25.04.2025 Hertha BSC- 1. FC Magdeburg 1:1

2. Bundesliga

Zuschauer: 62.057

Olympiastadion: Berlin

Ein dreckiges Geheimnis ist es, dass Freitagabendspiele insbesondere bei einem Heimspiel ziemlich attraktiv sind. Das schafft am Wochenende Möglichkeiten für Hopping, Freunde und Familie. Den Spieltag bereits am Freitagabend abgeschlossen zu haben, kann echte Vorteile haben. Auch für die Magdeburger war die Anreise an diesem Freitagabend verhältnismäßig kurz. Die Vorzeichen waren jedoch sehr gegensätzlich. Magdeburg mischte noch kräftig im Aufstiegsrennen mit und reiste auf dem Relegationsrang zu uns. Wir hingegen waren mehr oder weniger offiziell im Niemandsland der Tabelle angekommen.

Um die Entspannung zu unterstreichen, mit der wir in das Spiel gehen konnten, machte ich vor der Partie mal wieder einen Abstecher beim Portugiesen, was Spaß machte und mich in Spieltagsstimmung brachte. Dann ging es mit dem Fahrrad zum Olympiastadion. Alleine diese kleine Veränderung der Anreise, führe dazu, dass sich der Spieltag gleich aufgewertet anfühlte. Der Einlass war entspannt und nach einem kleinen Stopp am FKO-Wagen traf ich Tschernie im Umlauf und bei strahlender Abendsonne verquatschten wir ein bisschen die Zeit. Ich hatte heute versucht alle möglichen Fehlerquellen auszuschließen, um der Sonne besser gewappnet zu sein und der Plan ging auf. Recht zügig ging es dann herunter. Man, war das entspannt.

Magdeburg ist auf den Rängen ein wahnsinnig attraktiver Gegner. Ohne großen Hass, sehen sich beide Szenen sicher mindestens als eines der Highlights der Saison auf den Rängen. Ich habe den Eindruck, dass beide Szenen von außen häufig mit dem Adjektiv „brachial“ beschrieben werden. Heute wurde aber noch einmal deutlich wie unterschiedlich die Stile dann doch sind. Magdeburg nutzte während des gesamten Spiels keine einzige Fahne. Anstattdessen nutzte man lediglich Schals und Hände für optische Effekte. Auf beiden Seiten des Marathontors im Ober- und Unterrang befanden sich Magdeburger und die optische Mitmachquote lag nah an 100%. Es zeigt die baulichen Begebenheiten, dass dennoch nicht allzu viel bei uns ankam. Die Gäste ohrenbetäubend laut zu hören, kann ich mich nur beim Spiel gegen Dresden dran erinnern.

Magdeburg verzichtete auch ansonsten auf einen optischen Akzent und konnte dennoch durch die geschlossenen Hüpf-, Klatsch- und Schaleinlagen vollends überzeugen. Stilistisch holt es mich dennoch nur begrenzt ab- aber es ist trotzdem schön, dass es Unterschiede im Kurvenbild gibt.

Wir gedachten dem Holocaust Überlebenden Walter Frankenstein vor dem Spiel und auch die Gruppen zeigten dazu ein Spruchband. Ich hatte Tränchen in den Augen. Zu sehen wie ein Mensch, der so etwas erlebt hat, trotzdem der alten Dame treu bleibt, ist einfach inspirierend. Die Verbindung ist durch die gemeinsame Fahne sofort da. Die Spruchbandaktion zeigte auch einmal mehr, dass der Wertekompass dieser Kurve stimmt.

Ich liebe die Ostkurve einfach in solch großen Spielen. Beim „Nur nach Hause“ konnten wir die Gäste vernehmen- man merkte einfach, wie sich beim nächsten Takt die Lautstärke verdoppelte. So ein fettes „Nur nach Hause“ habe ich auch lange nicht mehr erlebt. In der Folge erwischten wir einen Sahnetag und ich hatte den Eindruck, dass heute viel passte. Ich bin stolz auf diese Kurve und wie man sich insbesondere gegen die echten Gegner auf den Rängen stets so gut präsentiert. Per Spruchband solidarisierte man sich noch mit den Ultras in der Niederlande, die sich gegen Kollektivstrafen einsetzen.

Auf dem Rasen nahm man einen Punkt mit nach Hause und bleibt damit auf dem letzten Platz der Heimtabelle. Das war ein disziplinierter Auftritt, aber wahnsinnig attraktiv ist der Fußball auch nicht. Das hat schon Dardai Vibes, die man langsam wieder zu spüren bekommt. Klassenerhalt!

Ich löste mich dann nach einiger Zeit aus dem Mob und war hellauf begeistert, als ich noch ein Nextbike ergatterte. An den Massen vorbei ging es dann zum Grunewald. Krasser hätte ein Kontrast nicht sein können. Vor 10 Minuten in einer Menschenmasse und dann kurze Zeit später alleine im stockdunklen Grunewald. Ich liebe solche Kontraste. Kurze Zeit später rief mich dann auch das Bett.

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