Major League Soccer
Zuschauer: 16.000
Subaru Park: Philadelphia
Keine 18 Stunden nachdem meine Füße endlich mal wieder New Yorker Boden betreten hatten, machten sie sich auch schon wieder auf den Weg zur Penn Station, um die Stadt wieder zu verlassen. Die kommenden zwei Wochen drohten arbeitsreich zu werden und so galt es am ersten Wochenende die freie Zeit zu nutzen und nichts zu riskieren: Länderpunkt eintüten.
Ich hatte die Züge nach Philadelphia komplett stornierbar gebucht und hatte mir die Option offen gehalten auf die Reise zu verzichten. Das war auch mehr oder weniger der Plan. Als ich am Flughafen jedoch am Gepäckband stand, flatterte die Zusage für eine Akkreditierung herein. Damit war klar, dass eine erneute Planänderung anstand und mit Vorfreude entschied ich mich dafür doch nach Philadelphia zu fahren. Erholung ist kein Argument- am Ende des Tages sind wir Fußballasis.
In Richtung Osten kann man die Zeitverschiebung sowieso ganz gut verknuspern. Durch den Tagflug und eine gute Nachtruhe brach ich am Morgen relativ erholt auf. Am Vortag war ich bereits mit dem Zug vom Flughafen gefahren und dieser war ziemlich desolat. Das heutige Exemplar war so schick, dass ich erst einmal einen weiteren Fahrgast fragen musste, ob das hier wirklich die zweite Klasse sei. War es- und auch die Fahrt verlief entspannt. Bei knallender Hitze erreichte ich 90 Minuten später bereits Philadelphia.
Im Vorfeld hatte ich an der Idee Gefallen gefunden noch einmal eine neue Stadt an der Ostküste kennenzulernen. Um diese Aufgabe zu erfüllen, hieß es meine Füße in Gang zu bekommen und so folgte ich einfach meiner Nase. Die Stadt gefiel mir wirklich richtig gut. Es gibt zahlreiche Viertel, in denen zweistöckige Townhouses dominieren. Ruhige Straßen, kleine Cafés- das hatte einen richtig europäischen Vibe und so genoss ich die Zeit sehr. Ein kleiner Abstecher durch Chinatown und dann mussten natürlich auch die großen Sehenswürdigkeiten fallen. Erst besuchte ich die Liberty Bell und dann konnte ich mich spontan noch einer Führung anschließen und bekam den Raum zu sehen, in dem die amerikanische „Declaration of Independence“ erarbeitet wurde. Stark! Ich schloss den Stadtrundgang mit einem Abstecher zum Fluss und standesgemäß mit einem Philly Cheesesteak ab. Nach einer Hälfte resignierte ich.
Dann ging es zurück zum Bahnhof. Nur alle zwei Stunden fuhr der Vorstadtzug in die Nähe des Stadions. Zum Glück hatte ich mich im Vorfeld noch informiert und stieg an der richtigen Station aus. Dort warteten dann kleine Minivans auf uns, um die circa 15 Menschen zum Stadion zu fahren. Darunter dem Akzent zu urteilen natürlich noch ein weiterer deutscher Hopper.
Ich fand dann den Weg zum Akkreditierungseingang und bekam dort ohne Probleme mein Badge ausgehändigt. Vielen Dank an den Verein! Die Rahmenbedingungen waren mit einem kleinen Catering für die Presse und einer ansehnlichen Pressebox auch herausragend. Dank dem mörderischen Philly Cheesesteak war für mich nicht mehr an Essen zu denken- aber bei den Temperaturen halfen auch die Getränke sehr. Ich drehte noch einmal eine komplette Stadionrunde, ließ das Treiben auf mich wirken und nahm dann kurz vor dem Anpfiff meinen Platz ein.
Nach der Nationalhymne erfolgt dann um 19:40 der Anstoß. Die Heimseite startet mit einer kleinen Anti-RB Blockfahne in die Partie und griff dabei den Spruch „RB gives you wings“ auf. Optisch sah das ungefähr so aus, als wenn ich die Fahne malen würde- aber für die USA vermutlich beachtlich eine gemalte Blockfahne zu zeigen. Dazu gab es etwas blauen Rauch. Interessanterweise machte der Verein dafür sogar auf Toilette Werbung: „You bring the smoke- we the goals“. Auch in der Folge wurde nach den beiden Toren immer mal wieder komplett entspannt blauer Rauch gezündet. Das scheint für die Fans ohne Probleme möglich zu sein. Das hätte ich in den USA jetzt auch eher nicht erwartet.
Die Gäste wurden von circa 100 Fans begleitet, die sich kompakt im oberen Bereich des Gästeblocks positionierten. Der Block wurde mit den Fahnen der „Vikings“ und der „Torcida“ abgeflaggt. Optisch sprach das mein europäisches Auge zugegebenermaßen mehr an. Akustisch konnte ich aufgrund meines Standorts nicht viel wahrnehmen.
Die Heimseite hatte einen Vorsänger mit Trommlern zentral vor der Kurve. Im Laufe der Partie bildete sich am Rand jedoch ein alternativer Stimmungsblock heraus, der mehr Erfolg hatte die Leute mitzunehmen. So wurden jedoch häufiger unterschiedliche Lieder gesungen, was der Stimmung nicht unbedingt zuträglich war. Klarer Star des Abends war aber der Ausblick. Insbesondere die nach New Jersey führende Brücke, der Fluss und die sich ändernden Lichtverhältnisse hatten es mir angetan.
Auf dem Rasen waren zahlreiche Bekannte zu erspähen. Bei New York stand Sandro Schwarz an der Seitenlinie. Auf dem Rasen kickten unter anderem Forsberg und Chupo-Moting. Es half jedoch nichts, denn Philadelphia hatte das Spiel komplett im Griff ohne Wunderdinge zu vollbringen. Entspannt gewann man die Partie mit 2:0 und man hatte zu keinem Zeitpunkt den Eindruck, dass dieser Sieg in Gefahr geraten könnte.
Verrückterweise fand diese Partie am Mittwoch bereits im Pokal statt und wurde wegen eines Unwetters abgebrochen. So gratulierte ich mir zur Halbzeit zum 40. Länderpunkt und die Freude setzte mit dem Abpfiff noch ein bisschen stärker ein. Meine Nervosität ein Uber zu Bahnhof zu bekommen war unbegründet. Ich bekam sofort eins und fand auch meinen Fahrer ohne größere Probleme. Dieser war ebenfalls beim Spiel und schob jetzt noch eine kleine Abendschicht ein. Der Typ war unfassbar korrekt und so unterhielten wir uns ausgiebig über die verschiedenen Sportteams in Philadelphia.
Am Bahnhof war dann leider der Fahrkartenschalter geschlossen, sodass keine Umbuchung auf einen früheren, verspäteten Zug möglich war. So hieß es noch warten und dann erreichte ich gegen 12:30 wieder New York. Die Stadt war noch belebt und ich genoss den nächtlichen Spaziergang, der mich in mein Hotel führte. Danke Philadelphia für den tollen Tag und grüß dich doch, Länderpunkt!











