Klub WM
Zuschauer: 81.118
Met Life Stadium: New Jersey
Schon recht frühzeitig sah ich, dass das Finale der Klub-WM genau auf mein erstes Wochenende in New York fallen würde. Es war schwierig diesen Zufall in der Folge aus dem Kopf zu bekommen. Vor allem, da ich im Gegensatz zum Großteil von Fußballdeutschland nicht so schwerwiegende Einwände zu dem Konzept der Klub-WM hatte. Klar, kann man sich über die Aufblähung aufregen- aber durch die Veränderung des Turnus von jährlich zu allen vier Jahren war das für mich verschmerzbar. Zudem vermutete ich, dass vor allem die Lateinamerikaner zu diesem Turnier auftischen würden. Die Aussicht in einem Pflichtspiel gegen Boca oder River anzutreten ist doch einfach der Traum eines jeden Fußballfans. Ich bin ehrlich: Wäre mein Verein dabei gewesen, dann wäre ich vermutlich auch hingefahren.
So baute ich mir in den fortlaufenden Wochen auch immer mehr die moralische Brücke, um eine etwaige Chance auf ein Finalticket zu nutzen. Anfangs waren die Preise für die Tickets bei 800$. Da war für mich auch klar, dass ich das nicht mitgehen würde. Mit einem Auge verfolgte ich aber den Tunierverlauf und hoffte auf einen Finaleinzug der deutschen Teams. Es kam anders und mit PSG und Chelsea zogen leider zwei fantechnisch nicht so attraktive Teams in das Finale ein. Ich hatte mich im Vorfeld mit zwei Mailadressen im Portal der Fifa als Fans der beiden Mannschaften registriert. Bei Chelsea klappte es noch nicht- aber am nächsten Tag bei PSG gelang es mir ein „Fanticket“ zu ergattern. Das Ticket ist immer noch mit Abstand das teuerste Ticket, das ich je gekauft habe: Dennoch war es für mich in dem Rahmen dann irgendwie okay.
Die Fifa strukturierte das Ticket dann sogar noch einmal um, sodass ich mich am Ende im Unterrang direkt hinter dem Tor einfand. Aber noch einmal zurück: Denn am Stadion war ich noch lange nicht. Ich startete den Tag mit einem „bottomless brunch“. Fantastisches Konzept. Für einen humanen Preis bestellt man ein Gericht und darf dann in 90 Minuten unbegrenzte Drinks vernichten. Dementsprechend gut gelaunt taumelte ich aus meiner Bar in Manhattan und lief in Richtung Busbahnhof. Dort wuselten bereits zahlreiche Fans herum. An den Ticketautomaten klebten Plakate, die auf die Abfahrtsterminals hinwiesen. Also lief ich dahin und wurde unsanft von einem Vertreter der Staatsmacht weggeschubst. Angeblich fuhren die Busse von einem anderen Terminal ab.
Also sprintete ich dort hin und traf auf eine lange Schlange. Langsam wurde ich mit Blick auf die Zeit panisch. Zumal kein Bus zu sehen war. Mit Blick auf die Schlange half auch nur Trick 17 und so war ich zumindest recht weit vorne eingereiht. Mit circa 20 Minuten Verspätung kam dann ein (!) Bus. Der ganze Busbahnhof war voller Fußballfans und niemand kam auf die Idee zusätzliche Busse zur Verfügung zu stellen. Ich kam dann immerhin in den Bus. Zahlreiche Leute wurden abgewiesen, da man am Bus kein Ticket kaufen konnte. Man- war das alles bodenlos. Vor allem verbunden mit der unglaublichen New Yorker Freundlichkeit… Warum normal reden, wenn man auch schreien kann?
Nach gefühlten Ewigkeiten rollten wir los. Der Tunnel nach New Jersey lief noch relativ reibungslos. Danach gerieten wir in einen unfassbaren Stau und die Minuten schmolzen nur so dahin. Um 14:50 fuhren wir dann von der Autobahn ab und am Stadion vorbei. Anstatt zu halten, fuhr die Busfahrerin einfach weiter. Erst nach Protesten hielt sie circa einen Kilometer weiter direkt an der Autobahn. Sie könne aufgrund des Spiels nicht am Stadion halten. Also ließ sie uns alle 1,5 Kilometer vom Stadion entfernt direkt an der Autobahn heraus. Alter- sind die dumm!
Mit dem Mut der Verzweiflung nahm ich die Beine in die Hand, überquerte die Autobahn und rannte dann auf dem Seitenstreifen bei 35 Grad in Richtung Stadion. Man, war ich sauer! Das Gelände war auch weitgehend abgesperrt und so musste ich etliche Ehrenrunden drehen. Alles war hier auf Autos ausgerichtet und geplant waren noch etliche Schleifen für Fußgänger mehr. Ich hatte aber irgendwann genug und rannte einfach quer über die Straße. Auch hier schrien mich die Securities ausdauernd an. Noch ein paar Haken und dann durch eine flughafenähnliche Sicherheitskontrolle. Treppen hoch und dank eines verspäteten Anpfiffs war ich mit 6 Minuten Verspätung im Block. Das war eine absolute Willensleistung und ich fürchte zahlreiche Menschen werden das Stadion erst zur zweiten Halbzeit betreten haben. Wie schlecht kann man eine Großveranstaltung organisieren?
Mein Platz war dann auch belegt, sodass ich mich erst einmal in den Gang stellte. Keine zehn Minuten später wurde ich natürlich dafür von den Securities angeschrien. Zum Glück ging der Typ von meinem Platz kurze Zeit vorher weg, sodass ich das Problem recht schnell lösen konnte. Auch in der Folge schrien die Securities aber immer mal wieder jemanden an, der sich auf dem falschen Platz befand. Fanfreundlich war das hier alles nicht.
Durch die Fanszenemedien geisterte im Vorfeld, dass den PSG-Ultras ein Paket für Flug, Ticket und Hotel für 500 Euro angeboten wurde. Circa 50 hatten dieses Angebot wohl angenommen. Vielleicht bin ich moralisch auch korrumpiert, indem ich das Finale der Klub-WM besucht habe- aber das hat schon ein negatives Geschmäckle. Mit Trommel und Megaphon versuchten sie die Mannschaft zu unterstützen. Aufgrund der riesigen Anzahl an Chelsea Fans und Eventies, gelang das jedoch kaum. Es reichte für die Stimmungshoheit im Stadion- aber die Stimmung blieb weitestgehend blass. Die Ausgestaltung dieses Events war schon ziemlich widerlich und fanfeindlich. Das hätte man so leicht besser gestalten können. Theorie des Turniers in Ordnung- Ausführung pfui ist mein Fazit!
Die Chelsea Fans traten bis auf wenige Schlachtrufe kaum in Erscheinung. Viele der Amerikaner drückten Chelsea die Daumen und zahlreiche Chelsea-Provokateure im PSG-Block sorgten für Kopfschütteln. Boah- war das furchtbar.
In der Halbzeit gab es dann noch eine Halbzeitshow von J Balvin, Tems, Doja Cat und Coldplay (Habe ich nicht mal gecheckt…). Geil war das alles nicht. Das Gekicke auf dem Rasen zündete mich jetzt auch nicht so richtig an. Chelsea stand stabil und konterte PSG eiskalt aus. 3:0 hieß es am Ende.
Ich hatte mit der enormen Hitze ganz schön zu kämpfen und es gab kein Dach, dass mich vor der Sonne schützte. So musste ich kurz vor Abpfiff noch eine Gatorade kaufen, die im Vergleich zum Alkohol vernünftig bepreist war. Nach dem Abpfiff gab es noch eine wüste Rudelbildung samt Schlag von Luis Enrique, die ich mir nicht entgehen ließ. Auf die Siegerehrung in Präsenz von Donald Trump verzichtete ich dann.
Auch nach dem Spiel klappte die Organisation nicht wirklich besser. Ewige Schlaufen laufen, um zu einem Zug zu kommen. Nach 20 Minuten Wartezeit fuhr dieser dann zu einem Umsteigebahnhof. Auch dort wurde man dann wieder angeschrien, nicht in die früheren Regelzüge gelassen und in eine Sonderbahn gezwängt. Diese brauchte bestimmt eine halbe Stunde später bis zur Abfahrt und dann erreichte ich irgendwann wieder New York! Meu Deus- wie schlecht kann man Sachen organisieren? Immerhin: Mit 81.118 Zuschauern, verzeichnete ich einen neuen Zuschauerrekord und konnte ein wirklich großes Stadion kreuzen. Mit leckerem koreanischem Essen, beendete ich diesen Tag.










