02.10.2025 FC Porto- Crvena Zvezda 2:1

Euroleauge

Zuschauer: 42.812

Estádio do Dragão: Porto

Ich verharrte einige Sekunden im Treppenhaus. Der Autoschlüssel war schon in meiner Faust, aber eigentlich konnte ich aus unserer Behausung in Vila do Conde das Estádio do Dragão genauso gut mit der Metro erreichen. Da ich im Dezember beim Europapokalspiel aber so herausragend geparkt hatte und so schnell weg war, konnte ich nicht widerstehen und stieg in das Auto. Dümmer hätte man nicht sein können, denn ich kam natürlich in den schrecklichsten Feierabendverkehr. Google hatte dann noch einen vermeintlichen Geistesblitz und die Umfahrung der Autobahn mündete in einer noch größeren Katastrophe. Schlussendlich suchte ich noch ewig einen Parkplatz und war auch nicht mehr wirklich in der Nähe des Stadions. So sieht wohl eine schlechte Entscheidung aus.

Ich konnte noch ein bisschen Zeit wiedergutmachen, in dem ich bei Campanhã noch für eine Station die Metro nahm. Dann ging ich noch kurz zu Alameda, um mir bei FNAC mein vorher bestelltes Ladegerät zu holen, um zumindest nach dem Abpfiff keine Zeit mehr zu verlieren. Der Rückstau am Einlass war gewaltig- aber die Kontrollen bei Porto gehen echt immer sehr fix. Da gibt es nichts zu meckern. Ich hatte mir heute im freien Verkauf ein Ticket geholt und hatte mich fälschlicherweise für die falsche Seite entschieden. Somit saß ich direkt unter dem Colectivo.

Am Vortag kam die Nachricht, dass sowohl das Colectivo, als auch die Super Dragões eine neue Vereinbarung mit dem FC Porto unterzeichnet hatten. Es wurde angekündigt, dass das Protokoll veröffentlicht wird- aber eine direkte Verlinkung blieb in der Pressemitteilung aus. Da ich nach langer Recherche doch noch fündig wurde- hier der Link. Ich will hier nicht die Mentalitätskeule schwingen, aber es ist schon schwer nachzuvollziehen, warum man als Ultragruppe so etwas unterzeichnet. Unter anderem verpflichten sich die SD dazu in jedem Jahr eine aktualisierte Mitgliederliste zu versenden (samt Namen, Steuernummer, Geburtsdatum, Foto, etc.). Weiterhin verpflichtet man sich dazu allen Regeln und Stadionordnungen Folge zu leisten. Wir lernen, dass die SD zurzeit 3.500 Mitglieder haben. Im Gegenzug erhält man kleinere Privilegien bei der Kartenvergabe. Diese werden aber beim Erhalt von Sanktionen umgehend reduziert. Poah- das ist echt harter Tobak.

Somit war ich gespannt, ob sich im Stadion etwas verändern würde. Die klare Antwort war: Nein! Colectivo hatte den üblichen Auftritt, während die Kurve der SD wieder sehr spärlich gefüllt war und weder optisch noch akustisch Akzente setzen konnte.

Ich war aber heute natürlich wegen der Gäste hier. Roter Stern gehört sicher zu spannendsten Fanszenen in Europa. Bisher hatte ich Roter Stern nur bei einem Heimspiel im Jahr 2016 gesehen. Es wurde also allerhöchste Zeit für einen Szene-Booster. Schon während des Tages geisterten Bilder des Mobs durch das Internet, wobei meine Erwartungen deutlich übertroffen wurden. Mit so einer Mannstärke (gendern nicht wirklich nötig…) hätte ich nicht unbedingt gerechnet. Die bekannten Zaunfahnen zu sehen war schon ein heftiger Moment. Es muss den Portugiesen so weh tun im Europapokal alle zwei Wochen zu sehen, wie für ausländische Fanszenen andere Rechte gelten. Versteht mich nicht falsch- ich finde es gut, dass die Polizei die Regeln nicht auch für ausländische Fanszenen durchsetzt- aber umso lächerlicher ist es, dass die Heimfanszenen so gegängelt werden.

Vermutlich war meine Erwartungshaltung etwas zu hoch- aber ich war fast etwas enttäuscht vom Gästeblock. Die Mitmachquote war wenig überraschend gut und doch wurde es nicht übertrieben laut. Es reichte locker, um die Stimmungshoheit zu erlangen- aber der große Flash blieb aus.

Auf dem Spielfeld zeigte Porto wirklich eine miserable Leistung und spielte Fehlpass nach Fehlpass. Roter Stern spielte munter und couragiert mit und konnte zwischenzeitlich verdient zum 1:1 ausgleichen. In der 89. Minute fiel dann der leicht unverdiente Siegtreffer für Porto. Das hatte zum Vorteil, dass es zumindest noch zu einem coolen Torjubel kam. Das sind dann die Momente, wo das portugiesische Publikum kurz abliefert und es auch mal laut werden kann. Schade, dass während der 90 Minuten solche Momente quasi nicht existieren.

Ich guckte mir noch schnell die Feierei an und warf einen Blick auf die Mitglieder des Colectivo. Dann ging es schnellen Schrittes zum Auto, wobei mir das Gefälle in die Karten spielte. Dank netter Autofahrer konnte ich der schwierigen Parklücke schnell entkommen und war dann tatsächlich schnell auf der Autobahn und weg aus dem Getümmel und eine knappe halbe Stunde später dann auch zu Hause.

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