut haute mich nicht völlig vom Hocker, aber die Mitmachquote überraschte mich wirklich sehr positiv. Über die Gäste aus Amadora kann ich leider nichts Positives sagen. Ich konnte sie weder hören noch sehen. Schade, denn der Heimauftritt damals war wirklich magisch.
Das Spiel war heftigster Abstiegskampf. Der Letzte aus Faro konnte einen verdienten 1:0 Sieg erkämpfen. Die Führung fiel recht früh und in der Folge wurde diese nicht mehr hergeschenkt. Nach dem Spiel wurde der Sieg mit dem gesamten Stadion gefeiert. Ich verabschiedete mich lächelnd in die Nacht und nach einem kleinen polizeiverordneten Umweg ging es dann für mich in das Bettchen. Damit sind die ersten beiden Ligen in Portugal und die Nordstaffel der dritten Liga komplettiert. Auf zu neuen Ufern.




