25.01.2025 Hertha BSC- Hamburger SV 2:3

2. Bundesliga

Zuschauer: 71.500

Olympiastadion: Berlin

Ein absolutes Highlightspiel wurde an diesem Samstagabend im Berliner Olympiastadion ausgetragen. Man muss der zweiten Liga nur gratulieren und die Anstoßzeit am Samstagabend ist auch objektiv einfach großartig. Die Tatsache, dass das Spiel auch noch im Free TV gezeigt wird, ist wirklich die krönende Abrundung. Der Name Hertha BSC zieht und so haben wir auch in der Rückrunde noch das eine oder andere Spiel zu dieser Anstoßzeit.

Der Spieltag startete mit einem netten Besuch von Na. zu einem frühen Mittagessen. Dann machten wir uns auf dem Weg und verbrachten ein paar schöne Stunden mit einigen Herthanern. Hamburg tauchte nicht frühzeitig in der Stadt auf, sodass wir ganz entspannt die Zeit verwarten konnten. Mit einer kleinen Autobesatzung ging es dann zum Olympiastadion und dort verbrachten wir mehr goldene Wartezeit. Fußballfan sein heißt Warten.

Wir stärkten uns noch mit einer kleinen Portion Pommes. Es war bestimmt 10 Jahre her, dass ich mir an einer der Buden am Parkplatz etwas geholt habe. Geschmacklich und preislich aber sogar sehr in Ordnung. Das Stadion wurde bereits um 18:00 geöffnet und auch heute schob mal wieder eine sehr unerfahrene Polizeieinheit ihren Dienst. Völlig unnötig stellte sich die auf Testosteron befindliche Truppe direkt neben uns. Als nach einigen Wortgefechten das Kommando zum Abzug kam, hatten einige Polizisten die glorreiche Idee direkt durch unseren Mob zu laufen. Spitze! Ich muss zugeben, dass ich in den letzten Monaten fast ein bisschen Mitleid mit der Polizei entwickelt haben. Palästinademos, Nazidemos, linken Demos. So richtig Spaß kann das alles nicht machen. Klar- einfaches Klientel sind wir auch nicht, aber im Vergleich mit den anderen Einsätzen ist es beim Fußball bei der Beachtung einiger einfacher Grundregeln doch wirklich fast angenehm. Nunja!

Ich drehte eine kleine Stadionrunde bis zum Trennzaun und beobachtete den Einlass der Gäste. Schon interessant wie die Erfahrung für Gästefans am Olympiastadion eine ganz Andere ist. Die Polizisten sperrten den Bereich weitläufig ab und ließen immer nur einige Hundert Fans gleichzeitig an den Einlass. Das sah alles andere als entspannt aus. Dann schlug ich aus einer Laune heraus noch bei der Happy Hour zu und verkrümelte mich in eine hintere Ecke des Stadionumlaufs, um einfach mal ein bisschen runterzukommen. Ich liebe das Olympiastadion.

Dann half ich noch ein bisschen beim Aufkleberverkauf. Die Müdigkeit der letzten Tage knallte da ganz schön rein und ganz so begeistert bei der Sache wie sonst war ich nicht. Durch den frühen Einlass gestaltete sich der Verkauf aber relativ entspannt. Dann ging es direkt in den Oberring, um dort beim Herunterlassen der Blockfahne zu helfen. Viel zu früh befanden wir uns auf unseren Positionen und ich war unfassbar aufgeregt. Egal wie klein der eigene Beitrag auch gewesen sein mag- wenn man an der Erstellung der Choreo beteiligt war, ist die Aufregung, ob alles glatt geht auf einem ganz anderen Level. Die Herthafans um mich herum waren teilweise auch ziemlich nervig. Grundsätzlich verstehe ich, dass es auch im Oberring Stammplätze gibt- aber wenn man klar kommuniziert, dass man nur für die Choreo gekommen ist und direkt danach wieder geht, kann man ruhig ein bisschen entspannt und freundlich bleiben. Unnötig, dass man solche Diskussionen dann noch führen muss. Wir sind alle Hertha BSC und diesen kleinen Beitrag zum Gelingen der Choreo sollte man dann doch noch erwarten dürfen.

Mit etwas Hektik, gelang die zweiteilige Choreo glücklicherweise sehr gut. Im ersten Teil wurde mit blauen und weißen Pappen der von Kai gepflanzte Apfelbaum in den Unter- und Oberring der Ostkurve gezaubert. Das schlichte Bild sah wirklich großartig aus. Dazu gab es an der Balustrade das große Choreospruchband: „Wir haben deinen Baum mit unseren Tränen gegossen“. Auch eine Bezugnahme auf das Spruchband gegen Düsseldorf nach dem Tod von Kay: „Wir gießen deinen Baum mit unseren Tränen, in unseren Herzen wirst du ewig leben!“.

Im zweiten Teil der Choreo wurde aus dem Oberring eine große Blockfahne in den Unterring gelassen, die in der Folge in beiden Rängen zu sehen war. Unter dem Motto „Doch wir bleiben auf Deinem Weg und ernten die Früchte unserer Überzeugungen“ wurde eine komplett gesprühte riesige Blockfahne gezeigt. Diese zeigte extrem detailreich ein kleines Mädchen, das vor Kays‘ Apfelbaum sitzt, der bereits erste Früchte trägt. Dazu ist die Präsidentenjacke und im Hintergrund das Olympiastadion zu sehen. Zum Schluss wurde noch die große „In Gedenken an Kay Bernstein“ Fahne gezeigt, die im Anschluss auf der Gegengerade aufgehangen wurde. Es war wirklich eine Wucht und vielen Dank an alle Beteiligten und Ideengeber für diese tolle Aktion.

Die Ostkurve platzte heute zu diesem Spiel aus allen Nähten. Nach der Choreo war es fast unmöglich den unteren Bereich der Ostkurve zu erreichen und mit Mühe und Not fand ich mich schließlich auf der Treppe ein. Es war ein solider Auftritt der Kurve heute. Mit der Einwechslung von Fabi Reese und der Aufholjagd, wurden auch die Kurve und das Stadion angezündet. Hier lag etwas in der Luft und weite Teile des Stadions stiegen mit in die Gesänge ein. Da waren heute definitiv 1-2 Momente dabei, wegen derer man zum Fußball geht. Am Gästeeingang hatten die Harlekins ein Gedenkspruchband für einen verstorbenen HSV Fan aufgehangen. 1892 zeigte noch ein sehr passendes Spruchband zum Urteil des Bundesverfassungsgerichts bezüglich der Kosten für Polizeieinsätze: „Bundesverfassungsgericht: Hüter der Verfassung oder nur der Staatskasse?“. Dazu gab es von der Gruppa Süd ein Spruchband für einen SVler und im Oberring ein Gedenkspruchband.

Im Vorfeld wurde mit circa 20.000 Hamburgern im Olympiastadion gerechnet. Es könnten am Ende sogar ein paar Mehr gewesen sein. Hamburg gegen Hertha entwickelt sich immer mehr zu einem echten Highlightspiel für beide Seiten. Der Gästeanhang zeigte einen wirklich guten Auftritt. Immer mal wieder verschaffte man sich in der Ostkurve Gehör. Dazu zündete man spielbezogen Fackeln, was mir immer sehr gut gefällt. Danke auch für die Untermalung zu unserem Tor. Nach dem Siegtreffer gelang es dann auch die HSV-Fans in den angrenzenden Blöcken einzubinden und so wurde es richtig laut. Zweifelsfrei ein guter Auftritt der HSV-Fans- wirklich respektabel wie sich die Szene in den letzten Jahren entwickelt hat.

Auf dem Spielfeld war verkehrte Welt. Hertha machte eines seiner besseren Spiele in der Saison. Es schien endlich mal wieder so etwas wie eine Handschrift zu erkennen zu sein. Immer wieder kam man zu gefährlichen Abschlüssen und insbesondere Palko Dardai vergab zwei Hochkaräter. Ausgerechnet Davie Selke köpfte dann aber zum 0:1. Eingeteilt gegen ihn war der Zwerg Karbownik. Ha Ho He. Auch in der Folge verlor Hertha nicht die Fassung und spielte solide weiter. Abermals gab es jedoch die kalte Dusche durch den Ex Herthaner Königsdörffer. Auch hier war die Verteidigung viel zu passiv. Fiel wechselte drei Mal und mit der Einwechslung von Reese ging ein Ruck durch die Mannschaft. Erst traf Cuissance und im Anschluss erzielte Winkler den Ausgleich. Das Stadion kochte und Hertha ging auf den Siegtreffer. Da man aber dumm ist, wurde man nach einer eigenen Ecke knallhart ausgekontert. 2:3 und dabei blieb es.

Alle waren einfach nur leer. Wie viel kann man als Fans dieses Vereins aushalten? Reese ist ein Unterschiedsspieler keine Frage- aber sein Hang zur Divenhaftigkeit nervt mich langsam. Besonders ins Auge stach eine kurz ausgeführte Ecke, die er unbedingt haben wollte- nur um den Ball direkt auf den Torwart zu flanken. Teile der Kurve waren richtig sauer- was ich heute nach dem Spiel nur bedingt nachvollziehen konnte. Der Aufstieg rückt damit trotzdem in weite Ferne. Jetzt muss man gegen Regensburg auf jeden Fall siegen.

Ich verblieb noch ein bisschen in der Kurve und machte mich dann zu Fuß auf den Weg nach Charlottenburg, um dem Abreisestress zu entgehen. Von dort ging es dann mit dem Regio nach Hause. Und trotzdem lieb ick meene Hertha.

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