Oberliga Nordost-Süd
Zuschauer: 104
Sportplatz Dreilinden: Kleinmachnow
Das Heimspiel gegen Münster verbrachte ich in der Luft und ich ärgerte mich wie ein Verrückter über die Umstände, die dazu geführt hatten. Aber es war wirklich höhere Gewalt und keine leichtsinnige Entscheidung. Am Samstag sollte aber ganz regulär wieder Fußball geguckt werden und mit Wismut Gera kündigte sich ein großartiger Gegner für ein Fünftligaspiel an der Berliner Stadtgrenze an. Völlig verrückt, dass man die Oberliga Nordost-Süd durch den RSV auch noch mitnehmen kann und man somit praktisch beide Oberligen Nordost vor der Haustür besuchen kann.
Ein gewisser Ankunftsschock war uns allen ins Gesicht geschrieben. Temperaturen um 0 Grad, eisiger Wind und Schneeregen begrüßten uns, nachdem wir am Vortag noch Meerluft, 15 Grad und strahlenden Sonnenschien genießen durften. So fiel uns allen die Akklimatisierung etwas schwer und wir saßen auch in einer Verbindung, die uns erst kurz nach dem Anpfiff auf die Anlage führen sollte. Da wir den Anpfiff aber hörten und bereits wenige Sekunden später Sichtkontakt mit dem Feld aufnehmen konnten, war da zumindest für meinen Wertekodex alles entspannt.
Weniger entspannt war die Temperaturlage. Der Nachwuchshopper schlief vorbildlich auf dem Weg zum Stadion ein, aber die Pfiffe des Schiedsrichters und die sporadischen Gesänge des Gera Haufens führten zu einem fast unmittelbaren Erwachen und einem massiven Kälteproblem, da ein Verbleib im Kinderwagen nicht zum Tagesplan des Kleinen gehörte. So wurde das Gesicht im Laufe der Halbzeit gefühlt immer etwas blauer, sodass wir in der Halbzeit die Reißlinie ziehen mussten und ich Asi alleine zurückblieb. Aber Glückwunsch! Ground zählt.
104 Zuschauer toppt man bei fast jedem portugiesischen Fünftligaspiel- aber davon über 20 Hopper. Das ist schon der absolute Wahnsinn und auch fast ein bisschen skurril wie beliebt dieses Nischenhobby mittlerweile geworden ist. Ich war vor allem wegen Gera hier, die eine inoffizielle Weihnachtsmottofahrt veranstalteten. Ein Weihnachtsmann und einige Leute mit Weihnachtsmützen stellten den Mob, der sich hinter den bekannten Zaunfahnen positionierte und ab und an mal sang.
Nach dem Spiel fuhr ich mit dem Haufen dann noch Bus. Die Truppe war nämlich mit dem Zug unterwegs. Dafür muss man Ostszenen einfach lieben. Respekt an Gera und Respekt an uns für ein Überleben in dieser lebensfeindlichen Umgebung. Die beheizte Toilette rettete mich für ein paar tröstende Augenblicke. Das im Bus gesungene Last Christmas mit der Pointenzeile: „I gave it to Wismut Gera“ im thüringischen Dialekt verfolgt mich bis heute. Danke dafür!


