Distrital Aveiro
Zuschauer: 700
Campo Joaquim Domingos Maia: Pousadela de Cima
Erst am Vorabend loggte ich den Spielbesuch ein und entschied mich ohne weitere Gedanken für das Heimspiel von Espinho. Irgendwann kommen bestimmt neue Ideen und Träume, aber in diesem Moment war das die einzige Fanszene, die ich unbedingt noch sehen wollte. Die Desnorteados sind eine super respektierte Gruppe und haben den einen oder anderen Kurvenhit in Portugal geprägt. Unter anderem das viral gegangene Lied der portugiesischen Fans bei der EM im Sommer ist ursprünglich eine Melodie aus Espinho. Ja, auch Porto hat diese geklaut (oder entlehnt).
Zudem ist es eine Gruppe, die die Legalisierung entschieden ablehnt und sich auch in Fanszenemedien in Portugal häufig einbringt. Gleichzeitig genießen sie verhältnismäßig viele Freiheiten. So wurde mir beispielsweise bei meinem Jugendspiel auf den Azoren gesagt, dass ich das Bier nicht mit auf die Tribüne nehmen dürfe. Wir sind ja leider nicht in Espinho. Eine große Zaunfahne, eine Trommel. Espinho war heute präsent.
Da der einzige Kiosk direkt hinter der Heimkurve war, musste ich dort einen kleinen Besuch unternehmen. Starke Leute! In der Folge suchte ich mir einen Platz auf der Haupttribüne und genoss die Show der Fans sehr. Besonders nach dem Spiel beeindruckte mich der Wechselgesang zwischen Mannschaft und Kurve. Das war schon völlig geil, wie die Spieler sangen, dass sie die Stadt verteidigen werden und die Kurve das dann bestätigte. Das hatte etwas von einem gegenseitigen Treueschwur, den ich so noch nicht gesehen habe.
Espinho muss seine Heimspiele nun mehr seit 2019 im Exil austragen. Der Verein hatte so viele Schulden, dass er sein Stadion verkaufen musste. Auf dem Gelände entstehen nun Luxuswohnungen. Gleichzeitig gab es eine Vereinbarung mit der Kommune, dass ein neues Stadion errichtet werden sollte. Nur leider ruhen seit einigen Jahren die Bauarbeiten aufgrund von Unregelmäßigkeiten. Die Baustelle wird immer mehr zur Ruine. Im Sommer schalteten sich noch einmal bekannte Persönlichkeiten in den Prozess ein, aber der Prozess stockt weiter. Wirklich bitter für so einen ruhmreichen Verein mit zahlreichen Jahren in der ersten Liga, dass man mittlerweile in der fünften Liga und im Exil spielt. Auf geht’s Espinho!
Auf dem Feld konnte man die Partie komplett routiniert mit 2:0 gewinnen ohne groß in das Schwitzen zu geraten. So verteidigt man den ersten Platz und ist auf Aufstiegskurs. So könnte es im kommenden Jahr immerhin in die Viertklassigkeit gehen. Es wäre allen Beteiligten zu wünschen. In der Halbzeit konnte ich dank Passierschein noch einen Drink in einer nahegelegenen Kneipe nehmen und die Schlangen im Stadion umgehen. Nach dem Spiel ging es dann zügig zurück in das traute Heim.



