18.08.2025 Preussen Münster- Hertha BSC 3:5 i.E.

DFB-Pokal

Zuschauer: 10.635

Preussenstadion: Münster

Ultras, Hooligans und Kutten werfen sich Handküsse zu- überall nur strahlende Augen! Meine Fresse- was ist hier gerade passiert?

Aber langsam! Der Tag begann wesentlich weniger ereignisreich. Am Bahnhof in Herford trennten sich die Wege der Reisegruppe. Während es für den besseren Teil zurück nach Berlin ging, stieg ich in den Regio, der mich nach Osnabrück bringen sollte. Danke noch einmal Na. für das fehlende Bescheid sagen. Die Regioverbindung war endlich mal wieder so wie sie sein sollte: Nicht allzu voll, normale Leute und pünktlich. Wenn es mal so funktioniert, dann ist das Deutschlandticket einfach eine absolute Wucht.

Auch der Umstieg in Osnabrück klappte problemlos und kurze Zeit später erreichte ich dann auch schon Münster. Dort steuerte ich dann noch einen Mittagstisch an und war sehr zufrieden mit dem Dargebotenen. Dank flexibler Arbeitsbedingungen musste ich mir heute nicht freinehmen. Das bedeutete aber auch, dass ich Orte ansteuern musste, die mir meine unfassbare Wertschöpfung ermöglichten. Als das zufriedenstellend erledigt war, belohnte ich mich mit einem Aperol auf dem sonnigen Marktplatz. Das Laben könnte schlechter sein.

Dann ging es zu Fuß zum Stadion, wo meine Besatzung für die Rückfahrt gerade auf dem Gästeparkplatz einfuhr. So konnte ich noch kurz das Shirt wechseln und meinen Rucksack im Kofferraum verstauen. Perfekt! Weniger perfekt waren die Nachrichten, die uns von der Autobahn erreichten. Einer der Neuner hatte einen Motorschaden, sodass der Anpfiff massiv in Gefahr geriet. Sachen, die man nicht erleben möchte. Ich fürchte ich würde in einer solchen Situation durchdrehen.

Wir liefen dann zum Gästeparkplatz, quatschten noch kurz und gingen dann in den Block. Der Gästebereich im Preussenstadion ist bereits fertig gestellt und somit waren wir nun nach Paderborn die zweite Fanszene, die in dem neuen Block verweilte. Schon in der Sommerpause geisterten Videos und Horrorszenarien von dem Block durch das fußballaffine Social-Media. Begeistert bin ich nicht. Ein einziges Mundloch im unteren Bereich des Blockes schreit einfach schon nach einer Katastrophe. Wie man so etwas 2025 noch genehmigt bekommt, ist mir schleierhaft. Zudem ist der Block zwar hoch- aber auch wahnsinnig schmal.

Mega nervig ist zudem, dass das Ticket zwei Mal gescannt werden muss. Mutmaßlich, um eine Überfüllung im Stehplatzbereich zu vermeiden. Die praktische Umsetzung klappte aber so gut wie gar nicht. Es bildeten sich lange Schlangen und für jeden Gang aus dem Block (Toilette, Getränke, etc.) musste diese Prozedur wiederholt werden. Das Ganze unter den Augen von vollvermummten Staatsdienern, die deutlich signalisierten: Wir haben Bock!

Fast ein wenig verwunderlich, dass hier heute nichts eskalierte. Es gab etwas Streit um die „Bullenhass“ Shirts- aber auch das wurde anscheinend mehr oder weniger gütlich geklärt. HM kam dann etwa zur zehnten Minute in den Block und in dem Trubel um Fahnen aufhängen und Positionierung ging ehrlicherweise auch unsere Stimmung etwas in den Keller. Wir brauchten etwas Zeit, um uns zurechtzuruckeln und uns langsam zu steigern.

Ab der zweiten Halbzeit wurde das dann zu einem denkwürdigen Auftritt und vermutlich einer der stärksten Auswärtsauftritte aller Zeiten. Erst sangen wir uns wie auf Schalke mit dem Lied „Wir haben es geschworen, Hertha BSC“ in einen absoluten Rausch. Alle sprangen, alle schrien und das Dach tat das ihrige dazu, um das Lied noch mehr knallen zu lassen. Dann folgte der geisteskranke „Ha Ho He- Hertha BSC“ Wechselgesang, der die oben angedeutete Reaktion zur Folge hatte. Eine gefühlte Ewigkeit wurde dieser Wechselgesang rausgebrüllt, als würde man in den Krieg ziehen. Diese Energie, diese Bewegung, diese Leidenschaft! Das war alles, wofür man zum Fußball geht. Wenn man Glück hat, dann hat man pro Saison vielleicht 2-3 Momente, in denen man so etwas kreieren kann. Wir glücklichen Schweine hatten jetzt in der noch jungen Saison bereits den dritten solchen Moment! Wahnsinn!

Wie soll man so jemals vom Fußball loslassen können? Die Haare werden weniger, der Bauch wird runder: Aber die Leidenschaft für Hertha BSC, für den Fußball für dieses Fanszenending bleibt unverändert! Fußball!

Die Heimkurve Münsters wurde mittlerweile abgerissen und ist eine riesige Baustelle. Die Fanszene musste sich dadurch in dem Block einfinden, den wir im Mai noch bevölkert hatten. Sie starteten mit einem kleinen Intro in die Partie. Das Spruchband zeigte das Wort „Leezen Terror“ und einen Münsteraner Ultra auf einem Fahrrad. Leezen ist wohl das Münsterländische Wort für Fahrrad. Stabiles Klischee ihrer selbst auf jeden Fall! In der Folge hatten sie erhebliche Probleme das Stadion mitzunehmen. Nach dem Sahneauftritt im Mai nun vermutlich die nüchterne Realität. Der Standort ist einfach nicht gut und so war das ein ordentlicher- aber kein berauschender Auftritt.

Das Spiel war eine riesige Peinlichkeit. Hertha hätte das Spiel deutlich verlieren müssen. Lediglich der heute starke Tjark Ernst und der Münsteraner Chancenwucher führten dazu, dass wir im Spiel blieben. Kownacki verpasste den Lucky Punch in der 90. Minute. Frei vor dem Tor, hätte er nur noch einschieben müssen. Am Ende ging es in das Elfmeterschießen und unsere Schützen behielten die Nerven. Gröning versenkte den entscheidenden Elfer. Zum perfekten Zeitpunkt ging ein Böller hoch und die Mannschaft lief zum Gästeblock. Am Ende ein geiles Spiel- aber ein sehr fader Beigeschmack bleibt dabei. Die Mannschaft spielt wirklich grottenschlecht. Die Defensive ist wacklig und es gibt keinerlei Ideen für den eigenen Ballbesitz. Dazu wirkt man nicht austrainiert- wie konnte es dazu kommen? So wird das eine lange Saison…

Wir feierten noch etwas und dann ging es für uns zügig aus dem Block. Ab ins Auto- noch einen jungen Mann am Münsteraner Hauptbahnhof rausgeschmissen und dann ging es auf die Bahn. Mit stabilem Tempo erreichten wir dann kurz vor 1 mein Zuhause. Vielen Dank für die Gesellschaft und das nach Hause bringen. Aufgedreht- aber glücklich fiel ich dann ins Bett- ehe ich am nächsten Morgen viel zu früh geweckt wurde.

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