2. Liga
Zuschauer: 32.190
Wildparkstadion: Karlsruhe
Meine Blitzrecherche nach der Terminierung ergab, dass eine Anreise nach Elversberg am Spieltag nur mit großen Problemen machbar sein würde. Der Schwenk über Karlsruhe bereits am Samstag war naheliegend. Die tatsächliche Umsetzung an dem Wochenende war dann alles andere als einfach, aber dank einem hilfsbereiten Umfeld konnte alles gemanagt werden und so machte ich mich am Nachmittag aus Niedersachsen auf den Weg nach Karlsruhe. An dieser Stelle: Vielen Dank! Auf der Zugfahrt stellte sich dann erst einmal der Ruhepuls wieder ein und ich nutzte die entspannte Fahrt, um etwas durchzuatmen.
In Karlsruhe angekommen, checkte ich in mein gut gelegenes Hotel ein und machte mich dann auf den Weg zum Abendessen. Auserkoren hatte ich ein gutbürgerliches Wirtshaus, aber aus der Straßenbahn las ich das Schild „La Strada“. Diese romanische Verbindung reichte meinem Gehirn aus, um dermaßen in Saudade auszubrechen, dass ich doch noch einmal nach einem portugiesischen Restaurant recherchierte. Vier Minuten Fußweg, Jackpot! Als ich dann auch noch den einzigen freien Tisch bekam, war die glückliche Fügung perfekt. Francesinha und Weißwein, vamos caralho!
Dann ging es zu Fuß durch den Schlossgarten in Richtung Wildpark. Beleuchtung yok- aber die Menschenmassen strömten trotzdem entlang der Pfade! Das hatte schon etwas von Verschwörertum wie man im Pulk im Dunkeln zum Stadion lief. Mein letzter Besuch in Karlsruhe war während des Umbaus und sowohl äußerlich als auch innerlich hat sich das Stadion sehr verändert. Eigentlich sollte man sich für so etwas einen neuen Ground aufschreiben dürfen.
Durch unglückliche Fügungen und teilweises Versagen, war ich bei der Kartenbestellung vergessen worden und konnte mir dadurch nur noch ein Ticket auf der Nordtribüne kaufen. Am Stadion stellte ich dann fest, dass ein Durchlauf nicht möglich war. Das war schon ziemlich bitter, denn ich hätte das Spiel gerne in der Kurve verbracht. Ich versuchte noch 1-2 Dinge, aber recht schnell setzte die Erkenntnis ein, dass hier nichts zu machen sein wird. Also quetschte ich mich in die erste Reihe zwischen die Plakatkinder, die um Trikots bettelten und war froh, als meine Nachbarn zumindest auch KSC-Fans waren.
Die Gegengerade startete früh mit einer genialen Choreo in die Partie. Unter dem Motto „Die Kurve bestimmt den Takt im lautesten Club der Stadt“ wurde eine geniale Blockfahne gezeigt. Als kleines Schmankerl wurden zwei Platten mit Gegengerade und KSC-Logo in die Blockfahne eingearbeitet gedreht. Dazu gab es eine Fackel und dann im oberen Bereich zahlreiche Blinker als „Discokugel“. Mir gefiel die Choero und dieser anlassbezogene Einsatz der Pyro extrem gut. 10/10! Auch in der Folge zeigte die Gegengerade einen richtig guten Auftritt. Man startete mit einer massiven Pyroshow. Auch in der Folge wurden immer mal wieder Fackeln angerissen und akustisch ging der Sieg klar nach Karlsruhe. Ein winziger Schönheitsfehler ist die Mitmachquote in den oberen Bereichen der Kurve- aber in welcher Heimkurve ist das anders?
Köln war im Karnevalsmodus und so betrug die Verkleidungsquote im Gästeblock vermutlich 100%. Schon irgendwie abstrus, wenn ein Mönch als Vorsänger fungiert. Aufgrund meines zugezogenen Karnevalstraumas unter der Woche, war ich vermutlich negativ eingestellt- aber mir gefiel Köln heute nicht. Relativ viele Pausen, viele leisere Phasen und diese unsäglichen Karnevalslieder. Sorry- es war heute nicht mein Fall.
Sportlich war es ein kurioses Spiel. Karlsruhe stand hinten extrem gut, aber so richtig einfallsreich war das in der Vorwärtsbewegung nicht. Eine scharfe Hereingabe reichte aber aus, dass Köln sich den Ball selbst ins Tor schoss. Der nicht unverdiente 1:0 Sieg wurde in der Folge über die Zeit gebracht. Sehr cool- zumal Köln mit Hübers den Spieler in seinen Reihen hat, den ich vermutlich in der zweiten Liga am wenigsten leiden kann.
Nach dem Spiel ging es dann für mich in meine Unterkunft und ich verabschiedete mich fast sofort ins Land der Träume.









