22.12.2024 Hannover 96- Hertha BSC 0:0

2. Bundesliga

Zuschauer: 49.000

Niedersachsenstadion: Hannover

Es fühlte sich gut an endlich mal wieder auf dem Weg zu einem Spiel der alten Dame zu sein. Und vor allem zu wissen oder zu ahnen oder zu vermuten, dass es auf absehbare Zeit erst einmal im Großraum Berlin für mich weitergehen würde. Als letztes Spiel vor der Hinrunde wurde Hannover ausgerufen. Spieltag am 22.12! Das ist schon immer ein bisschen crazy und so saß ich zwischen allerlei Leuten, die schwerbepackt nach Hause fuhren in meinem IC nach Hannover. Ein bisschen war es auch für mich wie nach Hause und zur Familie fahren. Nur eben zur Blau-Weißen und nicht zur biologischen Familie.

Ich kam am Vormittag in Hannover an und freute mich dann sehr, dass ich noch ein spätes Frühstück bei Freunden einnehmen konnte. Hammer, wenn so etwas möglich ist und wenn auf diese Art und Weise der Spieltag noch ein bisschen aufgewertet werden kann. In diesem Fall der glückliche Nebeneffekt: Die Lokalität lag direkt neben dem Maschsee, sodass ich nur noch 15 Minuten bis zum Stadion zurückzulegen hatte. Als ich gerade auf den See traf, schwappte mir schon ein massives Ha Ho He entgegen.

Dann musste ich mich erst einmal ein bisschen akklimatisieren. Die Menschenmassen, die zum Stadion pilgerten und der doch sehr andere Habitus, verglichen mit Portugal, führten dazu, dass ich wirklich erst einmal ein paar Minuten brauchte, um mich daran zu erinnern, wie man sich in solchen Menschenmassen bewegt. Der Gästeeinlass war ziemlich miserabel gelöst und es gab ein Nadelöhr, um zu den Drehkreuzen zu kommen. Ruhig ließ ich mich Richtung Eingang schieben und war dann endlich drin. Aufgrund der riesigen Anzahl an Herthanern heute, hatte sich die Fanszene entschieden sich auf den Sitz- und Stehplatzbereich aufzuteilen. Das Problem war nur, dass der Zaun zwischen den Bereichen geschlossen war. Einmal wurde das Tor geöffnet, aber das verpasste ich um wenige Minuten.

Ich war nicht der Einzige mit dem Problem, aber oben am Block gab es tragische Szenen und Begrüßungen und Beratschlagungen durch den Zaun. Tschernie dirigierte mich dann nach unten, aber auch dort war das Tor verschlossen. Der Ordner dort war zumindest kooperativ und freundlich, aber anscheinend hatte sein Supervisor den Schlüssel mitgenommen und hatte ihn im Regen stehen lassen. Hitzige Minuten folgten, bis er entnervt sagte, dass er nichts unternehmen würde, wenn wir über den Zaun klettern würden. Also startete ein sehr reger Bevölkerungsaustausch in beide Richtungen. Ich hoffte noch einige Minuten auf den Schlüssel- aber weder diese Hoffnung noch mein Alohomora Zauberspruch waren von Erfolg gekrönt. Erstaunlich grazil schaffte ich es dann aber über das Tor. Puh!

Im Block dann noch einige Begrüßungen und ich war wirklich froh wieder hier zu sein. Gleichzeitig traute ich aber auch meinen Augen kaum. Wir waren deutlich über 10.000 Herthaner in Hannover. Ich würde sogar tippen, dass es am Ende so an die 12.000 waren. Unvorstellbar nach all den Besuchen in den Gästeblöcken der Welt und auch in Hannover. Aber die Leute haben Bock auf Hertha. Zu 100% weiß ich zwar nicht wieso, aber es ist beeindruckend, dass wir auf einmal Auswärtsfahrerzahlen erreichen, von denen wir früher nur träumen konnten.

Wir starteten mit einer Ponchochoreo in die Partie, die die gesamte Halbzeit getragen wurde. Die Durchführung war nicht perfekt, da die schwarzen Ponchos leider nicht zur Geltung kamen. Dadurch sah das nach Lücken und nicht den gewünschten Schattierungen aus. Kann man sich drüber ärgern, aber es kann einfach auch mal passieren. Vor allem wenn man nach Perfektion strebt und gewillt ist das Risiko mit den schwarzen Ponchos zu gehen. Man hätte das Bild sicher risikofreier nur mit blauen und weißen Ponchos erzielen können. Man hat sich anders entschieden und es hat nicht zu 100% geklappt. Trotzdem sah das Bild eindrucksvoll aus.

Mit dem akustischen Auftritt war ich eher unzufrieden. Zu selten schöpften wir das Potenzial der Masse aus. Warum ich das weiß? Minute 60-75 waren einfach absolut unfassbar. In dieser Phase schrie sich wirklich jeder die Seele aus dem Leib und wir waren bärenstark. Leider gelang uns das aber nicht über längere Phasen des Spiels. Sicher dennoch kein schlechter Auftritt, aber mit dieser Anzahl an Leuten hätte man mehr herausholen können.

Von der Heimkurve war ich überrascht, denn immer mal wieder konnte man diese trotz der eigenen Lautstärke klar im Gästeblock vernehmen. Dazu ein konsequenter Fahneneinsatz im Ober- und Unterrang. Optisch finde ich die Kurve trotzdem nicht wahnsinnig ansprechend, aber ich mag Hannover einfach und ich wusste auch nach diesem Spieltag warum.

Dafür, dass Fiel meines Erachtens mit dem Rücken zur Wand stand, war das immer noch unfassbar wenig. Die Mannschaft kämpfte, aber von der ursprünglichen Handschrift des Trainers ist einfach gar nichts zu erkennen. Auch die Überzahl ab der 55. Minute konnte nicht zu einem Treffer genutzt werden. Man hatte gute 15 Minuten, in denen sich Kurve und Mannschaft gegenseitig nach vorne peitschten, aber die Angriffswelle verpuffte spätestens mit der Einwechslung von Ngankam bei Hannover sehr schnell wieder. Die Pfiffe bei der Einwechslung fand ich noch übertrieben, aber nach seinen Provokationen unmittelbar danach, dann doch irgendwie gerechtfertigt. 0:0 blieb es am Ende und während Hannover sich entschied den Trainer zu entlassen, darf unser Pfuscher anscheinend immer weitermachen. Ich bin überhaupt kein Fan.

Nach dem Spiel traf ich dann den lieben Na., mit dem ich einen Partner für den Gang zum Hauptbahnhof gefunden hatte. Da wir noch zu den Bussen gingen, war der Stadionumlauf schon ziemlich leer, als wir losliefen. Da ich auch die Routenführung an mich riss, raste bei Na. Auf den ersten Metern doch ganz schön das Herz. Wir wurden dann aber schnell ruhiger und kamen problemlos am Hauptbahnhof an. Dort kauften wir noch etwas Proviant und dann ging es mit unseren Asi-Tickets mit Regionalzügen in die jeweiligen Wohnorte. Die Züge waren nicht so überfüllt wie erwartet, was mich extrem verwunderte. Dieses Ticket ist wie gemacht für Fußballfans! Mit Stopps in Braunschweig und Magdeburg erreichte ich dann mein Ziel. Schön wieder da zu sein.

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