Euroleauge
Zuschauer: 34.700
SC-Stadion am Wolfswinkel: Freiburg
Für meine Verhältnisse war ich wirklich ziemlich kurz davor den Trip nach Freiburg abzusagen. Schlussendlich erschien mir aber die Fallhöhe zu groß. Selbst bei Dwidswoch redeten sie davon, wie schwer eine Kartenbeschaffung war. Ich brachte es daher nicht über das Herz das Ticket wieder abzugeben und zahlreiche Züge waren ebenfalls bereits gebucht. Danke an dieser Stelle für die Karte! Eigentlich sollte mich mein Weg aus einer anderen Ecke Deutschlands nach Freiburg führen, sodass ich noch meine Bahnbonuspunkte angreifen musste, um einen Zug zu buchen.
Freiburg ist einfach viel zu weit weg und so juckelte der Zug sieben Stunden durch ganz Deutschland. Meine ursprüngliche Verbindung war bereits am Morgen nicht mehr fahrbar gewesen. Zeitlich war es identisch, aber so konnte ich bereits in Berlin in den Zug einsteigen und musste nicht mehr umsteigen. Mit circa 20 Minuten war auch die Verspätung im Rahmen. Freiburg empfing mich mit kühlen Temperaturen und Nieselregen. Das entsprach so gar nicht dem Klischee der wärmsten Region Deutschlands. Aus Gewohnheit lief ich in Richtung meines Hotels, ehe ich mich erinnerte, dass ich mit dem Deutschlandticket ja sogar kostenlos fahren kann. Also stieg ich wahllos in eine Bahn, ohne meinem Ziel näherzukommen. Die letzten Meter ging es dann zu Fuß zum Hotel. Auf dem Weg passierte ich ein „FCK FCB“ Graffiti, was mich einigermaßen irritierte.
Dann checkte ich im Hotel ein und nutze die zeitliche Verfügbarkeit, um noch einen Saunagang einzulegen. Das schlechte Wetter gab mir dann auch die Entschuldigung, um nicht noch einmal in die Stadt zu düsen. Anstattdessen steuerte ich das nahegelegene und gut bewertete italienische Restaurant an. Ich gönnte mir die ersten Stücke meiner Pizza, als plötzlich eine Kolonne an Polizeifahrzeugen auftauchte, die nicht mehr abriss. Ich hatte ein bisschen darauf spekuliert und Glück gehabt, denn der Basel Corteo führte tatsächlich direkt an meinem Platz vorbei. Indiskret ließ ich meine Pizza links liegen und glotzte mir ein wenig die Augen aus. Das machte schon etwas her, wie der Mob fast durchweg in Schwarz gekleidet war. Kurze Zeit später war der Spuk vorbei, ich aß noch zu Ende, traf noch einige Vorkehrungen und setzte mich dann in die Straßenbahn zum Stadion.
Positiv zu erwähnen ist, dass diese wirklich alle paar Minuten fuhr. Ich verstand aber nicht, warum die Haltestelle dann einen Kilometer vom Stadion war. Bei einem Neubau im Nichts, ist das doch wirklich besser planbar. Nun denn- circa 50 Minuten vor dem Spiel nahm ich meinen Platz im Stadion ein. Ich streifte den Umlauf der Kurve und nahm dadurch bereits die Ankündigungen für die Choreo wahr. Bereits beim Auflaufen der Mannschaft, ging in der Heimkurve die erste Fackel an und es wurde ziemlich laut. Das war definitiv Europapokalstimmung heute.
Basel zog der Euphorie dann ein wenig den Stecker, denn im Gästeblock ging das Spruchband „Nett hier- Aber waren Sie schon mal auf Choreohalle.de?“ Eine offensichtliche Anspielung auf die Aktion gegen Bern aus dem Jahr 2023 als man Teile der Berner Choreo entwendete und die Inhalte samt 3D-Rundgang im Netz präsentierte. Die Nervosität in der Heimkurve war spürbar, aber die Seite war nicht aufrufbar. Auch mein Handy glühte in diesen Momenten heiß und gefühlt ganz Fußballdeutschland wartete auf die Fortsetzung. Auch die Verwendung dieses dämlichen Baden Württemberg Spruch holte mich extrem ab. Mir geht nichts mehr auf die Nerven als diese Aufkleber.
Freiburg zeigte dann trotzdem die Choreo unter dem Motto „Attacke“, die auf einen alten Schlachtruf aus Europapokalzeiten anspielte. Neben dem Spruchband gab es gut verteilte Fackeln in der gesamten Heimkurve. Basel startete mit einer sehenswerten Wurfrollenaktion aus dem Ober- und Unterring in die Partie und zeigte dazu zwei Folien mit der Aufschrift „Basel“ und „1893“. Simpel- aber sah top aus.
Kurze Zeit später zeigte Basel dann das Spruchband „Kai Angscht, als Mitnutzer sin mir au nid anere Website interessiert“. Im Laufe der Halbzeit funktionierte dann auch der Link, der auf die Fotogalerie der Muttenzerkurve führte. Dadurch wurde ersichtlich, dass Basel die Choreohalle der Freiburger genutzt hatte, um zumindest Teile der eigenen Choreo vorzubereiten. Auf den Bildern waren sogar Spruchbänder von Synthesia zu sehen. Diese Typen ey…
Das Trio der Spruchbänder wurde durch „Dangge für d Gaschtfründschaft – d Mieti liggt im blaue Tresor“ komplettiert. Die Atmosphäre hatte etwas von einem Escape-Room. Mit jedem Spruchband bekam man mehr Hinweise und man war gespannt, was als Nächstes kommen würde. Das habe ich im Stadion auch noch nicht in dieser Form erlebt. Basel- Wahnsinn! Ebenfalls Wahnsinn ist wie so eine beeindruckende Fanszene wie Basel Kontakte nach Braunschweig haben kann. Cattiva war per Fahne vertreten. Von meinem Standort aus war der Auftritt der Baseler leider nicht ganz so gut wahrnehmbar. Das machte aber einen guten Eindruck.
Die Heimkurve war solide. Immer mal wieder gingen Emotionsfackeln an. Die Emotionen beschränkten sich aber doch sehr arg auf den Kern der Kurve. An den Rändern und im oberen Bereich war die Mitmachquote dezimiert. Das schmälerte einen durchaus respektablen Auftritt der Freiburger Ultraszene erheblich. Per Spruchband kritisierte man noch den eigenen Verein für die Veröffentlichung eines Spieltagsschals und feierte danach noch ausgiebig mit der Mannschaft.
Basel machte auf dem Spielfeld ein durchaus couragiertes Spiel- aber Freiburg war abgezockt und gewann, ohne zu glänzen mit 2:1. Irgendwie spielen die einen komischen, aber doch sehr effektiven Fußball. Mein Freiburgakku auf Rasen und Rängen ist nun aber mehr als gefüllt und ich kann gerne erst einmal eine kleinere Pause einlegen. Die Ligenkomplettierung schmeckte aber natürlich schon sehr!
Ich verließ dann das Stadion und konnte nicht widerstehen, als ich zahlreiche Nextbikes entdeckte. Wirklich bewegen konnte ich den einen Arm noch nicht- aber die Aussicht auf eine frühere Heimkehr war zu groß. So schwang ich mich auf den Sattel und war kurze Zeit später in meinem Zimmer und läutete eine unruhige Nacht ein, um am nächsten Tag den ersten Zug zurück nach Berlin zu nehmen.










