Primeira Liga
Zuschauer: 4.499
Estádio Municipal de 22 de Junho: Famalicão
Die Trauer war groß, denn das letzte portugiesische Fußballwochenende stand uns bevor. Ich entschied mich für den Spielbesuch bei Famalicão. Großartigerweise konnte ich mich wieder anmelden und mir wurde eine Karte organisiert. Vielen Dank an die Fama Boys und dieses unglaubliche Privileg.
Ich erreichte Fama entspannt, parkte clever in der Nähe des Stadions und lief dann zur Bar, um meine Karte einzusammeln. Mein Ansprechpartner hatte heute gewechselt und so war es kurz schwierig mich zu orientieren, zumal meine Nachricht nicht gelesen wurde. Ich nahm die wachsende Unruhe wahr und war dann sehr froh, als meine Kontaktperson aus der Bar kam. Einige hatten mich wohl für einen Späher vom FC Porto gehalten. Als die Situation aufgeklärt war, war alles entspannt. Es gab Schulterklopfer und nette Worte. Danke nach Fama.
Ich trank noch einen Café und drehte dann eine kurze Runde durch das weihnachtliche Fama. Ich liebe es wie portugiesische Städte festlich geschmückt sind. Zündet mich einfach an und ich vermisse auch die überteuerten deutschen Weihnachtsmärkte nicht so richtig. Die Schlange am Stadion war dann überschaubar und so war ich zehn Minuten vor Anpfiff schon drin. Ich nahm wieder meinen Platz in der letzten Reihe in der Nähe des Gästeblocks ein.
Ich war wirklich gespannt auf den Auftritt von Porto. Von vielen Szenen im Norden habe ich tendenziell in den letzten acht Monaten ein positiveres Bild gewonnen. Der FC Porto gehört definitiv nicht dazu. Klar geht die Fanszene gerade auch durch eine schwierige Phase, aber ein bisschen bedauerlich ist der Ist-Zustand schon. Ich werde nie vergessen, wie ich 2013 ein Auswärtsspiel von Porto bei Belenenses besuchte. Ich bepöbelte gerade die Polizisten, die sich mit großer Geste ihre Helme aufsetzte und der Polizist schleuderte mir entgegen: „Ich werde schon sehen“. Was dann aus diesen Bussen stieg war einfach großartig. Viel hat der derzeitige Haufen von FC Porto damit aktuell nicht mehr zu tun.
Da bin ich vielleicht auch zu streng, aber ich könnte mich Stunden darüber aufregen, wie der Vorsänger vom FC Porto beim Einlaufen der Mannschaft mit einem Handy auf de Zaun saß. Das ist doch nicht Ultrà. Wie viel Gleichgültigkeit und Langeweile kann man eigentlich ausstrahlen? Es wirkte einfach so als ob niemand Lust auf dieses Spiel in Fama hatte. Dementsprechend mau startete die Gästekurve dann auch in die Partie. In der ersten Halbzeit war ein Wechselgesang mit der Haupttribüne ein Highlight. Nach dem Ausgleich konnte man eine etwas bessere Phase hinlegen. Schlussendlich blieb das aber einmal mehr ein eher schwacher Auftritt. Auch das Liedgut überzeugte mich nicht so richtig.
Fama konnte ich aufgrund meines Standorts wieder kaum bewerten. Ich komme noch einmal wieder und positioniere mich dann perfekt für die Heimkurve! Das Spiel machte richtig Spaß. Porto war der Favorit und doch hielt ich eine Überraschung heute nicht für ausgeschlossen. Zu schwankend sind die Leistungen des FC Porto und Fama ist definitiv keine Gurkentruppe. Kurz vor der Pause konnte Fama dann tatsächlich mit 1:0 in Führung gehen. Diogo Costa sah hier nicht super aus. Zu Beginn der zweiten Halbzeit konnte Porto dann aber durch Samu ausgleichen. Danach folgte eine wilde Szene. Es gab eine Ecke für Fama, die abgefangen wurde. Porto spielte den Konter mustergültig aus und erzielte das 1:2. Samu sprang über die Bande und in die Arme der ersten Reihe des Fanblocks. Nach einigen Minuten schaltete sich dann aber der Videoschiedsrichter ein. Bei der vorausgegangenen Ecke soll es ein Handspiel gegeben haben. So wurde das Tor dann wirklich aberkannt und Fama erhielt einen Elfmeter zugesprochen. Der Killer Diogo Costa fischte diesen dann aber aus der unteren rechten Ecke. Ein absoluter Wahnsinn!
Es blieb beim 1:1. Die Mannschaft von Porto stellte sich seinen Fans und insbesondere Samu ging auch wirklich ziemlich nah an den Block. Das wirkte alles sehr im Rahmen. Die Frustration wurde klar artikuliert, aber es gab keinerlei Grenzüberschreitungen und keine Beleidigungen. Dennoch rannte der Trainer von Porto wie ein aufgescheuchtes Huhn zum Block und schickte die Spieler weg. Die Körpersprache war dabei höchst konfrontativ und provozierend. In der Folge flog eine Flasche Wasser in seine Richtung, wobei diese locker fünf Meter neben ihm einschlug und ja dank des fehlenden Deckels auch nicht wirklich ein gefährliches Geschoss werden kann. Dass sich danach wirklich Fußballfans in Social Media und zahlreiche Medien mit Hasstiraden auf die aktiven Fans steigerten, ist einfach nur traurig. Wie die Jugend sagen würde: Macht mal bitte Fenster auf Kipp.
Raus aus dem Stadion, zum fahrenden Untersatz und in das temporäre Zuhause am Meer.




