Europaleauge
Zuschauer: 32.000
Estádio Do Dragão: Porto
Ich purzelte von der Autobahn und bog dann falsch ab. Eigentlich hatte ich einen Masterplan ausgeheckt und eine Gegend für einen Parkplatz identifiziert. Nun war ich aber geradewegs auf dem Weg zurück auf die Autobahn. Aber was ist da links? Rübergezogen und ich war auf einem dubiosen Fleck Erde direkt unter der Autobahnbrücke. Ein paar Parkplätze, ein altes Fabrikgelände und nirgendwo Verbotsschilder. 15 Minuten zum Stadion und wirklich direkt an der Autobahnauffahrt. Besser hätte es eigentlich nicht laufen können.
Ich drehte müde den Motor ab und mein portugiesischer Telefonanbieter wollte sich auch noch bei mir verabschieden und sich in Position für eine erneute Partnerschaft bei meiner Wiederkehr bringen. Also telefonierte ich noch 15 Minuten mit der netten Dame, ehe ich den Weg nach oben erklomm. Ich hatte richtig Lust am letzten Abend noch einmal eine Francesinha zu essen und hatte mir im Vorfeld ein Restaurant rausgesucht. Das war ein ziemlicher Glücksgriff und schien ein anerkannter Ort für die Vorspielzeit zu sein. Es schmeckte wirklich super lecker und ließ die Wehmut noch einmal ein wenig höher kochen.
Ich holte mir dann erst am Stadioneingang ein Ticket. Bis zuletzt hatte ich noch auf ein Wunder bei der Kartenbeschaffung gehofft. 24 Euro waren aber zu verschmerzen und so holte ich mir eine Karte im Bereich der Nordtribüne. Direkt beim Reingehen fiel mir auf, dass ich bei der Buchung den Stadionplan falsch gelesen hatte und mir eine Karte im Sektor des Colectivos gekauft hatte. Also war klar, dass ich mir einen anderen Platz suchen musste, was auch kein Problem darstellte. Ein Wechsel auf die Gegentribüne scheiterte leider an dem geschlossenen Tor. Mit bestem Blick auf die Gästefans, war ich mit meinem Platz aber sehr zufrieden.
Die Gäste hinterließen auch definitiv den besseren Eindruck. Der Stilkontrast hätte zwar größer kaum sein können, aber nach den ganzen Monaten war es sogar etwas erfrischend diesen nordischen Stil zu erleben. Eine hohe Mitmachquote, zwei Schwenker, die fast durchgehend in der Luft waren und bestimmt 500 Auswärtsfahrer waren schon ziemliche Pfunde. Auch süß waren die Kinder, die offensichtlich Nachwuchs aus der Fanszene waren und dennoch sehr präsent in den ersten Reihen waren. Die Melodien rissen mich nicht vom Hocker- aber die Stimmungshohheit hatten sie heute glasklar.
Die Kurve um die Super Dragões macht mich einfach nur noch traurig. Gefühlt werden es bei jedem Spiel weniger Leute, die sich am Support beteiligen. Heute waren es höchstens 200 Leute, die im Mittelteil des Blocks standen. Das ist wirklich traurig anzusehen. Das Colectivo hatte fünf starke Minuten und lieferte ansonsten einen recht typischen Auftritt hin. Porto, da muss einfach mehr gehen!
Auch auf dem Spielfeld war das ein blasser Auftritt des FC Porto, aber letzten Endes ein nicht unverdienter 2:0 Sieg, der dennoch mit Pfiffen des Heimanhangs quittiert wurde. Zu unbeliebt ist der Trainer, der eng mit dem neuen Präsidenten verbandelt ist. Richtig spannend wurde es aber nie, da der vermeintliche Anschlusstreffer in der Nachspielzeit vom Videoschiedsrichter wegen einer Abseitsstellung einkassiert wurde.
Mein Abreiseplan ging perfekt auf und so war ich circa 45 Minuten nach Abpfiff schon wieder in Póvoa.
