2. Bundesliga
Zuschauer: 12.025
Stadion Regensburg
Selten habe ich einen Beitrag so schnell nach einem Spiel geschrieben. Der Hinweis in den Auswärtsfahrerhinweisen von Hertha, dass Rucksäcke am Gästeeingang abgegeben werden können, motivierte mich dazu etwas großzügiger Beschäftigungsmöglichkeiten und somit auch meinen Laptop mitzunehmen, sodass bereits auf der Rückfahrt die Pflicht erledigt werden kann.
Eigentlich war ich dieses Mal fest entschlossen mit dem Sonderzug zu fahren und hatte bereits erste Schritte unternommen, um ein Ticket zu reservieren. Da der Beschaffungsweg der Wahl aber platzte, hatte ich noch einmal eine zweite Chance, um gründlich in mich zu gehen. Plötzlich war in meinem Kopf eine erstaunliche Klarheit. Für eine ausufernde Sonderzufahrt ohne richtigen Rückzugsort fehlt mir wohl einfach die Maskulinität. Also prüfte ich doch noch einmal alternative Anreisewege.
Das Problem: Ausnahmslos alle Zugfahrten für den Hinweg kosteten bereits zum Zeitpunkt der Terminierung über 100 Euro. Alle Bahnhasser mögen sich jetzt bestätigt fühlen, aber eine solche Preisgestaltung sieht man sonst nur in absoluten Ausnahmefällen. Ob es an der Spielzeugmesse in Nürnberg an diesem Wochenende lag, oder an einem anderen Event, das ich nicht auf dem Schirm hatte, vermag ich nicht zu sagen. Erst im wiederholten Anlauf gelang es mir dann doch noch eine Freifahrt einzulösen. Der Haken an der Sache war, dass ich eine kleine Ehrenrunde über Fulda drehen musste. Nur durch diesen Schlenker, konnte die Freifahrt eingelöst werden. Immerhin sollte ich mit dieser Verbindung pünktlich in Regensburg ankommen.
Um kurz nach 4 klingelte der Wecker und es verschaffte mir keine wirkliche Genugtuung, dass die Sonderzugfahrer noch viel früher aufstehen mussten. Mein Herzenswunsch einer aufgehobenen Zugbindung erfüllte sich nicht. Alle Züge waren bemerkenswert pünktlich. Kurz vor Erfurt kam ich noch einmal ins Grübeln. Ich hätte einfach aussteigen können, 1 Stunde 11 im Sprinter im besten Fall unkontrolliert überleben und würde 90 Minuten früher in Regensburg sein. Letztlich siegte die Sicherheit und ich blieb im Zug. Keine halbe Stunde später zeigte sich, dass der Zug von Nürnberg nach Regensburg eine saftige Verspätung haben würde und die Zugbindung damit aufgehoben war. Ha Ho He!
Problem Nummer 1: Mir musste meine Karte für das Spiel noch übergeben werden. Problem Nummer 2: Selbst der Puffer zum Anstoß schmolz langsam zusammen. Von einem Spaziergang durch Regensburg konnte ich nur noch träumen. Um kurz vor 12 war ich dann endlich am Hauptbahnhof, warf alle Werte über Bord und eilte zum Shuttlebus. Der Verkehr floss zäh und dann musste ich noch zahlreiche Schlaufen laufen, um zum Gästeeingang zu kommen. Wie in Paderborn, kommt man nur über den Gästeparkplatz in Richtung Eingang. Mega nervig und gerade für einen Neubau erschien mir die Logistik doch reichlich mangelhaft zu sein. Ich kann mich auch nicht erinnern, dass bei meinem Erstbesuch in Regensburg 2016 der Zugang ähnlich geregelt war.
Die Kontrolle war zumindest freundlich und entspannt und auch die Taschenabgabe und Ticketübergabe klappten reibungslos. Danke übrigens! Ich hatte den Ticketverkauf dieses Mal komplett verschlafen. Noch kurz hinter dem Block gequatscht und dann ging es in den Sitzplatzbereich des Gästeblocks. Nach einer kurzen symbolischen Aktion im Rahmen der „Nie-Wieder“ Aktion, starteten wir mit einem Intro in die Partie. Hinter dem Choreospruchband „Kämpfen ohne Gnade, Siegen für die Fahne“ in einer Oldschool Schriftart wurden passend zum Motto des Tages zahlreiche einheitliche Fahnen geschwenkt. Dazu gab es noch einige Fackeln, die meinem Gefühl nach, aber in den sehr hellen Lichtverhältnissen etwas unter gingen.
In der Folge stellte sich wieder der normale Trott ein. Ohne größere Ausreißer wurde routiniert das Liedgut heruntergesungen. Durch die wieder einmal große Anzahl an Auswärtsfahrern war das sicher in Ordnung. Meines Erachtens verschenken wir hier akustisch aber zu oft unser Potenzial und bleiben hinter unseren Möglichkeiten zurück. In der Halbzeit wurde der Support dann eingestellt. Spekulationen wird es hierzu sicher zuhauf geben- hier wird dazu nichts geschrieben werden. Fakt ist- ein maximal gebrauchter Tag.
Heute war das für mich wirklich ein Pflichtsieg. Regensburg ist Letzter, hatte bisher in 19 Spielen 10 Tore geschossen. Magere 11 Punkte standen auf dem Konto und in der Vorwoche bekam man beim direkten Konkurrenten, dem SSV Ulm eine bittere 1:5 Packung. Hertha hingegen wieder mit einer Mannschaft, die mit Blick auf die Namen einfach oben in dieser Liga stehen sollte. Von diesem vermeintlichen Kräfteverhältnis war nichts zu sehen. Regensburg machte das gut und durch eine absolut tölpelhafte Aktion von Klemens, bekam Regensburg einen Elfmeter zugesprochen und verwandelte eiskalt. Auch in der zweiten Halbzeit war kein Aufbäumen zu Erkennen, In der Nachspielzeit machte Regensburg dann sogar noch das 2:0. Eine absolute Schande!
Mir ist unbegreiflich wie Fiel immer noch weitermachen darf. Auch heute war seine Handschrift nicht zu erkennen und auch mit Blick auf die Aufstellung war ich einfach ratlos. Zefuik mag kämpferisch stark sein, aber er ist als Linksverteidiger spielerisch komplett überfordert. Warum sitzt Karbownik auf der Bank? Warum spielt Klemens immer wieder alleine auf der Sechs, wenn er doch offensichtlich als Innenverteidiger geeigneter ist. Warum spielt Prevljak, das erste Mal in dieser Saison von Beginn an, wenn er angeblich am Montag wechselt. Warum darf Kenny nach dieser Posse spielen? Fiel muss raus! Alle Trainerentlassungen der letzten Jahre gingen mir zu schnell. Dardai, Covic, Schwarz- hätten für mich alle weitermachen können. Die Verpflichtung von Fiel habe ich nie verstanden und werde es auch nicht mehr tun.
So durfte sich die Mannschaft nach dem Spiel auch mal etwas anhören, auch wenn es mit Blick auf die sportliche Situation immer noch recht zahm war. Nach dem Spiel hatte die Polizei den Plan Shuttlebusse zu organisieren. Diese waren aber beim Verlassen des Blocks noch nicht auf dem Parkplatz. So gab es ein bisschen Hin- und Her und die Tore wurden geschlossen. Die Sonderzugbesatzung hatte den Hinweg zu Fuß bestritten. Ich hatte noch etwas gut zu machen und so nutzte ich die Einfahrt eines Busses, um mich ohne Gegenwehr der Polizei aus dem Gästekäfig zu verabschieden. Zu Fuß war ich dann zunächst schneller als der Verkehr. Wenig später, stieg ich dann in einen normalen Linienbus. Shuttlebus haram, Linienbus halal.
Der Bus brachte mir einen kleinen Zeitgewinn und so konnte ich noch eine Kleinigkeit in der Regensburger Innenstadt essen. Es war sowieso schon viel zu wenig Zeit- da wollte ich wenigstens in einem Wirtshaus etwas Deftiges vertilgen. Super zufrieden war ich mit meinem Lokal nicht- aber es war nah am Hauptbahnhof und auch mein Zeitbudget reichte so gerade. Zunächst mit dem Regio ging es nach Nürnberg und dann zurück in die Hauptstadt.