2. Bundesliga
Zuschauer: 38.923
Max-Morlock Stadion: Nürnberg
Am Vortag sprang mir doch glatt Nemo als Mitfahrer im ICE ab, da er sich gediegen in das Auto des berühmten Südberliners setzen wollte. Also klingelte einsam mein Wecker um 05:55 und die Pünktlichkeitsanzeige des Regios ließ wenig Gutes vermuten. So schrieb ich schon eine Paniknachricht, dass auf keinen Fall die Stadtgrenze verlassen werden sollte, ohne mir vorher noch einmal zu schreiben. Schlussendlich war die Angst unbegründet und der Regio fuhr seine angegebene Verspätung noch fast vollständig heraus und so konnte ich mit einem entspannten Schritt direkt in den bereits eingefahrenen ICE steigen.
Der Zug war komplett ausgebucht, aber die Bauart des Gefährts spielte mir in die Karten. Die Bahn Bonus Plätze waren zwischen dem Bordrestaurant und der ersten Klasse angesiedelt. Das schien fast keiner auf dem Zettel zu haben und so hatte ich das Abteil nahezu für mich. Was für ein Luxus in einem ansonst brechend vollen Zug. Ich gönnte mir dann auch noch einen Café im Bordrestaurant und verbrachte die Zeit ansonsten mit Podcasts und Lektüre. In Nürnberg angekommen wollte mir die Staatsmacht den Weg in die Nürnberger Südstadt verwehren. Ich war aber anscheinend so überzeugend in meiner Antwort nicht zum Fußball zu wollen, dass sich der Weg doch öffnete. Trotzdem schon wieder bodenlos, dass hier versucht wird die Bewegungsfreiheit einzuschränken.
Mein anvisiertes Café war gerammelt voll und so musste ich kurzerhand ausweichen. Wie geplant konnte ich aber auch dort ein leckeres türkisches Frühstück einnehmen. Das war super und das ordentliche Wetter lud mich dann quasi ein den Weg zum Stadion zu Fuß zurückzulegen. Auch das war angenehm entspannt und erst am idyllischen Dutzendteich wurde ersichtlich, dass hier heute tatsächlich ein Fußballspiel stattfinden würde. Mein Timing war mal wieder herausragend und so setzte sich ein kleinerer Trupp von UGEs gerade in Bewegung. Durch gute Antizipation konnte ich die Situation aber weitestgehend umgehen.
Am Stadion angekommen traf ich dann nach kurzer Wartezeit die beiden Autofahrer und erhielt meine Eintrittskarte. Vielen Dank für das Abholen unter der Woche! Dann ging es hinein in den bereits knüppelvollen Block. Die im Vorfeld angekündigten zusätzlichen Blockkontrollen wurden nicht durchgeführt. Uns spielte das in die Karten, da wir eine Karte hatten, die nicht im gleichen Block war. Dennoch muss man zugeben, dass diese extrem vollen Blöcke der Stimmung nicht besonders zuträglich sind. So war vor allem die erste Halbzeit klaustrophobisch und mit Hin- und Hergeschiebe verbunden. Vermutlich regelte dann mal wieder der mächtige Bierstand das Platzproblem in der zweiten Halbzeit…
Unser Auftritt war am heutigen Tag eher gut. Die ganz großen Ausreißer nach oben fehlten heute leider- aber das war sicher nichts, wofür man sich schämen musste. Mit 5.000 Herthanern war die Auswärtsfahrerzahl auch einmal mehr beachtlich. Per Spruchband wurde den verurteilten Mitarbeitenden des Karlsruher Fanprojekts Solidarität zugesprochen. Diese Verurteilung ist wirklich bodenlos. Auch die Ultras Nürnberg zeigten im Laufe der Partie ein Spruchband in diesem Sinne.
Das Auswärtsspiel in Nürnberg gehört seit jeher zu einer meiner Lieblingsreisen. Das Stadion fällt angenehm aus dem Einheitsbrei heraus und auch die Nordkurve Nürnberg ist mit Blick auf die Baulichkeit und die Positionierung der Gruppen etwas Besonderes. Akustisch ist das Stadion nicht geeignet, um sich aus dem Gästeblock ein fundiertes Urteil zu bilden. Optisch und mit Blick auf die gezeigten Spruchbänder war das einmal mehr ein Zeichen einer reifen und gestandenen Fanszene. Neben den Schalkern waren auch Ultras aus Göteborg zu Gast in der Nordkurve.
Sportlich war das heute das fast perfekte Auswärtsspiel. Bereits in der zweiten Minute konnte Winkler durch einen bärenstarken Kopfball den Führungstreffer erzielen. In der Folge konnte Hertha abwarten und durch Umschaltfußball Chancen kreieren. Cuisance und Kownacki konnten die weiteren Tore erzielen. Der einzige Wehrmutstropfen war die schwere Sprunggelenksverletzung Kowkackis kurze Zeit später.
Wir feierten noch kurz mit der Mannschaft und schickten noch ein paar Grüße in die Heimkurve. Dann ging es geschlossen zum Gästeparkplatz, wo wir mit Na. einen weiteren Mitstreiter für die Rückfahrt gewannen. Wir freuten uns beide über das Novum einmal gemeinsam eine Rückfahrt zu bestreiten. So verging die Fahrt in Rekordzeit bei guten Gesprächen und zu einer sehr fanfreundlichen Uhrzeit wurde ich auch schon zu Hause rausgeschmissen. Danke einmal mehr an alle Beteiligten und der alten Dame dafür, dass sie einem ab und an dann doch noch mal einen schönen Moment gönnen kann. Mit 26 Pflichtspielen in Serie endet dann erst einmal wieder die Hertha-Serie. Mit Blick auf die aktuelle Lebenslage gar nicht so verkehrt.
