Stadion an der Kaiserlinde: Elversberg
Zuschauer: 10.607
2. Bundesliga
Körper sind schon faszinierende Gebilde. Ich hatte die beste Nacht seit Wochen und schlief tief und fest. Als ich das erste Mal aufwachte, schien schon die Sonne, aber ich drehte mich einfach noch einmal um und schlief weiter. Durch die Bahnhofsnähe meines Hotels, klingelte der Wecker erst um 09:30. Zufrieden, stieg ich aus dem Bett und merkte schnell: Irgendwas stimmte hier nicht. Stechender Kopfschmerz und Magenschmerzen waren mit einem Schlag da. Da signalisiert man dem Körper einmal, dass er sich entspannen darf und schon will der Teufelskerl den kompletten Shutdown. Die Fahrt mit dem Regionalverkehr war dann durch diese gesundheitlichen Rahmenbedingungen alles andere als erbaulich.
Am Morgen hatte ich noch Witze darüber gemacht warum die meisten Herthaner eine frühere Verbindung genommen hatten. Beim Umstieg in Neustadt an der Weinstraße blieben mir diese im Halse stecken, denn der Zug fuhr vor meiner Nase davon. Ohne groß zu überlegen stieg ich in eine S-Bahn Richtung Kaiserslautern. Nach einer kurzen Recherche stellte ich fest, dass ich auf diese Weise den anderen Shuttlebahnhof würde erreichen können. Nach einem weiteren Umstieg war es dann soweit und der bereitstehende Bus fuhr mich zum Stadion.
Am Eingang traf ich dann auf die anderen Herthaner, sodass der Zeitverzug durch meinen Lapsus nur minimal war. Meine Hoffnung auf eine Abgabemöglichkeit des Rucksacks am Block erfüllte sich, auch wenn ich dafür noch einmal an das Ende der Schlange musste. Mit einem netten Gesprächspartner ging es dann zur Kontrolle und diese war langwierig und unfreundlich. Das ist immer sehr unangenehm, wenn diese Dorfvereine da so negativ auffallen.
Die baulichen Begebenheiten in Elversberg sind zumindest eine nette kleine Abwechslung. Der Gästeblock befindet sich auf der Geraden, direkt hinter den Trainerbänken. Der Zugang erfolgt aber nur von einer Seite und erschweren ein Durchlaufen ziemlich. Zudem sind die Zäune einen Tick zu hoch. Dennoch in Ordnung. Mehr als 1.600 Herthaner hatten die mehr als 700 Kilometer lange Anreise in Kauf genommen. Es ist wirklich unglaublich auf welchem Niveau die Auswärtsfahrerzahlen trotz der sportlichen Situation liegen.
Mit Blick auf meine körperliche Verfassung war ich heute keine Stütze des Supports, aber ich versuchte zumindest nicht negativ aufzufallen. Viel zu sagen gibt es zu unserem Support nicht. Recht schnell setzte die Negativität aufgrund des Geschehens auf dem Platz ein. An uns lag es aber definitiv nicht. Sehr ins Auge sprang wieder einmal das gut choreographierte Zaunfahnenbild. Nach dem 3:0 stellte man den Support ein.
Die führende Gruppe in Elversberg „Horda Fanatica“ befand sich im Zentrum der Kurve. Das Zaunfahnenbild war ich auch da solide, wobei schwarz-weiß auch einfach dankbare Farben sind. Nach der Einstellung unseres Supports, hörte man dann auch mehr die Lieder. Dabei gab es auch zahlreiche Eigenkreationen unter anderem den aktuellen Gassenhauser „Die Lampe aus den 70ern“, den ich zugegebenermaßen natürlich nicht kannte. Per Spruchband („Niemals aufgeben Fanatics- gegen willkürliche Stadionverbote“) solidarisierte man sich mit den befreundeten Eishockeyfans aus Nauheim. Ebenfalls positiv zu erwähnen war, dass man trotz des krassen Spielverlaufs komplett auf Pöbeleien verzichtete. Karneval wurde im Saarland allerdings auch sichtbar gefeiert, was das eher positive Fazit dann doch sehr schnell schmälert… Einen sehr guten Bericht aus Elversberger Feder findet Ihr auch hier.
Wie bereits angedeutet schaffte es Hertha in diesem Spiel einen neuen Tiefstpunkt zu setzen. Münster, Regensburg und nun auswärts in Elversberg. Wir können immer noch schlechter. 4:0 zur Pause und in der zweiten Halbzeit schaffte man es dann dieses Ergebnis zu halten. Die Bild Zeitung leakte minütlich aus der Kabine und berichtete, dass es einen Konflikt zwischen jungen und alten Spielern gegeben hätte und sich die älteren Spieler mit dem Verwalten des 4:0 durchgesetzt hätten. Wir sind zurück in längst überwunden geglaubten Zeiten. 4 Punkte sind es jetzt noch bis zum Relegationsrang und mir wird flau im Magen. Diese Truppe ist nicht für den Abstiegskampf gemacht und die nächsten beiden Spiele sind gegen Schalke und Braunschweig. Ob es für die dritte Liga eine Lizenz geben wird? Das kann echt alles ganz schnell existenzbedrohend werden.
Nach dem Spiel verließen wir dann kommentarlos ohne Interaktion mit der Mannschaft den Block. Es ist so bitter. Mir ermöglichte das zumindest eine schnelle Abreise und ich profitierte von einer aufgehobenen Zugbindung. Der Shuttlebus nach St. Ingbert fuhr dann aber Schlaufe um Schlaufe und für die veranschlagten 12 Minuten brauchte der Typ 30. Man, war ich sauer. Im Laufschritt rannte die gesamte Besatzung zum Regio und zum Glück bekamen wir den noch gerade so. Dadurch war ich dann kurz vor Mitternacht zu Hause, während viele der Berliner erst 2-3 Stunden später daheim waren. Man, Hertha! Wo führt das alles noch hin?