13.09.2025 Hannover 96- Hertha BSC 0:3

2. Bundesliga

Zuschauer: 49.000

Olympiastadion: Berlin

Allzulange war der Aufenthalt leider nicht und dann hieß es schon wieder die Sachen zusammenzupacken, den Schlüssel im Zündschloss umzudrehen und sich auf den Weg nach Hannover zu machen. Dort war ich mit den üblichen Nasen aus Charlottenburg und Schöneberg verabredet, um in Linden bei einem portugiesischen Restaurant noch einen schnellen Imbiss einzunehmen. Das Restaurant, das ich bereits 2021 beehrt hatte, wollte unsere Reservierung am Telefon erst gar nicht annehmen. Auf die Terrasse ließen sie uns schlussendlich doch. Ich irrte minutenlang durch das Viertel, um einen Parkplatz zu finden. Das war zwar amateurhaft- schlussendlich hatte ich jedoch einen großartigen gefunden. Meine Verzögerung spielte dann aber gar keine Rolle, denn trotz bereits bestelltem Essen tat sich gar nichts. Irgendwann standen dann unsere Teller vor uns und wir mussten uns ganz schön sputen.

Schnell zum Stadion und noch kurz das Mottoshirt mitgenommen und dann ging es auch schon die Stufen zum Gästeblock hoch. Am Eingang des Blockes quatschte ich noch mit zwei bekannten Gesichtern- stark bleiben an dieser Stelle! Dann versuchte ich mein Glück mich nach unten zu quetschen- aber die Lage war einfach zu aussichtslos. So gab ich dann irgendwann auf einer Treppenstufe resigniert auf. Wahnsinn wie rappelvoll unsere Gästeblöcke mittlerweile sind. Entspannt ist manchmal anders.

Das Stadion in Hannover war heute ausverkauft und die Nordkurve startete mit einem brachialen Pyrointro in die Partie. Hinter der Mottofahne „Unbelehrbare Intensivtäter“ wurden in der gesamten Kurve im Ober- und im Unterring rote, grüne und gelbe Bengalos gezündet. Ich nahm die Pyroshow nur unter unserer Blockfahne wahr- aber das wirkte wirklich absolut gewaltig. In der Folge entwickelte sich ein solider Heimspielsupport. Zu vernehmen waren die Hannoveraner bei uns kaum.

Wir starteten mit einer schönen optischen Aktion in die Partie. Im Ober- und im Unterring wurde eine wimpelartige Fahne mit der Aufschrift „Sportclub unserer Stadt“ gezeigt. Die Liedzeile und das Motiv zierten auch die verkauften Mottoshirts. Dazu wurden im Oberring blaue Fahnen und im Unterring weiße Fahnen gezeigt. Mit dem Einhaken gab es ein weiteres optisches Highlight und in der gesamten Breite des Gästeblocks wurden weiße Fackeln und blauer Rauch gezündet. Der blaue Rauch ging vielleicht etwas unter. In der Folge war das ein runder und lauter Auswärtsauftritt, der jedoch leider frühzeitig endete. Insbesondere die Aufteilung der Gruppe und das Tifobild ließen mich wirklich beseelt zurück.

Nach dem gewaltigen Torjubel zum 0:1 wurde schnell deutlich, dass im eigentlichen Stehplatzbereich ein medizinischer Notfall eingetreten war. Panisch wurde gestikuliert- aber die Sanitäter kamen und kamen einfach nicht in den Block. Nach quälenden Minuten waren sie endlich da und es wurde klar, dass die Situation sehr ernst ist. Die Fanszene verhielt sich bemerkenswert und versuchte mit Durchsagen den Einsatz der Sanitäter zu erleichtern und die Szenerie mit Schwenkfahnen zu verdecken. Gott sei Dank kam in der Woche nach dem Spiel dann die positive Nachricht, dass Melvin tatsächlich reanimiert werden konnte und auf dem Weg der Besserung ist. Alles, alles Gute und komm bald wieder auf die Beine! Was für ein Schock!

So stark wie die Fanszene und die Sanitär handelten- so schockiert war ich über die strukturellen Begebenheiten des Einsatzes. Es kann doch wirklich nicht sein, dass so wenige Sanitäter im Stadion sind, dass minutenlang gewartet werden muss. Vor allem, da bei einem Herzstillstand ja wirklich jede Sekunde zählt. Stellt Euch mal vor es hätte an der Stelle im Block geknallt. Jede Wette, dass die Polizei innerhalb kürzester Zeit in den Block gerammelt wäre? Wenn wir wirklich Sicherheit im Stadion wollen, dann bedeutet das eben auch die schnelle Einsetzbarkeit des medizinischen Personals im gesamten Stadion ob in der Heimkurve auf den Geraden oder eben auch im Gästeblock. Mit Blick auf eine alternde Bevölkerung wird es vermutlich verstärkt zu medizinischen Notfällen kommen. Wenn ihr es ernst meint mit der Sicherheit, dann fangt bitte da an!

Die Heimkurve von Hannover brauchte etwas, um die Situation mitzubekommen. Dann stellten sie aber ebenso wie wir den Support ein. Auch die Zuschauer in den neutralen Bereichen verhielten sich ausgesprochen respektvoll. Vielen Dank an alle Hannoveraner!

Weniger respektvoll waren zahlreiche Herthakutten, die dann tatsächlich „Auf Wiedersehen“ Sprechchöre anstimmten, nachdem einige Hannoveraner das Stadion frühzeitig verließen. Absolut unangebracht sich so zu verhalten, nachdem sich ausnahmslos das ganze Stadion mit uns solidarisiert hat. Auch unsere Spieler reagierten nicht ganz so herausragend auf die Situation. Mir fehlt da aber die Hochleistungssportlererfahrung ob man da wirklich so im Tunnel ist, dass man gar nicht merkt, dass irgendetwas im Stadion nicht stimmt.

Das Spiel war dann absolute Nebensache. Klar freute man sich über den 0:3 Sieg- aber hier war auch viel Glück im Spiel und ich habe gewaltige Zweifel wie viel davon in den nächsten Wochen replizierbar sein wird. Die Security verhielt sich gegenüber Kreisel noch wahnsinnig übergriffig, der den Innenraum betrat, um die Mannschaft über den Vorfall zu informieren. Spätestens, wenn die Spieler auf mich zurennen, dann sollte ich als Ordner vielleicht einfach mal meine Hände zurücknehmen. Nun denn! Für mich ging es dann aus dem Block und ein herumstehendes Nextbike brachte mich schnell zu meinem grandios geparkten Auto. Noch eine Stunde Fahrt und dann fielen gegen Mitternacht meine Augen in Niedersachsen zu.

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