18.10.2025 GD Palmeira-GD Florença 2:1

Fashion Cup

Zuschauer: 160

Estádio Marcelo Leitão: Espargos

Wir hatten uns dafür entschieden zumindest ein bisschen aus der Komfortzone herauszugehen und nicht eine halbe Ewigkeit in Portugal zu verbleiben. Daher verbrachten wir eine Woche auf den Kapverden. Easyjet fliegt die Insel Sal regelmäßig aus Lissabon und Porto an und mit vier Stunden Flugzeit war der Aufwand relativ im Rahmen. An Fußball verschwendeten wir bei der Buchung des Fluges noch nicht zu viele Gedanken. Mit dem Näherrücken des Trips wurde der Gedanke aber natürlich präsenter: Es wäre schon der Hammer, wenn man ein Spiel machen und somit den Länderpunkt verbuchen könnte.

So begann eine wochenlange Odyssee durch die kapverdischen (Social-) Medien. Ich folgte Twitter Accounts, studierte Internetseiten, versuchte den Fußballverband zu kontaktieren. Es half alles nichts. Der offizielle Ligabetrieb sollte erst im November starten und es gab auf keiner der acht Vereinsseiten der Insel Sal eine Ankündigung von Testspielen. Auch in den ersten Tagen auf der Insel aktualisierte ich also in regelmäßigen Abständen die Social Media Auftritte der Vereine.

Mittlerweile war es Samstagmittag und ich gab die Hoffnung langsam auf. Bei der erneuten Aktualisierung einer Vereinsseite war plötzlich ein Turnierposter verlinkt. Es war 13:12 und um 14:00 sollte das erste Spiel eines Vorbereitungsturniers stattfinden, an dem alle Mannschaften der Insel teilnahmen. Lasst Euch das mal auf der Zunge zergehen. Kein anderer Verein schaffte es auch nur einen Hinweis zu veröffentlichen. Nicht davor, nicht während des Turniers und nicht danach. Wahnsinn!

Da der kleine Groundhopper noch gerade im Reich der Träume verweilte, wurde der Klabauterkeaper zum Stadion geschickt. Auch am Sonntag sollten noch zwei Spiele stattfinden, sodass ich relativ gelassen war (Ich war stolz auf mich). Gegen 15:15 wachte der Kleine dann auf und bekam verschiedene Optionen für das Programm gestellt (Schwimmbad, Meer, Spielplatz, Tierpark oder Fußball). Die Antwort war eindeutig: Fußball! Wahnsinn. Was war hier los?

Also machten wir uns in Windeseile fertig, versuchten an alles zu denken und liefen zur Tür. Glücklicherweise stand auch direkt ein Taxi vor der Haustür. Der Fahrer musste über meine Verhandlungstaktik lachen- aber schlussendlich konnte ich den Preis der Klabauterkeapers um zwei Euro drücken, was ein wichtiger moralischer Erfolg war. Dann sausten wir über die Insel und genossen den warmen Fahrtwind. 20 Minuten später wurden wir vor dem Stadion herausgelassen und erlebten noch die letzten 10 Minuten der vorigen Partie mit, die zu spät angepfiffen wurde.

Wir suchten uns einen schönen Platz im Schatten hinter dem Tor und warteten auf den Anpfiff der zweiten Partie. Um 16:13 war es dann soweit. Nicht ganz unwichtig, da in der Dämmerung die Mücken loslegen und auch die einbrechende Dunkelheit kein großer Vorteil für uns sein sollte. Der kleine Groundhopper hatte keinerlei Anlaufschwierigkeiten und verbrachte die erste halbe Halbzeit komplett unabhängig von uns. Sachen runterschmeißen, Sachen wiederaufheben, Leute grüßen, Kekse abstauben. Das war schon ziemlich beeindruckend.

So wurde das auch für uns ein sehr entspannter Spielbesuch. Dafür, dass beide Mannschaften erst am Beginn der Vorbereitung waren, war das erstaunlich intensiv. GD Palmeira, die auch von den meisten Fans begleitet wurden, gewann das Spiel mit 2:1. Wie die anderen 160 Zuschauer von der Ansetzung mitbekamen, konnte ich nicht klären.

Das Estádio Marcelo Leitão steht in der Hauptstadt der Insel Espargos Das Stadion wurde in den 80er Jahren eröffnet und ist ein echter Hingucker. Es gibt eine Tribüne und dazu zahlreiche Stufen auf zwei Seiten des Stadions. Zudem hat das Stadion den genau richtigen Gammelfaktor. Alleine der Zaun, der uns den Blick versperrte, war eine echte Augenweide. Unsere chinesischen Freunde haben vor circa zehn Jahren wohl die Verlegung von Flutlicht und die Erneuerung der Laufbahn übernommen. Der bereits aus Ghana bekannte Gedenkstein zeugte von den Taten.

Der Eintritt war mit einem Euro sehr fair und die Leute waren maximal entspannt. Getränke konnte man sich in einer nahegelegenen Bar holen (dazu morgen mehr). Das war ein würdiger Länderpunkt und noch heute kommt mir ein Lächeln, wenn ich daran zurückdenke. Mit so viel Ach und Krach habe ich bisher noch keinen Punkt gemacht. Richtig cool!

Ich hatte den Taxifahrer gefragt, ob er uns wieder einsammeln würde, aber als wir das Stadion mit 15 Minuten Verspätung verließen, war kein Taxi zu sehen. In der Dämmerung liefen wir in Richtung der Hauptstraße und wurden nach wenigen Minuten belohnt. Ein Taxi hielt, der Preis war fair und keine 20 Minuten später waren wir in unserer sehr schönen Wohnung! Cabo Verde, vamos caralho!

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