Regionalliga Nordost
Zuschauer: 8.758
Stadion an der Gellertstraße: Chemnitz
Am frühen Morgen ging es mit dem guten alten Regionalzug in Richtung Ostdeutschland. Von Berlin nach Elsterwerda durfte man sogar einen IC mit dem Deutschlandticket nutzen. Stark! So ging es zeiteffizient und kostenneutral in die europäische Kulturhauptstadt Karl-Marx-Stadt. Dass man diese Worte noch einmal im gleichen Satz würde verwenden können, hätten wohl auch die wenigsten Leute gedacht. Schnell war für mich klar, dass ich diese Gunst der Stunde auch nutzen wollte, um zumindest eine Veranstaltung zu besuchen. Das Programm erstreckt sich dabei über die gesamte Region und so finden auch viele Aktivitäten im Erzgebirge statt. Mit Blick auf mein Zeitbudget kristallisierte sich schnell die einzig sinnvolle Option heraus und so besuchte ich eine Ausstellung zur Geschichte des Bergbaus in der Region. Das war eine runde Sache- auch wenn der zweite Weltkrieg nur sehr am Rande touchiert wurde. In Chemnitz löst so etwas dann doch ein kleines Gedankenkarussel aus.
Dann aß ich noch in einem urigen Restaurant ein leckeres Würzfleisch und war dann zeitlich komplett in der Bredouille. Ich nahm einmal mehr die Beine in die Hand und lief routiniert 10 Minuten bei einem Gesamtweg von 45 Minuten heraus. Auch der strömende Regen konnte mich nicht stoppen. Kurz vor dem Anpfiff betrat ich das Stadion, holte mir noch schnell ein Radler und kam genau zum Intro beider Seiten auf der Tribüne an.
Chemnitz startete mit einem blauen Rauchintro in die Partie. Dabei wurden die Rauchtöpfe vorne in den Zaun eingehangen, sodass der Rauch gut nach oben stieg. Die Lokis zeigten ein rundes Logo mit der Aufschrift „Hasta la Vista- Allen Feinden entgegen“. Dazu gab es gelbe und blaue Glitzertafeln. Im Anschluss wurde das Bild noch durch Fackeln gerahmt. Das Motiv fand ich durchschnittlich, aber die Umsetzung klappte reibungslos. In der Folge zeigten beide Seiten einen guten Auftritt. Lok hatte ich tatsächlich noch nie gesehen und ich war erstaunt darüber, wie präsent die Ultras rund um die Blue Side Lok waren. Hier hätte ich eher so einen BFC Vibe erwartet. Natürlich kann man durch einen Auftritt nur begrenzt Rückschlüsse ziehen, aber das sah heute schon so aus, als würde die Ultraszene zumindest im Block die Richtung vorgeben. Immer mal wieder gab es dann auch einige Emotionsfackeln. Zudem wurde noch Chemnitzer Material verbrannt. Feier ich nicht so wirklich, aber der nervige Schiedsrichter drohte sogar mehrfach mit dem Spielabbruch.
Etwas skurril war noch die Tatsache, dass zahlreiche Hallenser im Gästeblock zu Gast waren, um die Lokis zu unterstützen. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass man dann doch mit einem Teil des Herzens auf eine Niederlage hofft, damit der eigene Verein aufsteigen kann.
Chemnitz hielt wirklich gut dagegen und ich war positiv von der Heimkurve überrascht. Das Liedgut gefiel mir einen Deut besser, als bei den Lokis und auch mit Blick auf die Lautstärke konnte man gut dagegen halten. Per Spruchband richtete man noch Grüße an einige Kämpfer „Mit Blut-Schweiß und Leidenschaft- Siegen für die Heimatstadt! Allen Chemnitzer Kämpfern viel Erfolg“. Chills!
Ansonsten wurde unfassbar viel gepöbelt. Ich saß direkt neben den Gästen und hatte besten Blick auf zahlreiche Unruhestifter. Das gesamte Repertoire an vulgären Gästen wurde routiniert genutzt. Generell hatte ich auf beiden Seiten das Gefühl, dass hier und da doch einige Sicherungsnetze zum bürgerlichen Leben abgeschnitten waren. Gesichtstattoos, wenige Zähne, krasse Klamotten- hier war alles dabei.
Das Spiel machte unfassbaren Spaß. Chemnitz konnte nach einem Freistoß per Kopf in Führung gehen. Kurz vor der Halbzeit bekam der Chemnitzer Kapitän zurecht die Ampelkarte und Chemnitz musste in Unterzahl bestehen. Wegen einer Notbremse war Chemnitz dann sogar nur noch zu neunt. Bitter! Chemnitz kämpfte aufopferungsvoll, aber nach einer Ecke konnte Lok dann ausgleichen. Auch in der Folge ging es nur noch auf ein Tor. Bittererweise wurde den Lokis ein Treffer nicht anerkannt, obwohl der Ball schon hinter der Linie war. So blieb es am Ende bei einem 1:1. Das war echt ein geiles Spiel!
Nach dem Spiel machte ich noch einen Abstecher zum Nischel und nahm dann entspannt den IC nach Berlin. Die Regionalliga Nordost ist schon ein Träumchen.









