2. Bundesliga
Zuschauer: 70.159
Olympiastadion: Berlin
Ein paar Stunden Schlaf, noch einige Verpflichtungen zu Hause und dann saß ich auch schon wieder auf dem Rad in Richtung S-Bahn. Den ganz frühen Einlass um 10:30 verpasste ich deutlich- aber mit 11:40 wählte ich ein Stück Weit die goldene Mitte. Erfreulicherweise konnte ich dann sogar noch 30 Minuten verschiedenste wunderschöne Aufklebermotive an den Mann und an die Frau bringen. Wenn einem dabei noch die Sonne in das Gesicht scheint, kann man sich wirklich nicht beklagen. Nur einen Café hätte mir gerne jemand vorbeibringen können. Vielleicht beim nächsten Mal.
Kurz vor Verkaufsschluss ging ich dann noch einmal zum Einlass, um den Klabauterkeaper seine Kurvenkarte zu übergeben. Danke an dieser Stelle auch noch einmal an den edlen Spender. Ich musste das Stadion gar nicht komplett verlassen, sondern konnte die Prozedur recht entspannt regeln. Danach ging es für mich runter in die Kurve und langsam galt es sich auf das Spiel einzustellen. Die Fanszene aus Gelsenkirchen hatte es erfreulicherweise bereits in den Gästeblock geschafft. Nachdem Kaiserslautern und Nürnberg daran gescheitert waren, war das schon einmal eine positive Nachricht.
Im Vorfeld war wieder das Wort Invasion im Umlauf. Bis zu 40.000 Schalker sollten in das Olympiastadion einziehen. Das war dann doch etwas zu hoch gegriffen. Knapp über 20.000 Schalker werden es am Ende aber sicher gewesen sein. Die aktive Fanszene positionierte sich im eigentlichen Gästeblock und hatte im oberen Bereich die „Nordkurve Gelsenkirchen“ Zaunfahne angebracht. Optisch sah das für mich sehr gut aus und durch Wechselgesänge schaffte man es immer mal wieder die umliegenden Blöcke mitzunehmen. Auch die Mitmachquote sah aus der Ferne sehr anständig aus. Merkwürdigerweise war die Lautstärke dennoch eher durchschnittlich. Ich teilte trotzdem nicht das negative Urteil vieler Umstehenden.
Das Karma schlug heute zurück. Im letzten Jahr verspotteten wir noch die Schalker, was ich damals kritisierte. Heute war Schalke dran und verabschiedete uns mit „Absteiger“ Rufen und einem ironischen „Nur nach Hause“. Verständlich nach der Vorgeschichte- aber auch hier war es für mich zu viel des Guten. Weder Schalke noch Hertha gehören in die dritte Liga.
Mit unserem Auftritt war ich heute nicht zufrieden. Mitmachquote und Liedauswahl schmeckten mir nicht. Sehr treffend war hingegen das an die Mannschaft gerichtete Spruchband: „Volle Verantwortung für die Fahne auf der Brust! Abstiegskampf annehmen“. Dieses wurde sowohl zum Einlaufen als auch nach dem Spiel gezeigt. Bemerkenswert war noch, dass die Ostkurve komplett auf Pöbeleien verzichtete.
Ich war heute sehr skeptisch eingestellt. Mir fehlt bei dieser Mannschaft mittlerweile wirklich die Fantasie, wie man unter Druck Siege einfahren kann. Keine guten Vorzeichen für den Abstiegskampf. Durch einen krassen Torwartfehler konnte Schalke nach einer Ecke das 0:1 erzielen. Hertha wirkte geschockt und lethargisch. Die zweite Halbzeit war dann besser und so konnte Reese das 1:1 machen. Die Schalker Hintermannschaft sah da auch nicht gut aus. Unmittelbar nach dem Ausgleich, entschied man sich aus unerfindlichen Gründen für ein Kurzpassspiel im eigenen Strafraum und Maza grätschte zum Ball und traf danach auch noch den Gegenspieler. Ein strittiger Elfer, aber trotzdem das 1:2. In der Folge wurden die riesigsten Chancen ausgelassen. So steigt man ab.
Nach dem Spiel wurde die Mannschaft einfach weitergewunken. Niemand hatte Lust auf eine Interaktion mit diesen Menschen. Ich weiß wirklich nicht, wo das alles enden soll und wie viele Tiefpunkte man noch setzen kann. Vermutlich in der Regionalliga Nordost.
Wir verweilten noch etwas im Block und mit einem Duo Infernale fuhr ich dann nach Charlottenburg, wo endlich mal wieder portugiesisches Essen genossen wurde. Dann zurück nach Hause und vermutlich zu der einzigen Person dieser Welt für die Hertha noch positiv konnotiert ist. Liebe!