Berlinpokal
Zuschauer: 250
Sportplatz Niederheide: Hohen Neuendorf
Fußballtechnisch habe ich Hertha zurückgewonnen und habe im Gegenzug massive Hoppingqualität verloren. Mit Blick auf die blau-weißen Helden fühlt es sich gerade eher wie ein Kuhhandel an. Ich vermisse die Wochenenden im Großraum Porto, die kleinen Fanszenen, die schicken Stadien, den Alkoholschmuggel. Portugal, que saudades tuas!
Der Winter knallt in Deutschland auch noch einmal ein bisschen stärker rein und so sind Fußballmöglichkeiten jenseits der Profiligen noch ziemlich rar. Bisher war ich in der Saison 2024/2025 auf Rekordkurs- das Tempo ist aber mal dermaßen verloren gegangen. So war ich froh, dass an diesem kalten Dienstagabend zumindest mal wieder ein Pflichtspiel in akzeptabler Distanz aufploppte. Die Hertha Frauen wollte ich sowieso immer schon mal sehen und ein neuer Ground und ein Ausritt nach Brandenburg (I know…) reizten mich.
Die Hinfahrt gestaltete sich außerordentlich entspannt. Mit dem Regionalzug ging es nach Hohen-Neuendorf West. Von da waren es nur noch 15 Minuten zu Fuß und so betrat ich zwei Minuten vor dem Anpfiff das Gelände. Perfekt! Weniger perfekt war, dass ich nicht bedacht hatte, dass es in Hohen Neuendorf keinen Geldautomat in Bahnhofsnähe geben könnte. So war ich nach dem Ticketkauf ziemlich bargeldlos, was auf deutschen Amateurplätzen nicht optimal ist. Da meine mobilen Daten auch versurft waren, war der Supergau perfekt. Ohne Daten und Geld im ländlichen Brandenburg. Existenzieller wird es in der Wohlfühloase Deutschland im Jahr 2025 selten.
So war ich die erste Halbzeit damit beschäftigt mich aus dieser aussichtslosen Situation herauszumanövrieren. Daten aufgebucht- danke portugiesisches Mobilfunkunternehmen und mich dann sogar getraut jemanden anzusprechen, den ich dank Paypal als Geldautomatersatzperson nutzen konnte. Vielen Dank dafür! Jetzt war die Aussicht auf die Halbzeit deutlich rosiger und mit Glühwein, Pommes und Bratwurst konnte ich auch der Kälte in der zweiten Halbzeit besser trotzen.
Die Anlage war unspektakulär, aber es gab zumindest eine Stufe. Einige Herthaner unterstützten das Team. Zur Unterstützung nutzten sie ein Megaphon und eine Trommel. Zurückhaltend formuliert: Wenn man als Fanszene entscheidet, dass man die Spiele nicht besucht, kann man im Nachgang nicht meckern, dass das entstehende Vakuum gefüllt wird. Bauchschmerzen hatte ich mit dem Auftreten an 2-3 Stellen aber dennoch.
Positiver waren die Spielerinnen auf dem Rasen. Ich freue mich wirklich, dass es endlich eine Frauenabteilung bei Hertha BSC gibt und eine weitere Entwicklung in Richtung zu einem echten Breitensportverein wäre für mich sehr wünschenswert. Die Spielerinnen freuen sich sichtlich die Fahne tragen zu können und das ist schon deutlich mehr, als man von den hochbezahlten Profis behaupten kann. Heute tat man sich dennoch ziemlich schwer und konnte nur mit viel Mühe mit einem 0:1 das Weiterkommen sichern. Puh- eine Verlängerung hätte den fast sicheren Kältetod bedeutet.
Die Abreise war dann ein echter Horror. Ich hatte im Vorfeld nichts unversucht gelassen, um eine Mitfahrgelegenheit zu bekommen. Ohne Erfolg und so hatte ich einige Minuten herauszulaufen, um zur S-Bahn zu gelangen. 3 Minuten vor Abfahrt der S-Bahn wurde ich skeptisch und es stellte sich dann auch heraus, dass ich die falsche Station ausgewählt hatte. Also ging es 750 Meter im Vollsprint und in einem wahnsinnigen Happy End, bekam ich sogar die S-Bahn. Pumpend, kam der Rückschlag aber sofort: Die Linie war gestört und fuhr nur bis Bornholmer Straße. Ha Ho He! Dort war dann Chaos und so entschied ich mich einen Kilometer zu laufen, um ein Nextbike zu bekommen. Das klappte erst im zweiten Anlauf und dann ging es 35 Minuten durch die kalte Berliner Nacht. Da die S-Bahn auch eingeschränkt war, fuhr ich bis zum Savignyplatz. Dort gab es dann aber zumindest ein Happy-Ende und ich bekam die verspätete Bahn. Puh! 3 Stunden für 40 Kilometer… Danke Deutschland.
