Regionalliga Nordost
Zuschauer: 744
Illburgstadion: Eilenburg
Im Vorfeld fragte ich ein bisschen herum, ob sich jemand diesen Klassiker in der Regionalliga Nordost reinziehen wollen würde. Ablehnung und Schweigen schlugen mir entgegen. Natürlich motiviert mich so eine Reaktion eher, als dass sie mich abschrecken würde. In einem Anflug von Sentimentalität entschied ich mich außerdem dafür den Hinweg mit dem legendären Deutschlandticket zurückzulegen. Mit dem Bus ging es nach Michendorf (so schnell ist man dann im „echten“ Brandenburg“), dann mit dem Zug nach Dessau, nach Leipzig und von dort nach Eilenburg. Dann brachte mich ein letzter Bus von dem ausgestorbenen Bahnhof in Eilenburg direkt bis vor das Stadion. Von Tür zu Tür in 3,5 Stunden und das, ohne einen zusätzlichen Cent zu zahlen. Wehe, ihr schafft irgendwann dieses Ticket ab.
Am Einlass war recht viel Bewegung, aber schlussendlich kam ich doch noch in den Genuss 15 Euro für meine Karte bezahlen zu dürfen. Aua! Weniger schmerzhaft waren die Preise an den Verpflegungsständen. Eine diebische Freude empfand ich, als ich umringt von harten Männern ein Sektchen bestellte. Rotkäppchen Sekt im Stadion bekommt man ja auch nicht alle Tage und so war in der Folge mein Abendprogramm gesichert.
Die Tribüne war voller Hopper aus Ost- und Mitteldeutschland. Wenn Zwickau ruft, dann wird auch fleißig angetischt. Am Ende waren 129 Leute in der App eingecheckt. Was für ein Fiebertraum. Gefühlt konnte man auch alle 129 Leute klar als Hopper erkennen. Gut, dass Zwickau anscheinend in Eilenburg keine Hopperkasse durchsetzen konnte. Ich setzte mich dann hin und erschrak ziemlich, als auf meinem Handy eine Nachricht eintraf, dass ich enttarnt wurde. Verrückterweise hatte noch eine kleine Hertha-Fraktion den Weg nach Eilenburg auf sich genommen und so konnte ich fortan in guter Gesellschaft die Partie verquatschen.
Der Gästeblock aus Zwickau war gut gefüllt und einige Dresdner waren zur Unterstützung angereist und durch eine Zaunfahne präsent. Zudem hing im oberen Bereich eine Fahne mit der Kampagnenforderung „Verbandsstrafen abschaffen“. Trotz der schwierigen Begebenheiten des Blocks, zeigte man einen richtig guten Auftritt. Das tolle Liedgut wurde zelebriert und die Bewegung, insbesondere im Mittelbereich des Blocks setzte Maßstäbe. Es wirkte so, als ob der Großteil der Leute auch Lust hat im Block zu stehen. Ein angenehmer Gegenentwurf zu den Spielen, in denen man bei einem Großteil der Kurve eher das Gefühl hat, gerade eine lästige Pflichtaufgabe erfüllen zu müssen.
Eilenburg hatte auch einige Leute, die ab und zu mal ein Lied sangen. Clever platziert vor den Verpflegungsständen, hatte ich bei meinen Sektpausen etwas musikalische Untermalung.
Das Spiel war zäh und bereits nach kurzer Zeit, hatte ich das Gefühl, dass es auf ein 0:0 hinauslaufen würde. So war es auch. Den Schlusspfiff erlebte ein gewisses Klientel aber nicht. Wo ist die Groundhoppingpolizei, wenn man sie mal braucht? Ich lief dann zu Fuß zurück zum Bahnhof, überholte einen Nazi mit Thor Steinar Outfit, nutzte noch begeistert den Snackautomaten und fuhr dann mit einem kleinen Zugfahrerhaufen aus Dresden zurück nach Leipzig. Interessante Leute. Der ICE brachte mich dann zum Südkreuz und nach einigen Umstiegen erreichte ich dann auch nach Mitternacht wieder mein Bett.



