2. Bundesliga
Zuschauer: 17.600
Donaustadion: Ulm
An einem Ostersonntag in Ulm. Viel schlechter kann man die Terminierung kaum machen. Ich bin jetzt nicht der größte Osterfanatiker, aber ein bisschen bitter ist es schon den ganzen Tag zu verpassen. Ich buchte mir unmittelbar nach der Terminierung einen Zug. Dieser hätte bedeutet, dass ich um 03:30 hätte aufstehen müssen, um dann im besten Fall gerade zum Anpfiff im Stadion zu sein. Es fuhr kein Zug vom Berlin Hauptbahnhof nach Ulm und man hätte zum Ostbahnhof gondeln müssen. Der Sprinter nach München wurde das gesamte Wochenende nicht eingesetzt. Was für ein großer Mist! Auch die Rückfahrt war dürftig und ich wäre im besten Fall um 01:30 zu Hause gewesen. Als dann auch noch eine Fahrplanänderung kam und ich selbst im besten Fall nur noch 30 Minuten gehabt hätte, um von Ulm Hauptbahnhof zum Stadion zu kommen, zog ich die Reißleine. Danke an den Herthaner, der mich in sein Auto mit aufnahm.
Zu verhältnismäßig entspannter Uhrzeit wurde ich eingesammelt und ich legte die erste große Wegstrecke zurück. Die Autobahn war fast komplett leer und so kamen wir gut voran. Zeitgleich mit den Bussen kamen wir dann in Ulm an. Unsere Ankunftszeit war dann aber genau so, dass ein Abstecher in die Stadt oder zur Donau keinen Sinn mehr machen sollte. Auch schade, wenn man nur das Stadion sieht. Vor allem, wenn man in einer so sehenswerten Stadt wie Ulm zu Gast ist. Ich weiß schon, warum ich in der Regel individuell anreise. Der Einlass war ziemlich entspannt und wir holten uns noch kurz etwas zu Essen am Verpflegungsstand.
Dann ging es in den Block und die Nachmittagssonne knallte erbarmungslose auf uns nieder. Ich lachte erst ein bisschen gutmütig über die Leute, die sich versuchten vor der Sonne zu schützen und sogar aus einer Schwenkfahne ein Sonnensegel bastelten. Joa- das war ziemlich dämlich. Nach knapp 15 Minuten merkte ich wie mir langsam schwarz vor Augen wird, ein Pfeifen auf den Ohren einsetzt und der Kreislauf kippt. Fuck my life! Auch ein sehr schlechtes Stadion für so einen Stunt, da alle Gänge zugestellt waren. Mit letzter Kraft schleppte ich mich aus dem Block, kratzte die letzten Münzen zusammen und stürzte den Becher hinunter. Puh! Nach 5-6 Refills und einer Pause im Schatten, kam langsam die Lebensenergie zurück. Schon ein beängstigender Moment.
Ich guckte die letzte Viertelstunde dann noch von oben und ging in der zweiten Halbzeit wieder runter. Ehrlicherweise war es im unteren Bereich sogar etwas luftiger als oben. Es wirkte fast ein bisschen so, als ob manche Leute mit so einem Oldschool-Stadion noch keine richtige Erfahrung haben. Es war auf jeden Fall auffällig wie sehr es sich auf den Gängen und im oberen Bereich stapelte. Gefühlt waren auch noch einige Karten auf dem Zweitmarkt verfügbar- wo die Leute noch hingepasst hätten, ist mir schleierhaft.
Für mich ging es dann mit angezogener Handbremse in der zweiten Halbzeit weiter. Respekt an alle Herthaner, die aber der Sonne trotzten und einen guten Auftritt in den Gästeblock zauberten. Auf ein besonderes Intro wurde verzichtet- damit dürften wir in diesem Jahr fast die einzigen sein, die in Ulm nicht zündeten. Laustärketechnisch fand ich das gut und insbesondere in der zweiten Halbzeit konnte man dann noch einmal ordentlich etwas draufpacken.
Die Heimfanszene fand sich schräg gegenüber in dem Eckblock ein. Den Gedanken habe ich schon einmal geteilt, aber mit Schwarz-Weiß als Farben kann man wirklich wenig falsch machen bei der Tifogestaltung. Dementsprechend sah das optisch ordentlich aus. Zu hören bekamen wir die Spatzen aber nie.
Das Stadion ist schon noch ein herrliches Teil. In der zweiten Halbzeit zog es dann in Rekordzeit zu und wir bekamen sogar noch ein paar Tropfen ab. So lohnte sich das fehlende Dach wenigstens noch. Wann haben wir das letzte Mal im Stadion Regen abbekommen? Losgelöst vom üblichen Bundesligakomfort, freute mich der Gedanke sehr und ich bejubelte jeden Tropfen innerlich. Noch mehr jubelte ich natürlich über den Spielverlauf. Wir gerieten früh in Rückstand, konnten aber in der zweiten Halbzeit durch Reese die Partie drehen. Nach einem Sonntagsschuss stand es dann 2:2. Der eingewechselte Niederlechner beschenkte uns aber mit einem Kopfballtor und so konnten wir beseelt den Auswärtssieg feiern. Geil! Somit ist das Abstiegsgespenst nun defacto vertrieben.
Wir feierten noch mit der Mannschaft und Fabian Reese stimmte mit beeindruckend kräftiger Stimme noch „Die Berliner sind da“ an. Entspannt ging es dann hinaus und für uns zum Auto. Dank einer filmreifen Szene meines Begleiters, konnten wir den Parkplatzstau minimieren und fanden uns schnell auf der Bahn wieder. Die Fahrt verflog mit Podcast und Gesprächen ebenfalls schnell und so war ich bereits um kurz nach 21:00 zu Hause. Top und vielen Dank. Mit diesem Tag konnte ich dann auch die zweite Liga komplettieren. Die vierte komplette Liga nach den ersten drei portugiesischen. Ha Ho He und auf zu weiteren Herausforderungen.