24.08.2025 SV Darmstadt 98- Hertha BSC 0:0

2. Bundesliga

Zuschauer: 17.810

Stadion am Böllenfalltor: Darmstadt

Am Vorabend vermeldete der DB-Navigator, dass auf unserer Strecke ein Ersatzzug verkehren würde. Das ging mit einer späteren Ankunftszeit von drei Minuten und einer aufgehobenen Zugbindung einher. Nach einem kurzen Chatmarathon am Krankenbett war die Entscheidung getroffen: 45 Minuten mehr Schlaf und einen späteren Zug nehmen. Wir schufen uns damit eine gewisse Fallhöhe, denn es durfte nicht mehr viel schiefgehen. Da der Zug aber bis nach Darmstadt durchfuhr, waren wir recht zuversichtlich die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

Mein Zubringerzug aus Potsdam war jedoch nicht super getimet. Wider Erwarten erwischte ich sogar noch einen leicht verspäteten Regio, sodass ich am Ende über 30 Minuten am Hauptbahnhof verbringen durfte. Der blaue Himmel lachte mich an und die zu dieser Uhrzeit noch schwachen Sonnenstrahlen kitzelten mein Gesicht. Dazu einen Café- es hätte schlechtere Starts in den Tag gegeben. Kurze Zeit später kam Nemo dazu und dann ging es hoch zu unserem Zug. Unerwartete Meldungen gab es aus Südberlin. Für den dritten Mitstreiter wurde es eng… Dank eines beherzten Laufes, bekam jedoch auch dieser den ICE.

Nemo hatte dann ein gutes Auge und sicherte uns drei Plätze im Abteil. Die einzige weitere Person war uns gegenüber sehr aufgeschlossen und freundlich und so wurde es eine richtig coole und entspannte Fahrt. Der Zug hielt nach Spandau gar nicht mehr und so war der nächste Stopp dann bereits FFM. Absolut meditativ wie Deutschland am Zugfenster an einem vorbeizog. So soll Zugfahren öfter gehen. Der Porto Tónico steigerte bei 2/3 unserer Besatzung die Laune. Kurz vor Darmstadt schlossen wir uns dann mit den anderen vier Herthanern im Zug zusammen. Krass, dass sonst niemand gezockt hatte, sondern alle die frühe Verbindung genommen hatten.

Am Bahnhof angekommen standen noch zwei Shuttlebusse bereit. Sich durch den Druck der Staatsgewalt shuttlen zu lassen ist nicht mein Fall. Sich selbst ein Shuttle zu erschwatzen ist hingegen natürlich eine komplett andere Sache. Der Busfahrer war jetzt nicht so überzeugt davon uns 10 Leute fahren zu müssen- recht schnell hatten wir ihn jedoch überredet und keine Minute später waren wir auf dem Weg. Eine Bullenwanne erbarmte sich auch noch uns ernstzunehmen und so war der Preis für das Shuttle vermutlich nicht gerade gering… Danke liebe Steuerzahler!

Circa 15 Minuten später waren wir am Gästeblock und auch dort war der größte Ansturm schon überwunden. Wir gaben noch unsere Taschen ab- Danke an Darmstadt für die kostenlose Abgabemöglichkeit und dann passierten wir die Kontrollen. Diese waren auch schon wieder ziemlich nervig. Dann hatten wir es geschafft und waren ziemlich genau 30 Minuten vor Anpfiff im Block. Besser hätten wir es nicht timen können. Wir sagten Hallo, fanden unseren Platz und führten noch das eine oder andere Gespräch.

Die Aufstellung war zumindest etwas besser als in den vergangenen Partien. Kolbe ersetzte den formschwachen Dárdai und Krattenmacher durften auch wieder von Beginn an spielen. Dazu startete Jensen auf der 6. Das gefiel mir auf dem Papier schon einmal ein bisschen besser. Hertha fand besser als gewohnt in die Partie und machte gerade in der ersten Halbzeit ein gutes Auswärtsspiel. Hinten stand man relativ sicher und durch Umschaltsituationen konnte man gute Chancen kreieren. Nach einem mustergültigen Konter hätte Krattenmacher das 0:1 machen müssen- doch er traf nicht einmal den Ball…

In der Folge entwickelte sich ein Spiel auf Augenhöhe. Wir trafen zwei Mal das Aluminium und auch Darmstadt verzeichnete einen Pfostentreffer. In der zweiten Halbzeit war Darmstadt das etwas stärkere Team und Hertha wirkte wieder nicht besonders fit. In der 98. Minute tauchte Reese dann frei vor dem Darmstädter Keaper auf und hätte den Siegtreffer machen müssen. Der Ball ging haarscharf am Tor vorbei. So blieb es beim erneuten 0:0. Stark! De facto das dritte Spiel in Folge 0:0. Der Leitl-Ball macht wirklich Spaß…

Der neue Gästeblock in Darmstadt gefiel mir recht gut. Die Lage auf der Gegentribüne ist erhalten geblieben. Zudem ist man sehr nah am Spielfeld und kann wirklich gut gucken. Einziger Wehrmutstropfen ist, dass man die Südtribüne Darmstadt nicht ganz so gut sehen und hören kann. So fällt es schwer den Auftritt zu bewerten. Optisch sah das ordentlich aus- akustisch kam kaum etwas bei uns an.

Wir zeigten einen guten Auswärtsauftritt. Über weite Strecken konnten wir eine gute Lautstärke erreichen. Dazu gab es ein neues Lied zu bewundern, das schnell und gut aufgenommen wurde. Der erste Wechselgesang nach Münster war auch nicht von schlechten Eltern. Die Zaunbeflaggung über den Ober- und Unterring sah stark aus. Durch die Aufteilung der Gruppen auf den Ober- und Unterrang sah auch der Fahneneinsatz echt gut aus.

In einer gemeinsamen Spruchbandaktion mit Darmstadt bekräftigte man die Unterstützung der Kampagne „Verbandsstrafen abschaffen“. Die Casual Kutten drückten ihre Solidarität mit der Hinchada Azul aus Chile aus, die in der vergangenen Woche brutal von der Barra von Idependiente angegriffen wurden. Die Staatsmacht war wohl merkwürdig abwesend… Die Harlekins kritisierten noch die Ticketabteilung von Darmstadt, die fälschlicherweise „Hertha BSC Berlin“ auf das Ticket druckten. Anscheinend gestand diese dann im Nachgang auf Social Media immerhin ihren Fehler ein. Zudem wurden mit zwei Spruchbändern noch die Trikotfarben kritisiert. Wieder spielten unsere Stars nämlich in den Ausweichtrikots. Schmutz!

Nach dem Spiel gab es wieder eine freundlich Reaktion gegenüber der Mannschaft. Ich bin schon länger zu apathischem Schweigen übergegangen… Nach dem Spiel holten wir unser Gepäck und es standen keine Shuttlebusse mehr bereit. Ich hatte überhaupt keine Lust auf die Rückkehr zu warten und so brannten bei mir die bekannten Sicherungen durch. In meinem Kopf war nur noch der Gedanke: „Laufen, Laufen, Laufen“. Danke an die Reisegruppe für das teilweise Verständnis. So lief ich alleine zum Bahnhof und natürlich direkt in den Darmstadt Mob hinein…

Dank vorsichtiger Kleidung und einem eleganten Abbiegen ins Studentenwohnheim, ging das aber auch gut. Dann ging es durch ein sehr sehenswertes Villenviertel den Weg zum Bahnhof. Darmstadt gefiel mir echt gut und ich kam sogar mit einem Döner gestärkt, entspannt am Bahnhof an. Wir überstanden dann auch noch die Umsteigezeit in FFM und sicherten uns dann einen Platz im Zug nach Berlin. Irgendwann kickte die Müdigkeit dann doch rein und wir waren alle froh gegen 23:30 das Zuhause zu erreichen.

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